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Psychopharmaka - Lexikon der Psychologie

Als Psychopharmaka werden Medikamente bezeichnet, die auf hirnorganische Vorgänge einwirken und die Symptome psychischer Störungen lindern.

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PsychopharmakaFoto: thomas pieruschek / aboutpixel.de
Zu den wichtigsten Gruppen der Psychopharmaka zählen Antidepressiva (bei Depressionen), Neuroleptika (bei Schizophrenie / Wahn) und Tranquilizer (zur Beruhigung, angstlösend). Psychopharmaka können in der Regel keine Heilung herbeiführen und haben zum Teil erhebliche Nebenwirkungen. Durch die Erfindung von Psychopharmaka konnten inhumane Behandlungsmethoden und Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie wie Fesselung, Elektroschocks jedoch weitgehend ersetzt werden.

Psychopharmaka in der Übersicht

Nach Wirkung und Nebenwirkungen unterscheidet man folgende Gruppen von Psychopharmaka:

Neuroleptika: Verringern die Symptome von Schizophrenien, indem sie die Übertragung von Informationen zwischen bestimmten Gehirnzellen durch Hemmung der Übertragung des Botenstoffes Dopamin blockieren. Typische Nebenwirkungen sind u.a. Zittern, (Gesichts-) Zuckungen, unwillkürliche Bewegungen, Benommenheit

Atypische Neuroleptika: Werden etwa seit 1950 zur Behandlung vor allem von Schizophrenien eingesetzt, sollen weniger typische Nebenwirkungen (Zittern, (Gesichts-) Zuckungen, unwillkürliche Bewegungen) hervorrufen als klassische Neuroleptika.

Trizyklische Antidepressiva (Trizyklika): Greifen in die Informationsübertragung von mehreren Gehirnzellen-Systemen ein und haben daher meist zahlreiche Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, Kreislaufstörungen und Herzrhythmusstörungen. Trizyklika werden heute nur noch selten eingesetzt.

Selektive Antidepressiva (Selektive Wiederaufnahme-Hemmer): Greifen nur in bestimmte Übertragungssysteme ein und weisen daher i.R. weniger Nebenwirkungen auf. Am häufigsten werden selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) eingesetzt, z.B. bei Panikattacken oder Angststörungen. Häufige Nebenwirkung sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Weitere Nebenwirkungen können erhöhte Selbstmordgefährdung und aggressives Verhalten sein.

Häufig verschriebene und bekannten Psychopharmaka (Wirkstoff in Klammern):

  • Amineurin (Trizyklisches Antidepressivum / Wirkstoff: Amitriptylin): Vor allem bei Depressionen. Nebenwirkungen u.a. Mundtrockenheit, Mattigkeit, Magen-Darmstörungen
  • Prozac (Selektives Antidepressivum / Wirkstoff: Fluoxetin): Vor allem bei Depressionen. Nebenwirkungen u.a. Übelkeit, Schlaflosigkeit, Zittern
  • Risperdal (Atypisches Neuroleptikum / Wirkstoff: Risperidon): Vor allem bei Schizophrenien. Nebenwirkungen u.a. Gewichtszunahme, Zittern
  • Ritalin (Wirkstoff: Methylphenidat): Vor allem bei ADHS. Nebenwirkungen u.a. Wachstumsverzögerung, Übelkeit, Schwitzen, Hautentzündungen, Juckreiz
  • Seroquel (Atypisches Neuroleptikum / Wirkstoff: Quetiapin): Vor allem bei Schizophrenien und Manie. Nebenwirkungen u.a. Gewichtszunahme, Verstopfung, Fieber
  • Tavor (Tranquilizer / Wirkstoff: Lorazepam): Vor allem bei Angststörungen. Nebenwirkungen u.a. Abhängigkeit mit starken Entzugserscheinungen
  • Trevilor (Selektives Antidepressivum / Wirkstoff: Venlafaxin): Vor allem bei Depressionen und Angststörungen. Nebenwirkungen u.a. Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Schwindel, Zittern, Selbstmordgefährdung
  • Valium (Tranquilizer / Wirkstoff: Diazepam): Vor allem als Beruhigungsmittel und Angststörungen. Nebenwirkungen u.a. Abhängigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, Schwindel
  • Zyban (Selektives Antidepressivum / Wirkstoff: Bupropion): Vor allem bei Depressionen (auch bei Raucherentwöhnung). Nebenwirkungen u.a. Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit, Abhängigkeit, (tödliche) Krampfanfälle
  • Zyprexa (Atypisches Neuroleptikum / Wirkstoff: Olanzapin): Vor allem bei Schizophrenien und manisch-depressiven Erkrankungen. Nebenwirkungen u.a. Gewichtszunahme und Diabetes

Homöopathische Psychopharmaka

Aufgrund der teilweise gravierenden Nebenwirkungen, die Psychopharmaka hervorrufen können, klingt es verlockend auch homöopathische Alternativen in Betracht zu ziehen. Auch im Internet berichten einzelne Patienten und Ärzte von teilweise beeindruckenden Erfolgen homöopathischer Psychopharmaka. Man sollte die Besserungschancen durch homöopathische Psychopharmaka jedoch realistisch einschätzen:
  • Es gibt keine stichhaltige / vernünftige Begründung, warum homöopathische Mittel überhaupt helfen sollten.
  • Auch wenn die Patientenberichte teilweise beeindruckend klingen, sind es Einzelfälle und es gibt nur wenige anerkannte Studien.
  • Auch ohne Psychopharmaka und sonstige Therapien kommt es immer wieder zu Heilungen (auch bei Schizophrenien). Eine Verbesserung muss daher nicht zwangsläufig auf ein homöopathisches Medikament zurückzuführen sein.
  • Selbst wenn ein homöopathisches Medikament bei einer Person hilft, heißt das noch lange nicht (gemäß der homöopathischen Theorie), dass das Mittel auch einem anderen Menschen hilft. Manchmal dauert es Wochen, bis das richtige Mittel gefunden wird - oft wird es auch nie gefunden.

Typische homöopathische Mittel bei Depressionen und Angst:

  • Aurum metallicum (Gold), Verdünnung: D6 - D12
  • Arsenicum album (Arsentrioxid, giftig), Verdünnung: D6 - D12
  • Veratrum album (Weißer Nieswurz, sehr giftig), Verdünnung: D6 - D12

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