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Mobbing - Lexikon der Psychologie

Als feststehender Begriff bezeichnet Mobbing die systematische Ausübung von psychischer Gewalt (Beschimpfung, Beleidigung, Verleumdung) am Arbeitsplatz oder in der Schule zur Ausgrenzung, Diskriminierung oder Unterdrückung anderer. Mobbing im Internet oder auf sozialen Medien wird als Cyber-Mobbing bezeichnet. Wird die psychische Gewalt vom Vorgesetzten angewandt, spricht man auch von Bossing, bei psychischer Gewalt von Schülern gegenüber Schülern von Bullying.
Das Wort Mobbing stammt aus dem Englischen: "to mob" bedeutet über jemanden herfallen, jemanden anpöbeln, sich auf jemanden stürzen. Der deutsche Arzt und Psychologe Heinz Leymann prägte in den 1990er Jahren den Begriff Mobbing für psychische Angriffe und feindselige Kommunikation am Arbeitsplatz. Leymann definierte Mobbing als konfliktbelastete Kommunikation, in der das Opfer dem Täter unterlegen ist, und der Täter systematisch über einen längeren Zeitraum gegen das Opfer vorgeht. Als Richtschnur zur Einschätzung, ob systematisches Mobbing vorliegt, gelten Dauer und Intentionalität. Halten die Angriffe über ein halbes Jahr hinweg an mit der Absicht einer Person bewusst zu schaden, handelt es sich um Mobbing. Ein weiteres Kriterium ist das Hierarchiegefälle (das Opfer ist dem Täter strukturell unterlegen). Letztes kann vorliegen, ist aber nicht zwingen erforderlich.
Mobbing-Merkmale in der Übersicht:
  • Ein Täter übt psychische Gewalt aus, um einer anderen Person bewusst zu schaden
  • Der Täter geht systematisch und über einen längeren Zeitraum gegen das Opfer vor (mind. 6 Monate)
  • Das Opfer ist dem Täter strukturell unterlegen, es gibt ein Hierarchiegefälle
Zu den typischen Mobbing-Handlungen zählen Beschimpfungen, Beleidigungen, Unterstellungen, Demütigungen, Verleumdung, Ausgrenzung, das Lächerlich-machen und besonders in der Arbeitswelt: Drohungen, Unterbrechen, Anschreien, Schikanieren, Einschüchtern, permanente Kritik, abwertende Blicke, Andeutungen anstelle von konkreten Aussagen, sexuelle Belästigung. Die Angriffe richten sich meist auf den sozialen Status einer Person, können jedoch auch die sozialen Beziehungen (besonders im Internet), die Arbeitsfähigkeit oder die Gesundheit zum Ziel haben.
Gemobbt wird, um demonstrativ Macht auszuüben, einen Konkurrenten loszuwerden oder um einen Mitarbeiter zur Kündigung zu bewegen. Die meisten Täter nennen jedoch die Andersartigkeit des Opfers oder mangelnde Leistungsbereitschaft als vordergründige Ursachen für ihr Verhalten. Dabei werden Männer meistens von Männern und Frauen von Frauen gemobbt. Im Frühstadium wird Mobbing oft nicht erkannt oder sogar noch durch andere unterstützt, wodurch sich die Täter bestärkt fühlen und ihr Verhalten intensivieren.

Folgen von Mobbing

Beim Opfer kann es infolge der psychischen Gewalt zu schwerwiegenden körperlichen und seelischen Gesundheitsfolgen (Burnout, Depression) bis hin zu Suizidgedanken oder einem vollzogenen Suizid kommen. Bei Kindern und Jugendlichen zählt selbstverletzendes Verhalten (Ritzen) zu den Mobbing-Folgen. Die Verunsicherung des Opfers macht sich meist nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im privaten Umfeld bemerkbar.
Mobbing-Opfer fühlen sich oft demotiviert, überfordert und besitzen eine geringere Leistungsfähigkeit. Gefühle von Hilflosigkeit können dazu führen, dass sich Mobbing-Opfer abschotten, ihre Fähigkeiten in Zweifel ziehen oder sich ganz aufgeben. Die psychischen Probleme werden medizinisch als Mobbing-Folgen anerkannt und ähneln posttraumatischen Symptomen. Mobbing geht weit über den bloßen Verlust der Lebensqualität hinaus.
Das Selbstbewusstsein wird immer geringer und die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück. Angehörige sehen darin häufig eine Ablehnung und distanzieren sich ihrerseits vom Mobbing-Opfer, wodurch schnell der eigentlich notwendige Rückhalt aus dem privaten Umfeld fehlt. Nicht nur die Opfer, sondern auch die Unternehmen spüren die Mobbing-Folgen und müssen mit finanziellen Einbußen rechnen. Zusätzlich zu den erhöhten Fehlzeiten fürchten Unternehmen den Imageverlust. Aus diesem Grund gehen viele Unternehmen mittlerweile konsequent gegen Mobbing-Täter vor.

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