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Zwang und Zwangsstörungen - Lexikon der Psychologie

Zwangsstörungen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen ständig einen großen inneren Drang verspüren, bestimme Dinge immer wieder (zwanghaft) tun oder denken zu müssen. Die Betroffenen sind sich der Sinnlosigkeit bewusst und leiden unter dem Zwang.
Zwangsstörungen zählen zu den Neurosen. Die Diagnosekriterien nach ICD10 umfassen:
  • Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen über mehrere Wochen
  • Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt
  • Zwangshandlungen werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen.
Hinsichtlich der Symptome wird zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unterschieden:

Zwangsgedanken

  • Ständig wiederkehrende Gedanken, z.B. dass dem Partner etwas schlimmes zugestoßen ist, dass man etwas falsch gemacht hat
  • Zwangsimpulse: Widerkehrende Befehle und Ideen, etwas tun zu müssen, z.B. das eigene Kind zu töten
  • Grübelzwang: Endloses Grübeln über eine Sache ohne eine Lösung zu finden

Zwangshandlungen, Handlungen, die immer wieder ausgeführt werden müssen, z.B.

  • Reinlichkeitszwang: Händewachen bis die Haut wund wird
  • Kontrollzwang: Zehnmal nachschauen, ob die Herdplatte auch wirklich ausgeschaltet ist
  • Ordnungszwang: Alle Dinge werden symmetrisch angeordnet
  • Zählzwang: Alle Dinge müssen gezählt werden

Abgrenzung zu Tics

Tics (Tourette-Syndrom), die häufig bei Kindern auftreten, und Zwangshandlungen weisen eine große Nähe auf. Häufig leiden Kinder mit Tics auch unter Aufmerksamkeitsstörungen. Meist bessern sich die Symptome ab dem 16. Lebensjahr.

Abgrenzung zu Sucht

Bei einer Sucht steht meist eine Substanz im Vordergrund. Im Gegensatz zur Sucht, werden Zwangsgedanken und Zwangshandlungen nicht als angenehm erlebt.

Ursache und Behandlung von Zwangsstörungen

Die Ursachen von Zwangsstörungen sind weitgehend unbekannt. In vielen Fällen konnten hirnorganische Veränderungen beobachtet werden. Die Psychoanalyse sieht im Zwang eine Abwehrreaktion auf (unbewusste) Triebimpulse.
Viele Zwangsstörungen lassen sich heute gut verhaltenstherapeutisch behandeln, z.B. mit Habituationstraining oder der klassische Konfrontationsmethoden. Beim Habituationstraining lernen die Betroffenen, sich an die Zwangsgedanken zu gewöhnen, bis sie schließlich ihren Schrecken verlieren. Durch die Konfrontationsmethode lernen Betroffene, Situationen auch ohne Zwangshandlungen auszuhalten, z.B. das Haus zu verlassen ohne nach dem Herd zu schauen. Auch bei der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva gab es gute Fortschritte.




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