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Homosexualität - Lexikon der Psychologie

Homosexuelle Menschen fühlen sich von Menschen des gleichen Geschlechts angezogen: Frauen von Frauen (Lesben) und Männer von Männern (Schwule). Homosexualität wird häufig als Gegensatz zu Heterosexualität verstanden: Man(n) ist entweder homo oder hetero. Tatsächlich gibt es viele Schattierungen zwischen Heterosexualität und Homosexualität, die früher auch unter dem Begriff Bisexualität zusammengefasst wurden. Homosexualität kann eine generelle Neigung sein, jedoch auch situativ auftreten, z.B. in Gefangenschaft.
Der Anteil homosexueller Menschen an der Bevölkerung liegt zwischen 3 und 10 Prozent. Die Zahlen schwanken stark, weil es unterschiedliche Antworten auf die Frage gibt, ab wann jemand eindeutig homosexuell ist. Es gibt nicht wenige Menschen, die sich beispielsweise mit homosexuellen Fantasien erregen, jedoch keine realen homosexuellen Handlungen vornehmen oder homosexuelle Partnerschaften eingehen. Eine Psychotherapie zu Behandlung von Homosexualität ist weder sinnvoll noch angebracht: Warum sollte man eine normale, natürliche sexuelle Orientierung behandeln? Psychoanalytiker haben in der Homosexualität allerdings lange eine Fehlentwicklung gesehen und versucht, diese (erfolglos) zu behandeln. Heute wird eine Psychotherapie allenfalls zur Stärkung des Selbstbewusstseins als sinnvoll angesehen, wenn ein homosexueller Mensch große Schwierigkeiten damit hat, seine Homosexualität anzunehmen und sein Leben entsprechend seiner Neigungen zu gestalten.
Immer mehr setzt sich heute das Verständnis durch, dass sie sexuelle Identität nicht eine Entweder-Oder-Frage ist, sondern dass es viele Abstufungen der normalen menschlichen Sexualität gibt, so werden beispielsweise mehr als 20% der heterosexuellen Frauen durch homosexuelle (lesbische) Fantasien erregt. Die sexuelle Identität entwickelt und festigt sich während der Pubertät, kann sich aber auch später noch ändern. Zur sexuellen Identität gehören mindestens fünf Bereiche. Die wenigsten Menschen sind in allen Bereichen rein heterosexuell:
  • Welches sexuelle Verhalten wird praktiziert?
  • Welches Geschlecht wird als sexuell anziehend erlebt?
  • Welche Bilder, Videos oder sonstigen Dinge werden zur Steigerung der Erregung verwendet?
  • Zu welchem Geschlecht besteht eine emotionale Beziehung?
  • Welcher Art sind sexuelle Träume und Fantasien?
Unter Coming-Out wird die Bewusstwerdung der eigenen sexuellen Identität verstanden. Zeitgleich oder etwas später kann die sexuelle Identität auch nach außen hin vertreten werden. Insofern durchlaufen auch heterosexuelle Menschen ein Coming-Out. Ihnen fällt das Coming-Out jedoch häufig leichter, weil Homosexualität von vielen nach wie vor als ein Makel angesehen wird. Insgesamt lässt sich beobachten, dass ein homosexuelles Coming-Out umso eher akzeptiert wird, je selbstbewusster es verkörpert wird.

Homosexualität und Gesellschaft

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Homosexualität im antiken Griechenland gesellschaftlich akzeptiert war. So finden sich auf vielen antiken Vasen Darstellungen homosexueller Liebe. In Theben gab eine Eliteeinheit der antiken Streitkräfte, die aus 150 männlichen Liebespaaren bestand und von dem thebanischen Feldherrn Gorgidas gegründet wurde. Sie stellte den Kern der thebanischen Phalanx dar. Es wurden ausschließlich Liebespaare ausgewählt, um den Zusammenhalt der Truppe zu maximieren.
Homosexualität ist auch im Tierreich weit verbreitet und nichts Ungewöhnliches. Wenn Homosexualität nichts zum Überleben einer Art beitragen würde, wäre eine solche Verbreitung eher unwahrscheinlich. Es gibt daher die Vermutung, dass homosexuelle Individuen ihrer Gruppe z.B. dadurch einen evolutionären Vorteil verschaffen, dass sie Aufgaben als Künstler, Wissenschaftler oder Anführer übernehmen können, die mit Kindern nur schwer zu bewältigen wären. Zudem hilft eine homosexuelle Veranlagung dabei, attraktiver auf das andere Geschlecht zu wirken (wenn ich als Mann besser verstehe, was an einem Mann attraktiv ist, kann ich dieses Wissen einsetzen, um bei Frauen zu punkten), und hat auch aus diesem Grund einen evolutionären Sinn.
Bis heute konnte kein Homo-Gen identifiziert werden. Jedoch spricht einiges dafür, dass homosexuelle Neigungen zumindest teilweise genetisch bedingt sind. Eltern, Erzieher und Vorbilder scheinen ebenfalls einen, wenn auch nur geringen, Einfluss auf die Entwicklung auszuüben. Freud ging davon, dass alle Menschen von Natur aus bisexuell sind und erst im Laufe der frühkindlichen Entwicklung, die Liebe zum anderen Geschlecht entdecken. So eindeutig scheint das jedoch nicht zu sein. Homosexualität stellt sich heute vielmehr als das Ergebnis von genetischer Veranlagung, frühkindlicher, wohl auch pränataler, Entwicklung, Persönlichkeit, gesellschaftlicher Bedingungen und situativer Umstände dar.
Homosexuelle Praktiken unterscheiden sich nicht grundsätzlich von heterosexuellen. So wünschen sich beispielweise auch viele heterosexuelle Männer (etwa jeder 3.) Analverkehr. Nur 20 Prozent der heterosexuellen Männer lehnen Analverkehr eindeutig ab. Gerade in homosexuelle Beziehung kann mancher Mann seine Sexualität freier ausleben als mit einer Frau.

Weiterführende Quellen und Links

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