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Loveparade 2010: Das Trauma der Techno-Jugend

Auf der Loveparade 2010 in Duisburg sterben 19 Menschen bei einer Massenpanik. Mehr als 300 Besucher werden verletzt und wahrscheinlich Tausende traumatisiert. Was bedeutet das kollektive Trauma für die Techno-Jugend? Welche Folgen hat ein Trauma für den Einzelnen? Welche Therapie hilft? - von Psychomeda-Redaktion, Jul 2010

Loveparade: Trauma der Techno-Jugend

Die jungen Menschen kamen, um zu tanzen. Stattdessen erlebten Hunderte von ihnen Tod und Schrecken - in einem weitaus schlimmeren Ausmaß als das, was derzeit viele Soldaten in Afghanistan erleben müssen. Sie trampeln auf Leichen, sie sehen in das Angesicht des Todes, sie werden für immer von Freunden getrennt, sie versagen bei dem Versuch zu helfen, sie geraten in Todespanik und denken nur noch an das eigene Leben. Sie versuchen zu entkommen, ohne sich bewegen zu können, eingesperrt in einem dunklen Tunnel. Sie erleben absolute Hilflosigkeit, absoluten Horror - Minuten lang.

Wie soll ein junger Mensch das verkraften? Kann er es überhaupt verkraften? Hier können Betroffene Ihre Fragen an das Psychologen-Team von Psychomeda stellen...

Trauma: Die Begenung mit Tod und Schrecken

Ein Trauma ist eine Wunde der Seele (mehr über Trauma im Online-Lexikon der Psychologie). Ausgelöst wird ein Trauma durch das Erlebnis von Gewalt, Schrecken und Tod. Kommt das Gefühl der Hilflosigkeit hinzu, so hat das Trauma für den Betroffenen oft langwierige negative Auswirkungen. Zu den Symptomen traumatisierter Menschen zählen:
- Vermeiden von Situationen, z.B. Tunneln
- wiederkehrende Panikattacken
- Albträume
- Flashbacks
- Depressionen
- Persönlichkeitsstörungen
- Selbstmordgefährdung

Die Loveparade 2010 ist ein kollektives Trauma von beängstigendem Ausmaß. Hunderte junge Menschen sind davon betroffen. Und ihnen muss jetzt geholfen werden.

Trauma-Therapie für die Techno-Jünger

Viele werden erst später begreifen, dass sie traumatisiert sind. Sie werden langsam merken, dass ihr Leben nicht mehr das gleiche ist wie vor der Katastrophe. Und darin liegt bereits ein erster Schritt zur Heilung, den oft ist es schon eine Erleichterung, wenn man versteht, was mit einem passiert ist.

In der akuten Phase sind vor allem die Angehörigen gefragt. Wie bei einem Kind sollten sie nun Trost spenden und Sicherheit vermitteln. Jeder geht anders mit der Katastrophe um. Die einen werden erzählen, die anderen werden schweigen. Beides ist ok und sollte vom Umfeld akzeptiert werden. Bohrende Fragen sind in jedem Fall der falsche Weg. Zuhören und einfach nur da sein, ist das, was sich die meisten Betroffenen wünschen.

Psychotherapie bei Trauma

Wenn Angehörige und Freunde merken, dass jemand mit dem Erlebten alleine nicht fertig wird, sollten sie ihn frühzeitig ermuntern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen - in vielen Fällen bezahlt die Krankenkasse die psychotherapeutische Behandlung (so finden Sie einen geeigneten Psychotherapeuten).

Das Erlebte verarbeiten

Schon immer haben Menschen besondere Erlebnisse in Kunst, Musik, Theater und Literatur versucht zu verarbeiten. Und so werden das Schreiben von Tagebüchern, das Musikmachen, das Malen und das Theaterspielen von vielen traumatisierten Menschen als sehr hilfreich und erleichternd erlebt. Sie helfen, dass unfassbare zu begreifen, in das eigene Leben zu integrieren, einen Sinn darin zu erkennen und weiterzuleben.

Phasen der Trauma-Bewältigung

Die Phasen, die traumatisierte Menschen durchlaufen können ganz verschieden sein. Oft sind es:

1. Unmittelbar nach der Katastrophe
Die Betroffenen versuchen langsam das Geschehen zu begreifen. Angehörige sollten Trost und Sicherheit vermitteln, zuhören und einfach da sein.

2. Nachdenken über die Katastrophe
Die Betroffenen quälen sich mit Fragen (Warum habe ich überlebt?) und Zweifeln (Was habe ich getan?). Erinnerungsbilder und Albträume kehren immer wieder. Angehörige sollten zuhören und bei Bedarf professionelle Hilfe organisieren.

3. Verdrängen
Viele Betroffene versuchen, nicht mehr an das Erlebnis zu denken. Symptome wie Depressionen und Panikattacken treten auf. Angehörige sollten Betroffene zu einer besseren Bewältigung ermuntern, z.B. durch Trauerrituale, Kunst und Musik. Wenn die Betroffenen aus Angst das Haus nicht mehr verlassen wollen, sollten Angehörige unbedingt professionelle psychologische Hilfe organisieren.

4. Integrieren
Betroffene versuchen, das Erlebte in ihr Leben zu integrieren, z.B. durch religiöse Deutung, Humor. Angehörige sollten sie dabei unterstützen, und z.B. die religiösen Deutungen übernehmen.

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