Zwang, Zwänge und Zwangsstörungen
Zwang: Überblick
Zwangsstörungen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen ständig einen großen inneren Drang verspüren, bestimme Dinge immer wieder (zwanghaft) tun oder denken zu müssen. Die Betroffenen sind sich der Sinnlosigkeit bewusst und leiden unter dem Zwang. Zwangsstörungen zählen zu den Neurosen.
Zwang: Symptome
Man unterscheidet zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen:
Zwangsgedanken
- Ständig wiederkehrende Gedanken, z.B. dass dem Partner etwas schlimmes zugestoßen ist, dass man etwas falsch gemacht hat
- Zwangsimpulse: Widerkehrende Befehle und Ideen, etwas tun zu müssen, z.B. das eigene Kind zu töten
- Grübelzwang: Endloses Grübeln über eine Sache ohne eine Lösung zu finden
Zwangshandlungen, Handlungen, die immer wieder ausgeführt werden müssen, z.B.
- Reinlichkeitszwang: Händewachen bis die Haut wund wird
- Kontrollzwang: Zehnmal nachschauen, ob die Herdplatte auch wirklich ausgeschaltet ist
- Ordnungszwang: Alle Dinge werden symmetrisch angeordnet
- Zählzwang: Alle Dinge müssen gezählt werden
Zwang: Ursachen
Die Ursachen von Zwangsstörungen sind weitgehend unbekannt. In vielen Fällen konnten hirnorganische Veränderungen beobachtet werden. Die Psychoanalyse sieht im Zwang eine Abwehrreaktion auf (unbewusste) Triebimpulse.
Zwang: Behandlung
Viele Zwangsstörungen lassen sich heute gut verhaltenstherapeutisch behandeln, z.B. mit Habituationstraining oder der klassische Konfrontationsmethoden. Beim Habituationstraining lernen die Betroffenen, sich an die Zwangsgedanken zu gewöhnen, bis sie schließlich ihren Schrecken verlieren. Durch die Konfrontationsmethode lernen Betroffene, Situationen auch ohne Zwangshandlungen auszuhalten, z.B. das Haus zu verlassen ohne nach dem Herd zu schauen. Auch bei der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva gab es gute Fortschritte.
Zwang: Fragen und Antworten
Vor dem Verlassen meiner Wohnung muss ich alle elektrischen Geräte mehrmals kontrollieren, so dass ich es oft gar nicht mehr schaffe, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Was soll ich tun?
Sie beschreiben die typischen Symptome einer Zwangsstörung, die sich gut verhaltenstherapeutisch behandeln lassen. Sie sollten sich an einen Verhaltenstherapeuten in Ihrer Nähe wenden. Verhaltenstherapeuten finden Sie in unserer Datenbank...
Mein Kind leidet unter einem Tic. Handelt es sich dabei auch um eine Zwangsstörung, die man psychotherapeutisch behandeln sollte?
Tics (Tourette-Syndrom) und Zwangshandlungen weisen eine große Nähe auf. Häufig leiden Kinder mit Tics auch unter Aufmerksamkeitsstörungen. Meist bessern sich die Symptome ab dem 16. Lebensjahr. Sie sollten einen Psychiater aufsuchen, um die Symptomatik untersuchen zu lassen. Er wird Ihnen auch sagen, ob eine psychotherapeutische Behandlung nötig und erfolgsversprechend ist.
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