Vergewaltigung
Überblick
Vergewaltigung stellt eine Form des sexuellen Missbrauchs dar. Bei einer Vergewaltigung wird eine Person gegen ihren Willen zum Vollzug des Geschlechtsverkehrs gezwungen. Auch andere Formen des sexuellen Eindringens in den Körper werden als Vergewaltigung gewertet.
Ist das Opfer einer Vergewaltigung jünger als 14 Jahre, liegt der Tatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor.
Die Verjährungsfrist für Vergewaltigung liegt bei 20 Jahren. Ist das Opfer zur Tatzeit noch nicht volljährig, beginnt die Verjährung erst mit der Volljährigkeit des Opfers.
Strafverschärfend wirken u.a.:
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr (mit der Gefahr einer möglichen Infektion)
- Samenerguss in die Scheide (mit der möglichen Folge einer Schwangerschaft)
- körperliche Misshandlung
- Verwendung gefährlicher Werkzeuge oder Waffen
- Bedrohung mit Gewalt oder Tot
- Vergewaltigung durch mehrere bzw. durch eine Gruppe
(alle rechtlichen Angaben ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich verbindlich bei einem Anwalt)
Laut der polizeilichen Kriminalstatistik werden in Deutschland im Jahr etwa 7.000 bis 8.000 Vergewaltigungen bekannt (etwa 9 pro 100.000 Einwohner). Die Aufklärungsquote liegt bei etwa 80%. Etwa 60% der Vergewaltigungen werden von bekannten Mehrfachtätern verübt. Und etwa 30% der Vergewaltigungen finden unter Alkoholeinfluss statt. 99% der Täter sind männlich. Etwa 10 bis 15% der Frauen werden in ihrem Leben einmal Opfer einer Vergewaltigung (die Dunkelziffer dürfte höher liegen).
Vergewaltigung: Folgen
Die Folgen einer Vergewaltigung belasten nicht nur das Oper oft ein Leben lang, sondern auch das Umfeld (Partner, Kinder, Freunde). Immer wieder kommt es zu Flashbacks und Angstanfällen - häufig z.B. bereits ausgeläst durch das Lesen des Worts "Vergewaltigung". Zu den typischen psychischen Folgen einer Vergewaltigung siehe unter Sexueller Missbrauch
Hilfe und Therapie bei Vergewaltigung
Die Therapie richtet sich nach dem Störungsbild und zielt in erster Linie auf Stabilisierung, Aufarbeitung, Bewältigung und Integration der Geschehnisse ab. Besondere Ansprüche an Therapie und Therapeuten ergeben sich bei einem laufenden Verfahren. Es sollte daher ein Therapeut gewählt werden, der über umfangreiche Erfahrungen in Hinblick auf ein Verfahren verfügt und die Therapie entsprechend dokumentiert. Die Therapie darf niemals die Glaubhaftigkeit des Opfers beeinträchtigen.
Im weiteren Ablauf der Therapie kann es auch sinnvoll sein, den Partner mit einzubeziehen.
Hilfe bei sexuellem Missbrauch: Therapeuten aus dem Psychomeda-Netzwerk: (hier mitmachen)
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Vergewaltigung: Tipps für Opfer
Auch wenn Sie die Vergewaltigung nicht gleich anzeigen wollen, helfen Ihnen folgende Tipps:
- Sichern Sie Beweise! Waschen und Duschen Sie sich nicht, lassen Sie sich von einem Frauenarzt in Hinblick auf eine mögliche Anzeige untersuchen.
- Waschen Sie Ihre Kleidung nicht und auch keine Gegenstände, die der Täter berührt hat. Überall können sich DNA-Spuren finden.
- Heben Sie Beweisstücke und Kleidung in einer luftdurchlässigen Papiertüte auf.
- Niemand ist gezwungen, Anzeige zu erstatten. Wenn Sie jedoch Anzeige erstatten, muss die Staatsanwaltschaft aktiv werden - auch wenn Sie das später nicht mehr möchten. Sie können eine Anzeige nicht mehr zurückziehen.
- Viele Vergewaltiger sind Mehrfachtäter. Nur wenn Sie die Vergewaltigung zur Anzeige bringen, besteht die Chance zu verhindern, dass der Täter wieder zuschlägt.
- Lassen Sie sich durch einen Anwalt beraten, z.B. hinsichtlich der Verjährungsfrist (beträgt i.R. 20 Jahre).
- Opfer einer Vergewaltigung können nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) verschiedene Versorgungsleistungen erhalten - auch bzgl. Rechtsbeistands.
Vergewaltigung: Tipps für Angehörige
In der Regel dauert es eine Weile, bis sich eine vergewaltigte Frau ihrem Partner anvertraut. Der Partner sollte dies als großen Vertrauensbeweis werten. Diese Tipps helfen Männern, deren Frauen vergewaltigt wurden:
- Unterstützen Sie ihre Frau emotional. Im Vordergrund steht, was ihrer Frau gut tut. Zeigen Sie Verständnis, hören Sie zu - ohne gleich in männlichen Aktivismus auszubrechen.
- Zeigen Sie Ihrer Frau, dass Ihre Beziehung durch die Vergewaltigung keinen Schaden nimmt, sondern dass das gegenseitige Vertrauen noch gestärkt wird.
- Nach einer Vergewaltigung können auch Kleinigkeiten immer wieder Angstzustände auslösen - nehmen Sie darauf Rücksicht und drängen Sie Ihre Frau nicht.
- Durch die Vergewaltigung kann es zu sexuellen Problemen kommen. Zeigen Sie Verständnis, haben Sie Geduld und seien Sie einfühlsam.
- Ziegen Sie Ihrer Frau, dass Sie nicht allein ist. Es gibt Hilfe z.B. durch Beratungsstellen (Pro Familia) und Selbsthilfegruppen und das Opferentschädigungsgesetz.
- Überlegen Sie gemeinsam und in Ruhe, wie sie weiter vorgehen wollen und ob Ihre Frau Anzeige erstatten sollte.
- Begleiten und unterstützen Sie Ihre Frau bei der Aufarbeitung, z.B. indem Sie sie bei einer Therapie begleiten.
Glaubhaftigkeitsgutachten
Kommt es zu einer Anzeige des Täters und zu einem Verfahren, so wird von der Verteidigung des Täters oft ein Glaubwürdigkeitsgutachten beantragt. Da jemand solange als unschuldig gilt, bis ihm die Schuld nachgewiesen wurde, kann ein Glaubwürdigkeitsgutachten auch im Interesse des Opfers sein. Der Gutachter (meist ein Psychologe) führt zur Erstellung des Gutachtens ein oder mehrere Gespräche mit dem Opfer und führt in diesem Rahmen auch unterschiedliche psychologische Tests durch.
Vergewaltigt: Antworten vom Psychomeda-Psychologenteam
Ich wurde vergewaltigt: Nach außen bin ich die liebe Mama, aber innerlich geht es mir schlecht: Julia (w, 32) aus Castrop-Rauxel: Ich bin julia32, habe zwei Töchter. Mein Ex-Mann hat mich vergewaltig und hat versucht mich umzubringen. Zur Antwort vom Psychologen-Team...
Meine Freundin wurde vergewaltigt. Wie kann ich ihr helfen?: Zodiac (m, 25) aus Burg: Meine Freundin wurde vor 4 Jahren vergewaltigt und hat sich mir jetzt nach 1 jähriger Beziehung anvertraut. Wie kann ich ihr helfen? Zur Antwort vom Psychologen-Team...
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Verweise
Beratungsstellen rund um Sexualität von ProFamilia
Wildwasser wendet sich an Mädchen und Frauen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind
Informationsblatt des Weissen Rings zum Thema Vergewaltigung
Information der Polizei über den Ablauf eines Verfahrens
Broschüre der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZGA)
Literatur
Nathalie Scheighoffer (2010). Ich war zwölf... Bastei Verlag.
Jutta Traiber (2009). Vergewaltigt. Ueberreuter.
Ellen Spangenberg (2008). Dem Leben wieder trauen. Traumaheilung nach sexueller Gewalt. Patmos-Verlag.
