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Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie mir eine Psychotherapie helfen können sollte!?

Whisperline (w, 21) aus Sachsen:

Hallo, liebe Psychologen!
Mit 15 wurde ich von meinem damaligen Jugendfreund über ein Jahr lang zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Darnach hatte ich auch mit anderen Freunde Sex, die aber über diesen Missbrauch Bescheid wussten.

Ich habe dann beim Geschlechtsverkehr dann immer wieder Schmerzen gehabt und musste auch weinen, da mir immer wieder die schlimmen Bilder aus der Vergangenheit ins Gedächtnis kamen.

Ich weiß jetzt gar nicht, was ich dagegen machen könnte, damit mich das Thema nicht immer wieder einholt und ich mich bei Nähe ständig verkrampfe und weinen muss?

Vor allem weiß ehrlich gesagt auch nicht, was mir eine Therapie bringen soll und wie mir da geholfen werden könnte, denn meine Gedanken steuere ich ja doch ganz alleine! Wie sollte mir da jemand, nur durch Gespräche helfen können? Vielleicht könnten Sie mir das genauer erklären? Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar! W.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:


Vielen Dank, liebe Frau W.
daß Sie sich mit Ihrer schlimmen Mißbrauchserfahrung so vertrauensvoll an uns wenden! Gerne will ich versuchen Ihnen zu erläutern, was Ihnen einen Psychotherapie bringen könnte und wie man sich das ungefähr vorstellen kann.

Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Psychotherapie-Methoden angefangen von den körperbezogenen Therapien, über die Verhaltenstherapie, bis hin zu der klassischen Gesprächstherapie mit ihren vielen unterschiedlichen Ansätzen von der Psychoanalyse, über die neueren humanistischen Methoden der Hypnotherapie, bis zu der anspruchsvollen Logotherapie mit ihrem so wohltuenden und weltweit höchst erfolgreichen philosophischem und spirituellem Ansatz!

Aber bei jeder dieser Therapierichtungen steht immer das gute Verhältnis, also der gute menschliche Draht von Klient zu Therapeut an oberster Stelle der Wirksamkeit, wie viele Untersuchungen gezeigt haben!

Diese vielen Therapieschulen brauchen Sie aber nicht zu verwirren, denn die Entwicklung geht ohnehin dahin, daß ein guter Therapeut die wirksamsten Elementen aus den verschiedensten Schulen in seiner Arbeit, mit seiner Person und dem was der Klient braucht, zu einem gelingenden Kunstwerk der Seelenheilung verschmilzt!

Es geht in Ihrem Falle um eine Trauma-Therapie, also um die Aufarbeitung einer schweren, chronischen seelischen Verletzung, bei der man sich erst einmal um das Verstehen der in der Vergangenheit vorgefallenen schmerzlichen Erlebnisse und der dadurch entstandenen seelischen Verletzung bemühen würde! Das wäre der erste Schritt, um das zu verstehen, was Sie bis heute so schwer belastet und auch Ihren Körper - aufgrund der psychosomatischen Verquickung von Leib und Seele - so sehr leiden läßt.

Genau wie es bei körperliche Verletzungen - in der lateinischen Medizinersprache „Trauma“ genannt – schlimme, aber schnell heilende und langsam oder gar nicht heilen wollenden Wunden und Krankheiten gibt - so ist es auch im seelischen Bereich, wo man z.B. manche Beleidigungen schnell wegsteckt, während man andere, schlimmere Demütigungen - insbesondere sexuellen Mißbrauch - nur schwer - oder ohne fachkundige Hilfe oft gar nicht - überwinden kann!

Man nennt solche chronische seelische Wunden ein seelisches Trauma und die entsprechende Heilbehandelung dann eine Trauma-Therapie, wobei das Wort „Therapie“ das medizinische, Fachwort (Medizinerlatein) für Heilbehandelung ist.

In Ihrem Falle würde man erst einmal versuchen der Vorgefallene besser zu verstehen, also wie es überhaupt dazu kam und warum Sie den Mißbrauch so lange zugelassen und sich nicht in der Lage sahen Hilfe und Schutz einzufordern. Welche äußeren und inneren Umstände zu diesen tragischen Erlebnissen geführt haben und wie es darnach weiter ging, warum es keine Anzeigen gab und wie sich der Täter und die Mitwisser später verhalten haben bzw. heute Ihnen gegenüber verhalten usw.

Dann wäre zu entscheiden, ob es sinnvoll und wünschenswert wäre, sich nochmals mit dem Täter und den Personen, die Sie nicht geschützt, oder geholfen haben, auseinander zusetzten und gegebenenfalls auch anzuklagen, oder ob andere Möglichkeiten des Täter-Opfer-Ausgleiches denkbar wären!?

Wenn Sie das aber alles nicht wollten, um die Sache nicht wieder unnötig aufzuwühlen, so bliebe dann vor allem noch die Auflösung des innerseelischen Schmerz- und Grübelkreislaufes im Rahmen des durch die Therapie angestoßenen inneren Zwiegespräches. Dies geschieht meist am besten durch das Erforschen und Verstehen der äußeren und inneren Abläufe aller Beteiligten, um sich so dem Prozeß des „Verstehen ermöglicht Verzeihen“ annähern zu können!

Vor dieser Annäherung steht aber noch die Anerkennung und Würdigung Ihres so langen und schmerzlichen Leidens durch den Therapeuten und wenn möglich auch durch andere Bezugspersonen, denn die Seele möchte in ihrem Schmerz gesehen, anerkannt und gewürdigt werden, um sich überhaupt mit dem Gedanken an das Verstehens und Verzeihens beschäftigen zu können!

Letztlich ist aber eine gute Überwindung, umfassende Loslösung und echte Heilung der von anderen Menschen uns zugefügten seelischen Verletzungen – immer nur durch verstehendes Verzeihen möglich! Dies ist aber nicht so einfach und oft nur über Umwege und mit Hilfe von bewährten Therapiemethoden zu erreichen und auch immer nur dann, wenn sich der Wille des Klienten mit der Person und des Therapeuten und dessen Zielen und Methoden völlig im Einklang befindet!

Es geht dabei also weniger um Kopf- als um Herzens- und Seelenarbeit! Man entwickelt ja bekanntlich zu verschiedenen Menschen immer auch ganz unterschiedliche Gefühle und Gedanken und manches, was zwischen Menschen schwingt und wirkt, ist oft gar nicht in Worte zu fassen, sondern nur Stimmungsmäßig zu spüren und zu erahnen.

Die Aufgabe des Therapeuten ist im also Grunde, eine heilende Schwingung zwischen sich und dem Klienten wirksam werden zu lassen und das ist sicherlich mehr eine Kunst, als eine exakte Wissenschaft!

Und so werden wir auch verständlich, daß es nur aufgrund eines rückhaltloses Vertrauens und dem Bewußtsein, von einem Therapeuten liebevoll verstanden und achtsam geführt zu werden - überhaupt möglich wird, den ersehnten Heilungsprozeß überhaupt in Gang und in einem überschaubarem Zeitrahmen auch zu einem guten Abschluß zu bringen!

Liebe Frau W., ich hoffe, daß ich Ihnen mit meinen Worten wieder etwas Mut machen und Ihre so wichtige Frage damit wenigstens ansatzweise beantworten konnte!

Vor allem aber wünsche ich Ihnen nun von ganzem Herzen viel Kraft und Zuversicht auf dem Wege zur inneren und äußeren Befreiung, damit Sie - nach einigen wichtigen Entwicklungsschritten - bald wieder echte, unbeschwerter Lebensfreude empfinden und auch bald einer tiefen, vertrauensvollen und heilsamen Liebe begegnen können!

Mit der Bitte um eine baldige Bewertung dieser kostenlosen Antwort
Grüße ich Sie für heute recht herzlich als Ihr

Psychomeda-Berater Rainer J. G. Schmidt
Dipl. Sozialpädagoge mit Psychotherapie
Rainerjg@T-Online.de – www.Rainer-JGS.de

P.S.: Wenn Sie noch Fragen haben oder eine Beratung wünschen, so können Sie sich gerne schriftlich oder telefonisch unter 09961/7255 direkt an mich wenden. Vergessen Sie aber bitte nicht, diese Antwort zu bewerten und kurz zu kommentieren, denn wüßte doch gerne, ob ich Ihnen mit meiner Antwort ein Stück weiter helfen konnte? Herzlichen Dank und alles Gute!

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