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Emotionale Abhängigkeit: Können Sie mir bei der Therapeutensuche oder der passenden Therapieform helfen?

Lisa (w, 39) aus Bielefeld: Hallo,

ich bin Lisa, Ende 30, und lebe seit 3 Jahren mit meinem Freund in einer Beziehung. Ich erlebe wiederkehrende Nähe–Distanz-Dynamiken: Ich brauche viel Nähe (Quality Time, physische Nähe, Austausch), er Autonomie. Darüber hinaus lebe ich in einer Art emotionaler Co-Abhängigkeit: Ich nehme Stimmungen extrem früh wahr und mein Nervensystem geht dann in Alarmmodus – analysieren, verstehen, beschwichtigen. Das führt bei ihm zu Rückzug und Konflikten, die von hitzigen Wortgefechten bis zu stunden- oder tagelangem Schweigen reichen.
Ich habe Schwierigkeiten, Distanz auszuhalten, ohne innerlich instabil zu werden. Mein eigenes Leben kann ich nur dann genießen, wenn 'wir gut miteinander sind'. Dieses Muster begleitet mich schon lang, ist hier aber besonders ausgeprägt, da mein Partner eher bindungsvermeidend ist. Die ständigen Rückzugsmuster verursachen anhaltende Unsicherheit, innere Spannung und kurzfristig häufig Gedanken an Trennung.
Mir geht es nicht darum, die Beziehung zu „retten“ oder eine Entscheidung zu treffen (gehen/bleiben). Ich möchte an der Wurzel arbeiten: Bindungsverhalten, & emotionale Abhängigkeit.
Ich möchte gemeinsam mit einer/m erfahrenen Therapeuten/Coach:
- emotionale Stabilität entwickeln, weniger abhängig von der Reaktion anderer,
- Distanz aushalten, ohne instabil zu werden,
- meine Beziehungsmuster erkennen und verändern,
- grundsätzliche Unsicherheit in Beziehungen überwinden.

Können Sie mir bei der Therapeutensuche oder der passenden Therapieform helfen?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Hallo Lisa,

ja – bei der Therapeutensuche und der Wahl der passenden Therapieform kann man dich gut unterstützen, denn dein Anliegen ist sehr klar beschrieben.

Was du schilderst, passt weniger zu einem „Beziehungsproblem“ im engeren Sinne, sondern eher zu einem Bindungs- und Regulationsmuster: ein stark aktiviertes Nähebedürfnis auf deiner Seite trifft auf Rückzug/Autonomie auf der anderen. Dadurch gerät dein Nervensystem schnell in Alarm, was wiederum den Rückzug verstärkt – ein Kreislauf, der sehr belastend sein kann.
Für das, was du suchst (emotionale Stabilität, Distanz aushalten, innere Sicherheit unabhängig von der Reaktion des Partners), sind Therapieformen sinnvoll, die Bindung und Nervensystem in den Mittelpunkt stellen – nicht nur Gespräche oder Verhaltenstipps.

Viele Betroffene berichten gute Erfahrungen mit:
bindungsorientierter Psychotherapie (tiefenpsychologisch fundiert oder modern psychoanalytisch),
körper- und nervensystemorientierten Verfahren wie Somatic Experiencing, NARM oder traumasensibler Körperpsychotherapie,
ggf. Schema­therapie, wenn sie erlebensorientiert arbeitet.

Wichtig ist weniger die genaue „Schule“ als die Haltung:
Der Therapeut oder die Therapeutin sollte Erfahrung mit Nähe-Distanz-Dynamiken, Bindungsunsicherheit und emotionaler Abhängigkeit haben und nicht ausschließlich kognitiv arbeiten.
Für die Suche kann es helfen, in Profilen auf Begriffe wie Bindungstrauma, Beziehungsmuster, Nervensystemregulation, Co-Regulation/Selbstregulation zu achten und im Erstgespräch konkret zu fragen, wie mit diesen Themen gearbeitet wird.

Dein Anliegen ist gut begründet und absolut legitim. Es geht nicht darum, weniger Nähe zu brauchen, sondern innerlich stabil zu bleiben – auch wenn Nähe gerade nicht verfügbar ist. Das ist erlernbar, braucht aber Zeit und die passende Begleitung.

Alles Gute für deinen weiteren Weg.

Herzlicher Gruß
Shivani Allgaier





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