Wenn sich Verstehen zum ersten Mal wie Erleichterung anfühlt
Maria (w, 60) aus Antrifttal Ohmes: Seit 14 Jahren bin ich mit meinem jetzigen Mann zusammen und die manipulativen Vorfälle häufen sich und werden immer extremer. Mein Sohn (30 J) kennt die Ausfälle von meinem Mann auch und sagte es wäre Gaslighting. Nachdem ich mich eingelesen habe, fühle ich mich das erste Mal verstanden, weil ich einfach immer dachte es läge an mir, oder an einer schlachten Phase oder ich spinne.
Als ich vor zwei Wochen nach einer weiteren Eskalation sagte, ich gehe erstmal zu meiner Familie, hat mein Mann (72 J.) eingewilligt eine Psychotherapie zu machen. Und mich zudem gebeten zu bleiben, weil er seit Wochen unter hohem Blutdruck leidet und selbst nicht mal Autofahren kann (sehe ich zwar nicht so…). Ich habe zugesichert, dass wir Ende April eine Entscheidung treffen und bis dahin freundschaftlich agieren. Leider kommen bereits in dieser kurzen Zeit schon wieder Erwartungen durch, warum ich nicht die „liebevolle Frau bin wie vorher“, obwohl er doch die Therapie macht – es fühlt sich alles so beklemmend an und ich weiß wirklich nicht, was die richtige Entscheidung sein könnte.
Ich habe den Test auf eurer Seite gemacht und das Ergebnis war: „Auffällige Narzissmus Neigung“
Nun meine Frage: kann die Psychotherapie überhaupt funktionieren, oder wird er nicht versuchen sich gut darzustellen?
Von Herzen DANKE, seid gesegnet für euren Einsatz hier!
Maria
Als ich vor zwei Wochen nach einer weiteren Eskalation sagte, ich gehe erstmal zu meiner Familie, hat mein Mann (72 J.) eingewilligt eine Psychotherapie zu machen. Und mich zudem gebeten zu bleiben, weil er seit Wochen unter hohem Blutdruck leidet und selbst nicht mal Autofahren kann (sehe ich zwar nicht so…). Ich habe zugesichert, dass wir Ende April eine Entscheidung treffen und bis dahin freundschaftlich agieren. Leider kommen bereits in dieser kurzen Zeit schon wieder Erwartungen durch, warum ich nicht die „liebevolle Frau bin wie vorher“, obwohl er doch die Therapie macht – es fühlt sich alles so beklemmend an und ich weiß wirklich nicht, was die richtige Entscheidung sein könnte.
Ich habe den Test auf eurer Seite gemacht und das Ergebnis war: „Auffällige Narzissmus Neigung“
Nun meine Frage: kann die Psychotherapie überhaupt funktionieren, oder wird er nicht versuchen sich gut darzustellen?
Von Herzen DANKE, seid gesegnet für euren Einsatz hier!
Maria
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe Maria,was Sie beschreiben, klingt sehr belastend – und vor allem sehr vertraut für Menschen, die über lange Zeit in manipulativen Beziehungsmustern gelebt haben. Dass Sie sich beim Lesen über Gaslighting zum ersten Mal verstanden gefühlt haben, ist kein Zufall. Viele Betroffene schildern genau das: jahrelang der Eindruck, selbst „zu sensibel“, „zu schwierig“ oder „falsch“ zu sein, bis Worte für das Erlebte auftauchen. Dieses Erkennen ist oft kein leichter Moment – aber ein wichtiger.
Es ist bedeutsam, dass Ihr Sohn die Situationen ebenfalls so wahrnimmt. Das spricht dafür, dass Ihre Wahrnehmung nicht „überzogen“ ist, sondern real. Gaslighting wirkt gerade deshalb so zerstörerisch, weil es das eigene Vertrauen in sich selbst untergräbt. Dass Sie jetzt beginnen, sich selbst wieder ernst zu nehmen, ist ein Schritt von großer innerer Stärke.
Dass Ihr Mann einer Therapie zugestimmt hat, kann Hoffnung wecken – gleichzeitig ist es verständlich, dass Sie sich dadurch nicht automatisch sicherer fühlen. Therapie ist kein schneller Beweis für Veränderung, sondern ein Prozess, dessen Wirkung sich erst über Zeit zeigt. Dass bereits jetzt Erwartungen an Sie gestellt werden („warum bist du nicht mehr so liebevoll wie früher?“), obwohl Sie klar eine Übergangsphase vereinbart haben, ist ein wichtiges Signal. Ihr Bedürfnis nach Abstand, Vorsicht und innerem Schutz ist in dieser Situation absolut nachvollziehbar – und kein Zeichen von Lieblosigkeit.
Auch die Sorge um seine Gesundheit bringt Sie in eine schwierige innere Zwickmühle. Viele Menschen bleiben nicht aus Überzeugung, sondern aus Verantwortung, Schuldgefühlen oder Angst, dem anderen zu schaden. Doch eine Beziehung kann langfristig nicht auf Selbstverleugnung oder Daueranspannung beruhen. Dass sich alles „beklemmend“ anfühlt, ist eine ernstzunehmende innere Rückmeldung.
Das Testergebnis („auffällige Narzissmus-Neigung“) ist keine Diagnose, aber es kann ein weiterer Hinweis sein, warum sich die Dynamik für Sie so verwirrend und erschöpfend anfühlt. Entscheidend ist dabei weniger das Etikett, sondern die Wirkung auf Sie: Fühlen Sie sich gesehen, sicher, respektiert – oder klein, angespannt und ständig in der Rechtfertigung?
Sie müssen diese Entscheidung nicht überstürzt treffen. Aber Sie dürfen sich erlauben, sie aus Ihrer Perspektive zu treffen – nicht aus Pflicht, Angst oder Hoffnung auf ein „früher wie es mal war“. Vielleicht ist die wichtigste Frage im Moment nicht: Was ist die richtige Entscheidung?, sondern: Was brauche ich jetzt, um wieder klarer bei mir anzukommen?
Vielleicht gelingt es Ihnen ja, dem Gaslighting jeweils einen Satz entgegen zu setzen? Was passiert denn, wenn Sie entgegnen: 'Ich sehe das anders.' oder 'Ich habe das anders erlebt.' bzw. 'In meiner Wahrnehmung ist das so und so.' Testen sie es und lassen Sie sich nichts einreden, bleiben Sie bei Ihrer Wahrnehmung.
Wenn Sie merken, dass Sie Unterstützung für Ihre eigene Klärung brauchen, ist das kein Scheitern, sondern ein sehr gesunder Schritt. Sie müssen da nicht alleine durch.
Mit viel Respekt für Ihren Weg
Shivani Vogt
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