Liebe ist keine Bringschuld
Toby (w, 52) aus Obersdorf: Ich (52) habe vor nunmehr 3 Jahren einen Partner (70) kennengelernt. Obwohl mein Freund bereits lange das Pensionsalter erreicht hat, arbeitet er noch als selbstständiger Berater und ist ein sehr aktiver Mann. Da ich ebenfalls mitten im Berufsleben stehe, ist mir das sehr recht. Wir leben eine Wochenendbeziehung. Mein Freund möchte, dass ich in absehbarer Zeit zu ihm ziehe. Ich fühle mich jedoch in seinem Haus nicht wohl. Andererseits rackere ich aber jedes WE in Haus und Garten. Ich fühle in allen Ecken die Vergangenheit.
Hinzu kommt, dass in regelmäßigen Abständen Familientreffen stattfinden und mein Freund möchte, dass ich mitkomme und alle inklusive Exfrau kennenlerne. Ich schaffe das nicht! Ich kann mir nicht vorstellen, mit dieser Frau in einer Gesellschaft zu sein, und ich will es auch nicht! Gleichzeitig habe ich Schuldgefühle, weil ich glaube, meinem Partner seine Kinder und Enkel zu verwehren. Er liebt seine zwei Enkel über alles. Ich bin extrem zerissen und habe regelrechte Panikattacken wegen dieser Situation. Warum reagiere ich so? Mein Freund sagt, ich soll mich von meinen Gefühlen nicht so leiten lassen... Was kann ich tun, um gelassener zu werden, und mit Selbstbewusstsein als 'seine neue Partnerin' aufzutreten? Mein Freund behauptet, voll hinter mir zu stehen, und wenn ich nicht zu den Feiern wolle, muss ich natürlich nicht. Er würde schon einen anderen Weg finden. Aber er sagt auch gleichzeitig, dass er meine Aufregung nicht versteht. Und schon habe ich ein schlechtes Gewissen, und sehe mich als Zicke. Als Pragmatikerin möchte ich oft alles hinschmeissen, und einfach nur meine Ruhe haben. Aber dann habe ich wieder Angst, ihn zu verlieren. Haben sie einen Rat? Danke Toby
Hinzu kommt, dass in regelmäßigen Abständen Familientreffen stattfinden und mein Freund möchte, dass ich mitkomme und alle inklusive Exfrau kennenlerne. Ich schaffe das nicht! Ich kann mir nicht vorstellen, mit dieser Frau in einer Gesellschaft zu sein, und ich will es auch nicht! Gleichzeitig habe ich Schuldgefühle, weil ich glaube, meinem Partner seine Kinder und Enkel zu verwehren. Er liebt seine zwei Enkel über alles. Ich bin extrem zerissen und habe regelrechte Panikattacken wegen dieser Situation. Warum reagiere ich so? Mein Freund sagt, ich soll mich von meinen Gefühlen nicht so leiten lassen... Was kann ich tun, um gelassener zu werden, und mit Selbstbewusstsein als 'seine neue Partnerin' aufzutreten? Mein Freund behauptet, voll hinter mir zu stehen, und wenn ich nicht zu den Feiern wolle, muss ich natürlich nicht. Er würde schon einen anderen Weg finden. Aber er sagt auch gleichzeitig, dass er meine Aufregung nicht versteht. Und schon habe ich ein schlechtes Gewissen, und sehe mich als Zicke. Als Pragmatikerin möchte ich oft alles hinschmeissen, und einfach nur meine Ruhe haben. Aber dann habe ich wieder Angst, ihn zu verlieren. Haben sie einen Rat? Danke Toby
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe Toby,danke für Ihre ausführliche und deutliche Schilderung Ihres Falls! Es hört sich so an, als könnten bei Ihnen 'Bauch und Kopf' nicht zum selben Ergebnis kommen!
Ich frage mich, wie Sie eigentlich die Haltung Ihres Freundes beurteilen oder empfinden? Daß Sie große Hemmungen haben, seine Ex-Frau kennenzulernen, noch dazu in SEINEM sozialen Umfeld, ist wohl nur zu verständlich! Wo bleibt seine Sensibilität und Rücksichtnahme als jemand, der Sie liebt? (Rücksichtnahme heißt übrigens nicht, daß es '...schon einen anderen Weg gibt/...Sie nicht müssen, wenn Sie nicht wollen...') Der Aufforderung, in sein Haus zu ziehen, sollten Sie aus meiner Sicht widerstehen, das schließt übrigens sämtliche Haus- und Gartenarbeit ein. Sie sind eine erwachsene Frau, beruflich aktiv und gefordert. Sie haben sich bereits Ihr Leben eingerichtet. Wenn Sie ein neues, gemeinsames Leben wünschen, geht dies nur mit einer gemeinsamen Planung hinsichtlich einer NEUEN gemeinsamen Umgebung (Haus/Wohnung).
Natürlich könnten Sie altruistisch alle Ihre Vorbehalte aufgeben, nur um ihm einen Liebesbeweis zu bekunden, doch wo bleiben dann Sie selbst? Und Ihr Freund wird Sie doch lieben und schätzen, gerade weil Sie eine selbständige und aktive Frau sind, oder?
Bitten Sie Ihren Freund zu einem intensiven, ruhigen Partnergespräch, an einem Ort Ihrer Wahl. Erklären Sie ihm nicht, WARUM Sie seinen Wünschen nicht nachkommen wollen, sondern DASS Sie nicht vorhaben, dies zu tun. Machen Sie ihm Vorschläge, wie Sie sich eine 'perfekte' Beziehung vorstellen und achten Sie darauf, daß die dafür notwendigen Kompromisse beiderseits vorgeschlagen und vereinbart werden, nicht einseitig zu Ihren Lasten.
Den Grund für Ihr Verhalten haben Sie bereits selbst genannt: Die Angst, ihn zu verlieren. Überlegen Sie bitte, ob Ihnen geholfen ist, wenn Sie sich stattdessen selbst verlieren! Ich wünsche Ihnen Kraft und Selbstbehauptung!
Herzliche Grüße
Ihr
Holger Nikolai
P.S.: Bitte lassen Sie sich von Ihren Gefühlen leiten, das ist Ihr gutes Recht! Was macht denn eine vertrauensvolle Beziehung aus, wenn nicht die Gefühle?
Bewertung durch den Fragensteller: 



Vieles der Ratschläge bereits im Vorfeld gemacht. Ist Bestätigung. Danke




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