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Ich empfinde keine Lebensfreude und Liebe

Pauline (w, 55) aus Waldmünchen:
Liebes Psychologen-Team,

habe immer wieder aufgrund psychischer Ereignisse sehr starken Druck hinter dem Brustbein. Dieser hält oft tagelang an. Organisch ist alles in Ordnung. Ich meine immer, der Druck will von mir die Entscheidung, mich von meinem Mann zu trennen, da ich ihn nicht liebe bzw. Liebe generell nicht zulassen kann (ausser verliebt sein).

Habe diesem Druck ein paar Mal nachgegeben und meinem Mann gesagt, dass ich mich von ihm trennen will, weil ich anscheinend nicht liebesfähig bin. Dann war der Druck immer weg!!! Aber sobald ich die Trennung ausführen wollte, kam entweder ein Gegendruck mit stärksten Schmerzen, so dass ich aufgab oder ich war wie gelähmt und unfähig auch nur einen Schritt raus aus meinem bisherigen Leben zu tun.

Mein Mann und ich haben sehr unterschiedliche Interessen und mich stört auch vieles an ihm. Aber er hat auch viel Positives. Ich kann mich sexuell nicht fallen lassen, habe aber eine Sehnsucht nach Liebe und Lebensfreude.

Etwas blockiert mich, weiß nicht, wie ich das Lösen kann. Inzwischen habe ich Depression und Bluthochdruck - beides wird medikamentös behandelt. Psychotherapien haben nichts gebracht.

Kindheit: Mutter starb als ich 6 war. Bei Stiefmutter herrschte Chaos, mein Vater trank und stritt häufig mit ihr. Fühlte mich für meinen Vater verantwortlich und habe viel gekuscht. In meinen früheren Partnerschaften war es immer so, dass ich es nicht allzulange aushielt u. wieder was neues suchte. Bin seit 27 Jahren verheiratet, empfinde aber keine Lebensfreude und Liebe. Danke!! Pauline

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Pauline,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Sie leiden unter starkem Druck hinter Ihrem Brustbein, der oft tagelang anhält und den Sie psychischen Ereignissen zuordnen können.
Insbesondere haben Sie das Gefühl, dass dieser Druck von Ihnen möchte, dass Sie sich von Ihrem Mann trennen. Sie lieben ihn nicht und können Liebe auch generell nicht empfinden und zulassen.

Nun haben Sie es schon ausprobiert, dem Druck nachzugeben und Ihrem Mann gesagt, dass Sie sich trennen wollen, weil Sie sich nicht für liebesfähig halten. Interessanterweise verschwand der Druck dann sofort. Wenn Sie dann jedoch die Trennung durchführen wollten, entstand ein so schmerzhafter Gegendruck, dass Sie sich wie gelähmt fühlten, Ihr Vorhaben aufgeben mussten und nicht mehr fähig waren, die Trennung zu vollziehen.

Mittlerweile leiden Sie unter einer Depression und Bluthochdruck und nehmen dafür Medikamente ein. Psychotherapien haben Ihnen bisher nicht geholfen.

Es macht mich sehr betroffen zu lesen, wie schlecht es Ihnen eigentlich geht. Sie sind seit 27 Jahren verheiratet und empfinden keine Lebensfreude und Liebe. Das ist sehr sehr traurig und so wie Sie Ihre Situation im Moment beschreiben, gibt es auch wenig Hoffnung auf eine Veränderung. Sie berichten sehr selbst reflektiert darüber, wie es Ihnen geht und doch fehlt der Übergang, Ihre Erkenntnisse auch in eine konsequente Handlung umzusetzen.

Der Übergang könnte Ihre Sehnsucht nach Liebe und Lebensfreude sein. Wenn Sie nicht den schmerzhaften Gegendruck spüren würden, wäre es vielleicht leichter, sich der Veränderung zu stellen. Ihr Körper sorgt jedoch dafür, dass Sie immer wieder daran erinnert werden, dass es noch ein wichtiges Problem in ihrem Leben gibt, das nach einer Lösung verlangt (Druck aufs Brustbein). Er zeigt Ihnen aber auch den Schmerz, den es bedeuten würde, sich wirklich von Ihrem Mann zu trennen. Beides ist schmerzhaft - das Bleiben und das Gehen. Wenn Sie also eine Veränderung möchten, wird es ohne die Überwindung von Schmerz nicht gehen.

Dass Sie sich jedoch beim Gegendruck wie gelähmt fühlen, führt es dazu, dass Sie wirklich keine psychische und körperliche Kraft mehr spüren, um den Schritt vollziehen zu können.

Ihr Körper somatisiert Ihr Thema auf eine sehr klare Weise. Ich kann mir vorstellen, dass Sie auch Angst haben, Ihren Mann nach 27 Jahren zu verlassen und nochmal allein von vorn zu beginnen. Doch ich möchte Sie ermutigen, diesen Schritt zu wagen und über den Gegendruck, über die Lähmung hinaus, es zu tun. Es ist nie zu spät, Liebe zu erfahren.

Da Psychotherapien bisher nichts gebracht haben, möchte ich Ihnen empfehlen, sich körpertherapeutisch behandeln zu lassen. Wichtig ist, dass Sie eine therapeutische Methode finden, in der auch Ihre Gefühle in der Aufarbeitung berücksichtigt werden.

Auf diese Weise können langfristig die Somatisierungen und Blockaden aufgelöst werden, so dass Sie sich insgesamt wieder lebendiger fühlen. Wenn Sie wieder mehr Lebendigkeit spüren, kehrt die Lebensfreude von ganz allein zurück. Die Körperarbeit wird Ihnen auch dabei helfen, einen vertrauensvollen und sinnlichen Zugang zu Ihrem Körper aufzubauen, so dass es leichter für Sie wird, sich in einer Partnerschaft sexuell fallen zu können.

Wie auch immer Ihr weiterer Weg aussehen mag – ich wünsche Ihnen alles Gute dafür,

herzlicher Gruß,

Anke Wagner
-Heilpraktikerin f. Psychotherapie -

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