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Habe ich eine Schizoide Persönlichkeitsstörung?

Daniel (m, 17) aus Ulm: Liebes Psychomeda-Team!

Ich bin Daniel (17), wohne in Ulm und bräuchte einen Rat. Kurz zu mir:

Ich bin ein zurückgezogener, weniger emotionaler Mensch, hatte eigentlich nie viele Freunde, war noch nie in einer Beziehung und habe wenig Interesse daran. Ich bin bekannt als 'Denker' und Einzelgänger. Beliebt war ich nie, was mich oft kalt gelassen hat. Selten nehme ich richtig am Leben teil. Auch höre ich von anderen seit einiger Zeit öfter, dass ich recht kalt und unsensibel bin.

Vor Kurzem bin ich auf etwas Beunruhigendes gestoßen: ich glaube, ich habe eine schizoide Persönlichkeitsstörung (SPS). Die Beschreibung passt unheimlich gut und erklärt viele meiner Charakterzüge: Kälte, Desinteresse, Trennen von Denken und Fühlen, seit einigen Monaten oft störende Ziellosigkeit, Bindungsängste etc.

Auch habe ich einen Fall von Schizophrenie in der Familie: mein Onkel leidet schon lange daran. Die genetische Disposition wäre damit also gegeben. Auch treffen 6 der laut ICD-10 für eine Diagnose benötigten Punkte auf mich zu.

Darum habe ich folgende Fragen:

- Sind das verlässliche Anzeichen dafür, dass ich schizoid bin?

- Wie groß muss der Leidensdruck sein, damit es als Persönlichkeitsstörung gilt? Außerhalb sozialer Situationen fühle ich mich nämlich wenig belastet.

- Falls es wirklich keine Einbildung ist, wie kann ich meine Eltern davon überzeugen?

Ich bräuchte dringend einen Rat von kompetenten Quellen. Ich traue mir selbst gerade kein objektives Urteil zu. Vielen Dank im Voraus und freundliche Grüße aus Ulm
Euer Daniel

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Lieber Daniel,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Sie haben festgestellt, dass die Kriterien für eine Schizoide PS auf Sie zutreffen würden und möchten nun wissen, ob dies der Fall sein kann. Aus der Ferne kann und darf ich Ihnen jedoch keine Diagnose ausstellen. Dazu müssten Sie einen Facharzt für Psychiatrie aufsuchen.

Im Allgemeinen wird es so gehandhabt, dass man erst im jungen Erwachsenenalter eine Persönlichkeitsstörung attestiert, da die Persönlichkeit und die Charaktermerkmale eines Jugendlichen sich noch in der Entwicklung befinden. Differentialdiagnostisch könnte man bei Ihrer Symptomatik auch nochmal an das Asperger-Syndrom denken, weil hier ähnliche Verhaltensweisen zum Tragen kommen.

Klar ist, dass Sie sich Ihre Symptomatik nicht einbilden. Sie beschreiben sehr deutlich, wie Sie sich fühlen und wie Ihre Umwelt auf Sie reagiert und dies auch widerspiegelt.

Ob Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon eine Diagnose benötigen, entscheiden Sie ganz allein. Das hängt auch damit zusammen, ob Sie behandelt werden möchten und unter Ihrem Verhalten sehr leiden. Da Leidensdruck aber auf affektiver Ebene, also emotional, empfunden wird, kann es sein, dass dies nicht ganz klar für Sie ist.

Wenn Sie sich selbst akzeptieren können, wie Sie sind, ist das schon ein großer Vorteil. Dann würde es anstehen zu schauen, wie Sie mit Ihren Besonderheiten ein gutes Leben führen können, ohne sich zu sehr belastet zu fühlen - beispielsweise keinen Beruf zu ergreifen, in dem Sie viel mit Menschen zu tun haben.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar Anregungen geben und wünsche Ihnen alles Gute.

Viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie


Bewertung:
Die Antwort hat mich überzeugt, mit einer möglichen Therapie noch bis zum Erwachsenenalter zu warten. Vielleicht ändert sich noch etwas. Vielen Dank!





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