Umgang mit akuter Erschöpfung bei beruflicher und privater Mehrfachbelastung
Nila (w, 46) aus Lichtenfels: Hallo an Sie vom Psychologenteam,
ich bin derzeit sehr belastet. Ich betreue beruflich Jugendliche mit Behinderung, die diverses herausforderndes Verhalten zeigen. Im Team fühle ich mich momentan gar nicht wohl. Ich habe Konzentrationsstörungen, teilweise Gehirnnebel und sage aufgrunddessen lieber oft gar nichts.Ich bin sehr unsicher geworden, obwohl ich sonst ein sehr kommunikativer Mensch bin. Die Wechseljahre machen mir zu schaffen. Ich schiebe es auch tlw. darauf. Allerdings kenne ich Depressionen, die ich früher schon einmal hatte. Ich bin richtig energie- und kraftlos und habe derzeit null Motivation für die Arbeit. Am liebsten wäre mir ein Job ohne Menschen und völlig autark. Allerdings lebe ich ohne Partner und muss für meinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Privat lebe ich mit meiner Mutter in einem Haus, wir verstehen uns gut.Sie ist sehr fit und mobil, aber ab und an kommen ihre gesundheitlichen Probleme zum Vorschein. Ich unterstütze sie gerne, das Altern und die Sorgen um die Zukunft, kommen bei mir leise immer mehr zum Tragen. Ich habe das Gefühl, ich brauche eine Auszeit, bin oft sehr gereizt und aggressiv und die Stimmung ist am Tiefpunkt. Tiefenpsych. Therapie hatte ich schon einmal, ich schaff es aber nicht immer, mich zu wehren und Ziele umzusetzen. Sollte ich einfach mal eine Kur beantragen, um mir über sämtliches klar zu werden? Mir geht es oft sehr schlecht.Am liebsten bin ich zuhause und hab meine Ruhe. Können Sie mir in dieser Situation zu etwas raten? Vielen Dank und freundliche Grüße, Nila
ich bin derzeit sehr belastet. Ich betreue beruflich Jugendliche mit Behinderung, die diverses herausforderndes Verhalten zeigen. Im Team fühle ich mich momentan gar nicht wohl. Ich habe Konzentrationsstörungen, teilweise Gehirnnebel und sage aufgrunddessen lieber oft gar nichts.Ich bin sehr unsicher geworden, obwohl ich sonst ein sehr kommunikativer Mensch bin. Die Wechseljahre machen mir zu schaffen. Ich schiebe es auch tlw. darauf. Allerdings kenne ich Depressionen, die ich früher schon einmal hatte. Ich bin richtig energie- und kraftlos und habe derzeit null Motivation für die Arbeit. Am liebsten wäre mir ein Job ohne Menschen und völlig autark. Allerdings lebe ich ohne Partner und muss für meinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Privat lebe ich mit meiner Mutter in einem Haus, wir verstehen uns gut.Sie ist sehr fit und mobil, aber ab und an kommen ihre gesundheitlichen Probleme zum Vorschein. Ich unterstütze sie gerne, das Altern und die Sorgen um die Zukunft, kommen bei mir leise immer mehr zum Tragen. Ich habe das Gefühl, ich brauche eine Auszeit, bin oft sehr gereizt und aggressiv und die Stimmung ist am Tiefpunkt. Tiefenpsych. Therapie hatte ich schon einmal, ich schaff es aber nicht immer, mich zu wehren und Ziele umzusetzen. Sollte ich einfach mal eine Kur beantragen, um mir über sämtliches klar zu werden? Mir geht es oft sehr schlecht.Am liebsten bin ich zuhause und hab meine Ruhe. Können Sie mir in dieser Situation zu etwas raten? Vielen Dank und freundliche Grüße, Nila
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Sehr geehrte Nila,die von Ihnen beschriebene Situation stellt eine hochgradige Belastung dar, da verschiedene Stressfaktoren – beruflicher, biologischer und privater Natur – gleichzeitig aufeinandertreffen. Dass Sie sich erschöpft, gereizt und motivationslos fühlen, ist eine verständliche Reaktion Ihres Organismus auf diese dauerhafte Überforderung.
Um Ihre Situation strukturiert anzugehen, lassen sich folgende Ansätze und Empfehlungen festhalten:
1. Medizinische Abklärung und Differenzialdiagnostik
Die Symptome 'Gehirnnebel', Konzentrationsstörungen und Stimmungstiefs können sowohl hormonell (Wechseljahre) als auch psychisch (Reaktivierung einer Depression oder beginnendes Burnout-Syndrom) bedingt sein.
Gynäkologische Untersuchung: Klären Sie ab, inwieweit eine Hormonersatztherapie oder pflanzliche Alternativen die kognitiven Beschwerden lindern können.
Psychiatrische/Hausärztliche Abklärung: Da Sie eine depressive Vorgeschichte haben, ist es wichtig, professionell prüfen zu lassen, ob die aktuelle Episode medikamentös oder therapeutisch gestützt werden muss, um eine weitere Chronifizierung zu verhindern.
2. Beantragung einer stationären Maßnahme (Kur/Rehabilitation)
Ihr Impuls, eine Kur zu beantragen, ist sehr zielführend. In Ihrer Konstellation kommen zwei Wege in Betracht:
Psychosomatische Rehabilitation: Diese fokussiert sich auf die Wiederherstellung Ihrer Arbeitsfähigkeit und bietet Raum, um Strategien gegen die aggressive Gereiztheit und den Rückzugswunsch zu entwickeln.
Kur für pflegende Angehörige: Da Sie Ihre Mutter unterstützen und die Sorge um ihre Zukunft Sie belastet, haben Sie unter Umständen Anspruch auf spezielle Maßnahmen für Pflegende, die explizit der Prävention von Erschöpfung dienen.
Vorgehen: Suchen Sie Ihren Hausarzt auf, um die medizinische Notwendigkeit bescheinigen zu lassen, und kontaktieren Sie Ihre Krankenkasse oder Rentenversicherung.
3. Berufliche Distanzierung und Selbstschutz
Die Arbeit mit Jugendlichen mit herausforderndem Verhalten erfordert ein hohes Maß an emotionaler Resilienz. Wenn diese durch private Sorgen und hormonelle Umstellungen aufgebraucht ist, wird der Beruf zur Gefahr für die eigene Gesundheit.
Akute Entlastung: Scheuen Sie sich nicht, sich für einen begrenzten Zeitraum krankmelden zu lassen. Eine Auszeit ist notwendig, um aus dem Modus der 'Gereiztheit' herauszukommen.
Langfristige Perspektive: Ein Jobwechsel in einen Bereich mit weniger zwischenmenschlicher Konfrontation kann ein legitimes Ziel sein. Prüfen Sie intern (Versetzung) oder extern Optionen, die Ihrem Wunsch nach Autarkie näherkommen.
4. Psychologische Unterstützung: Fokus auf Abgrenzung
Sie erwähnten, dass Ihnen die Umsetzung von Zielen und die Gegenwehr schwerfallen. Eine tiefenpsychologische Therapie ist wertvoll für das Verständnis der Ursachen, bietet aber manchmal zu wenig konkretes Verhaltenstraining.
Verhaltenstherapie: Falls Sie erneut eine Therapie erwägen, könnte ein verhaltenstherapeutischer Ansatz hilfreich sein, um konkret zu lernen, wie Sie im Team und im Alltag Grenzen setzen ('Nein-Sagen').
Zusammenfassung und Empfehlung
Warten Sie nicht, bis Ihre Kraftreserven vollständig aufgebraucht sind. Die Kombination aus ärztlicher Untersuchung (Hormonstatus & Depressions-Check) und dem Antrag auf eine psychosomatische Rehabilitation ist in Ihrer Situation der nächste konsequente Schritt. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich in einer Phase, in der die Anforderungen (Beruf, Alter, Pflege der Mutter) kumulieren, externe Hilfe zu suchen.
Wir wünschen Ihnen viel Kraft für die nächsten Schritte und eine baldige Phase der Ruhe und Klarheit.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Psychologenteam
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