Wie bringe ich meine Frau dazu, sich helfen zu lassen?
Henry (m, 57) aus Ludwigsburg: Meine Frau (53) fühlt sich seit jeher von ihrer Mutter nicht 'wahrgenommen'. Sie lastet ihr an, dass sie nicht aufs Gymnasium konnte. Wir sind seit 18 J. zusammen und seit 6 J. verh. Sie hat eine sehr niedrige Toleranzschwelle, die noch mehr sinkt. So kommt es immer wieder zu Streit beim Autofahren. Ich fahre auf der falschen Spur, zu schnell, habe keine Geduld und sie fürchtet um ihr Leben.
Wenn ich nach einer Minute Fahrt nicht auf dem Fahrstreifen bin, den sie wählen würde, verdreht sie die Augen, die Mundwinkel gehen nach unten, das Kinn zittert und sie ist nicht mehr normal ansprechbar. Dies führt bei mir inzwischen auch zu Aggressivität und ich kann mir vorstellen, dass sich das in meinem Fahrstil umsetzt.
Ich hatte schon versucht das Problem zu lösen, indem ich nicht mehr fahre, leider war der Effekt, dass sie dann auch nicht fuhr und spontan zu Hause blieb.
Toleranz fehlt ihr nicht nur, beim Autofahren, sondern gegenüber Allem und Jedem, was sich mit den typischen Zeichen (Mundwinkel und Kinn) bemerkbar macht. Sie ist seit jahren mit ihrer gesamten Familie entzweit. Niemand macht etwas richtig, da keiner es so macht wie sie es machen würde und ich kassiere für jede Kleinigkeit einen Anschiss.
Ich bin ein geduldiger und ausgeglichener Mensch (was mir bisher jeder bestätigt hat), aber ich merke, wie das immer mehr auf mich abfärbt. Lange kann das wohl nicht mehr gut gehen und ich sehe nur eine Chance darin, dass sie sich in professionelle Betreuung begibt. Aber wie bringe ich ihr das bei?
Wenn ich nach einer Minute Fahrt nicht auf dem Fahrstreifen bin, den sie wählen würde, verdreht sie die Augen, die Mundwinkel gehen nach unten, das Kinn zittert und sie ist nicht mehr normal ansprechbar. Dies führt bei mir inzwischen auch zu Aggressivität und ich kann mir vorstellen, dass sich das in meinem Fahrstil umsetzt.
Ich hatte schon versucht das Problem zu lösen, indem ich nicht mehr fahre, leider war der Effekt, dass sie dann auch nicht fuhr und spontan zu Hause blieb.
Toleranz fehlt ihr nicht nur, beim Autofahren, sondern gegenüber Allem und Jedem, was sich mit den typischen Zeichen (Mundwinkel und Kinn) bemerkbar macht. Sie ist seit jahren mit ihrer gesamten Familie entzweit. Niemand macht etwas richtig, da keiner es so macht wie sie es machen würde und ich kassiere für jede Kleinigkeit einen Anschiss.
Ich bin ein geduldiger und ausgeglichener Mensch (was mir bisher jeder bestätigt hat), aber ich merke, wie das immer mehr auf mich abfärbt. Lange kann das wohl nicht mehr gut gehen und ich sehe nur eine Chance darin, dass sie sich in professionelle Betreuung begibt. Aber wie bringe ich ihr das bei?
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Lieber Henry,danke für Ihr Vertrauen.
Es ist gut, dass Sie sich an uns gewendet haben, da es sich schon ganz schön anstrengend liest, was Sie schildern.
Sie schreiben, Ihre Frau lastet es der Mutter an, dass sie nicht aufs Gymnasium durfte und sie fühlt sich von ihr nicht wahrgenommen. Hat sie sich dahingehend auch eingehender geäußert? Es ist verständlich, wenn ein bestimmter Berufswunsch vorherrscht, der sich dann durch mangelnde Basis nicht erfüllen lässt, dass dann Unzufriedenheit sich breit macht. Ich kann ja nur vermuten, aber das allein kann nicht der Grund dafür sein, dass Ihre Frau, so wie ich es wahrnehme, zutiefst mit ihrem Schicksal hadert. Es gäbe ja auch die Möglichkeit, Abitur nachzumachen. Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie sehr genervt sind und auch nicht verstehen, wieso die Situation so eskaliert. Ihr Fahrstil ist auch nicht der Grund, sondern nur das Ventil, über das sich dann unterschwellige Aggressionen Luft schaffen.
Ich könnte mir vorstellen, dass Ihre Frau als Kind und Jugendliche unter der Mutter ziemlich gelitten hat. Meine Hypothese ist, nie konnte sie etwas gut genug machen, immer wurde Leistung verlangt, Zuneigung wurde über Maßstab gegeben, Mädchen sind eh nicht so viel wert und ähnliche Dinge mehr. Dies führte dazu, dass sich das Selbstwertgefühl nicht ausreichend entwickelte und immer mehr Zweifel an sich und der eigenen Leistung auftraten. Dazu kommt dann ein Mangel an Vertrauen, eine Unsicherheit, ob sie auch um ihrer selbst Willen geliebt wurde und das zieht sich durch bis ins Jetzt. Das Vertrauen findet dann auch in alltäglichen Dingen nicht statt, was getan wird, kann nur sie selbst gut machen, die anderen können es nicht. Sie fühlt sich wohl auch nicht verstanden und glaubt, dass alle Dinge, die andere Menschen nicht so wie sie machen, dazu dienen, sie zu ärgern und sie nicht ernst zu nehmen.
Weiter sind natürlich sowohl körperliche Veränderungen zu berücksichtigen als auch evtl. ein 'Bilanzziehen des bisherigen Lebens' und die erschreckende Erkenntnis, dass das Leben endlich ist. Soweit mein Versuch, etwas hinter die Kulissen zu sehen.
Ich rate Ihnen, mit Ihrer Frau ein sehr offenes Gespräch zu führen, Ihre Befindlichkeit deutlich mitzuteilen und sie zu bitten, einer Paartherapie zuzustimmen. Auch eine Einzeltherapie wäre zunächst angezeigt. Machen Sie ihr klar, dass Sie unter den momentanen Umständen nicht gewillt sind, mit ihr weiter eine Beziehung zu führen, die Ihnen und ihr nicht mehr zuträglich ist. Wenn Ihre Frau darauf nicht eingeht, dann wäre es gut, wenn Sie einige Therapiestunden nehmen, um für sich herauszufinden, was Sie wollen und wie Sie es umsetzen können. Das könnte allerdings auch eine Trennung beinhalten. Gegen ihren Willen werden Sie Ihre Frau nicht in Behandlung bringen, denn zum Therapieerfolg gehört die Einsicht. Letztendlich ist jeder Mensch für sich selbst verantwortlich und dann natürlich auch für die Konsequenzen seines Tuns.
Lieber Henry, ich wünsche Ihnen ganz viel Mut und Kraft sowie Zuversicht und dass Ihr Leben sich bald wieder positiv darstellt!
Herzliche Grüße
Claudia Schmitt
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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Die Antwort hat meine Gedanken und Befürchtungen leider bestätigt.




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