Umgang mit emotionalen Irritationen nach einer flüchtigen Begegnung
nicknick (m, 71) aus Rosenheim: Vor 1-2 J. besuchte ich eine Frau an ihrer Arb/Tankstelle. Sie war mir im Todesjahr meiner Frau als nette Bedienung im Cafe bekannt. Wir hatten uns von unseren Leiden erzählt. An der Tankst. war sie sehr erfreut mich zu sehen, schenkte mir abgelaufene Schokos, sie ist arm nach Scheidung,2 erw.Kinder. Sie habe von Männern genug. Ich war jetzt mehrmals an der Tankstelle , ohne ihre Schicht erwischt zu haben. Lies sie aber grüßen. Aktuell traf ich sie am Eingang, nach einigem Zögern haben wir uns erkannt, hallo wie gehts usw, und dann ihre Frage'und sie sind noch allein',ich war perplex da ich nicht allein bin,, habe aber völligen Blödsinn gesagt, nein habe vor Wochen Frau kennengelernt, sie aber scheint seit kurzem verliebt, zeigt Foto auf Handy. Mir schien, sie sagte es, als ob sie sagen wollte, sie sei nicht mehr frei. Aber ich wollte nur die nette Bekanntschaft besuchen. Wir passen sowieso nicht zusammen. Ich als Dr., sie als arme Maus, auch ungebildet. Trotzdem fand ich sie nett als Mensch. Aber seltsamer Weise hat es mich getroffen, dass ich schlecht geschlafen habe.Es hat was getriggert, wie man heute sagt. Dabei kenne ich diese Frau nur mit Partnern, was ok war. Um aus dieser Sache, die seit Tagen Grübeln, Gedankenkreisen,Ängste erzeugt, rauszukommen, habe ich vor, noch einmal zu ihr zu fahren und ihr ein Foto mit mir und meiner jetzigen Partnerin zu zeigen.
Ich bin ja Kunde an der Tankstelle und kein Stalker.
Kann mich das von meinen Zwangsgedanken befreien?
Bisher habe ich nur das I Ging befragt.
Ich bin ja Kunde an der Tankstelle und kein Stalker.
Kann mich das von meinen Zwangsgedanken befreien?
Bisher habe ich nur das I Ging befragt.
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Sehr geehrter Nicknick,Vielen Dank für Ihre Frage, die wir aufgrund eines hohen Fragenaufkommens erst jetzt beantworten konnten.
Die Situation, die Sie beschreiben, ist ein menschlich sehr verständliches Phänomen. Die Begegnung mit einer Person aus der eigenen Vergangenheit, insbesondere aus einer Zeit tiefer Trauer, löst häufig unbewusste Mechanismen aus. Auch wenn die rationale Einschätzung vorliegt, dass man nicht zusammenpasst, können solche Treffen emotionale Echos erzeugen, die das aktuelle Wohlbefinden beeinflussen.
Einordnung der emotionalen Reaktion
Dass Sie schlecht schlafen oder grübeln, deutet darauf hin, dass die Begegnung nicht nur das Ereignis selbst betrifft, sondern symbolisch für einen Lebensabschnitt steht. Die Frau fungierte bei Ihrer ersten Begegnung als „Spiegel“ für Ihren damaligen Schmerz. Wenn dieser Spiegel nun plötzlich ein eigenes Glück (das Foto auf ihrem Handy) zeigt, kann das eine unerwartete emotionale Irritation auslösen – unabhängig davon, ob man die Person als Partnerin in Betracht zieht oder nicht.
Zur geplanten Vorgehensweise
Der Plan, das Bild mit Ihrer jetzigen Partnerin zu zeigen, um das „Gedankenkarussell“ zu beenden, sollte kritisch hinterfragt werden:
Die Intention des Handelns: Wenn Sie das Foto zeigen, um sich selbst „frei“ zu machen, agieren Sie in der Hoffnung auf eine äußere Bestätigung oder eine Richtigstellung der Situation. Da Sie die Frau jedoch kaum persönlich kennen und die Situation an einem Arbeitsplatz (Tankstelle) stattfindet, besteht das Risiko, dass eine solche Geste als unpassend oder als Rechtfertigung wahrgenommen wird, die in diesem Kontext deplatziert wirkt.
Gefahr der Verstärkung: Zwangsgedanken oder Grübelzyklen speisen sich oft aus dem Bedürfnis, eine Situation „abzuschließen“ oder zu kontrollieren. Jeder weitere Kontaktversuch – auch wenn er als „Kunde“ getarnt ist – kann jedoch die gedankliche Fixierung auf diese Person aufrechterhalten, statt sie zu beenden. Es besteht die Gefahr, dass Sie durch den erneuten Besuch das Thema in Ihrem Kopf weiter nähren.
Empfehlung für den Umgang mit der Situation
Um aus der belastenden Gedankenschleife herauszufinden, ist es oft hilfreicher, den Fokus von der äußeren Person (der Frau an der Tankstelle) auf das eigene Innenleben zu verlagern:
Akzeptanz der Irritation: Versuchen Sie zu akzeptieren, dass diese Begegnung ein „Trigger“ war, der einen Moment Ihrer Trauerzeit berührt hat. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihre jetzige Partnerschaft infrage stellen oder zu der anderen Frau zurückwollen. Es ist lediglich ein Echo der Vergangenheit.
Abstand wahren: Statt eines weiteren Besuchs zur „Klärung“ könnte ein bewusster Verzicht auf den Besuch dieser spezifischen Tankstelle für einige Wochen helfen. Dies gibt Ihrem System die notwendige Ruhe, um die aufgewühlten Emotionen zu sortieren.
Die Rolle der sozialen Distanz: Sie haben selbst reflektiert, dass die Lebenswelten (Dr. vs. „arme Maus“) unterschiedlich sind. Die Klarheit über diese Unvereinbarkeit ist ein wertvoller Anker. Bleiben Sie bei dieser Erkenntnis, anstatt sie durch weitere Interaktion beweisen zu wollen.
Fokus auf das Hier und Jetzt: Wenn die Gedanken kreisen, führen Sie sich aktiv die Qualität Ihrer jetzigen Partnerschaft vor Augen. Die Bestätigung Ihrer aktuellen Lebenssituation sollte in Ihrem Erleben stattfinden, nicht durch die Reaktion einer flüchtigen Bekanntschaft.
Wenn die Grübeleien und Ängste trotz dieser bewussten Distanzierung über einen längeren Zeitraum anhalten oder Ihre Lebensqualität maßgeblich einschränken, könnte es hilfreich sein, mit einer fachkundigen Person (Therapeut oder Coach) darüber zu sprechen, um die tieferliegenden Auslöser hinter diesem „Trigger“ zu identifizieren. Das Schreiben Ihrer Gedanken auf Papier – ohne sie abzuschicken oder zu zeigen – kann ebenfalls ein hilfreiches Ventil sein, um den inneren Druck zu senken, ohne die Interaktion in die Außenwelt zu tragen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Psychologenteam
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