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Ich bin schüchtern und kann keine romantischen Gefühle mehr entwickeln ... was tun?

Kullerkeks (w, 23) aus Düsseldorf : Hallo,
Ich bin ein eher schüchterner, introvertierter und ängstlicher Mensch. In den letzten Jahren hat sich allerdings meine Angst verschlimmert. Wenn ich an die Zukunft denke und daran, dann Verantwortung zu tragen, macht mir das große Angst. Auch der Umgang mit anderen Menschen ist schwierig. Veränderungen fühlen sich meist bedrohlich an und auf neue Umgebungen mit neuen Menschen (und sei es auch nur einen Abend in einer fremden Kneipe mit den Freunden von meiner Schwester und ihrem Freund) kann ich mich nur schwer einlassen. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich in der Situation schlimme Übelkeit bekommen habe, sodass ich frühzeitig gehen musste. Zusätzlich fällt es mir schwer, Menschen näher an mich ran zu lassen, sodass sich keinerlei romantischen Gefühle meinerseits mehr entwickeln. Ich hatte bisher eine Beziehung, in der mir auch oft weh getan wurde, allerdings dachte ich, dass ich diese weitestgehend verarbeitet hätte, da ich mich auch bereit für eine neue Beziehung fühle. Im nächsten Moment habe ich aber wieder Angst, nicht gut genug zu sein, zu kompliziert zu sein etc. Dann macht es mir wieder Angst, dass sich diese Gefühle bei keinem einstellen, selbst wenn ich jemanden interessant fand. Was kann ich tun bzw was denken Sie?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Ratsuchende,

danke für das Vertrauen, mit dem Sie sich an uns wenden.

Sie beginnen damit, dass Sie sich als eine ängstliche, schüchterne und introvertierte Person beschreiben, die befürchtet, den Anforderungen eines Erwachsenenlebens nicht gewachsen zu sein. Sie beschreiben, dass Sie Veränderungen und Neues als bedrohlich erleben. Das kann sogar so weit gehen, dass Sie in recht banalen Situationen körperlich reagieren (Übelkeit).

Ein weiterer Punkt, der Sie beschäftigt ist, dass Sie keine romantischen Gefühle mehr entwickeln können, auch dann nicht, wenn Sie Ihr Gegenüber interessant und attraktiv finden.

Alles in allem würde man aus Ihren Schilderungen die Diagnose „Ängstliche vermeidende Persönlichkeit“ stellen können. Aber was genau heißt das? Und wie kommt es zu einer solchen Persönlichkeit?

Wir, die wir uns mit Bindung und Bindungsverletzungen beschäftigen, sehen in einer solchen erwachsenen Persönlichkeit ein erlerntes Verhalten, das einst (in der Kindheit) Schutz bieten und Überleben sichern sollte. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Sie verstehen, dass das Verhalten, und die Persönlichkeit, die Sie heute zeigen, einst gesunde Reaktionen auf ein versagendes Umfeld waren. In ihrem Buch „Was der Körper zu sagen hat“ beschreibt Isa Grüber anschaulich, wovon ich spreche.

Wahrscheinlich sind Sie als Kind mit Anforderungen, denen Sie nicht genügen konnten, überfordert worden, sehr wahrscheinlich haben Sie nicht die Sicherheit, die Unterstützung und die Orientierung bekommen, die entwicklungsentsprechend notwendig gewesen wären, Kompetenzen wie Selbstverantwortung, Mut, Neugier, Kontaktfreude, Selbstwert, Selbstvertrauen entwickeln zu können. Sie schreiben es selbst: „Im nächsten Moment habe ich aber wieder Angst, nicht gut genug zu sein, zu kompliziert zu sein etc.“

Beschäftigen Sie sich mit Bindungsverletzungen. Sehen Sie sich gerne auf meinem YouTube Kanal um. Für Menschen wie, Sie, die nicht wissen, was mit Ihnen los ist, mache ich diese Videos.

https://www.youtube.com/channel/UC3t4Gp8DPR2rb7Cf44a4Wzg

In einer der Playlists finden Sie alle meine Videos, die Sie sich dort der Reihe nach anschauen können. Vor allem die Playlist „NARM – 5 Kernressourcen“ kann sehr hilfreich und erhellend für Sie sein. Lesen Sie das Buch von Laurence Heller „Entwicklungstrauma heilen“. Wenn Sie sich dort wiederfinden, dann suchen Sie sich eine*n entsprechende*n Therapeut*in, der Sie vertrauen können, und die Sie darin unterstützt, die Ihnen noch fehlenden Kompetenzen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu entwickeln.

Gottseidank haben wir heute die therapeutischen Möglichkeiten, unsere Persönlichkeit, unser Erleben, unser Fühlen, Denken und Verhalten zum Besseren zu verändern. Das gelingt allerdings meist nur mit jemanden an unserer Seite, dem wir vertrauen, und der uns auf dem Weg unterstützt und begleitet, bis wir uns stark und kompetent genug fühlen, unser Leben selbst gut bewältigen zu können.

Angst war noch nie ein guter Ratgeber. Vermeidungsverhalten führt in ein immer engeres und begrenzteres Leben, Schutzverhalten, wie keine romantischen Gefühle mehr entwickeln zu können, schneidet einen immer mehr vom Leben, von der Freude, von der Lebendigkeit ab. Wenn Ihre kindlichen Wunden heilen dürfen, wachsen Ihnen automatisch Erwachsenenkompetenzen zu. Dann können auch für Sie Dinge möglich sein, von denen Sie heute vielleicht nur träumen. Daher möchte ich Sie in der Tat ermutigen, sich, auch wenn es Ihnen schwer fällt, die Unterstützung angedeiehen zu lassen, die Sie jetzt benötigen.

Ich hoffe, meine Empfehlungen helfen Ihnen weiter, und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft!

Ihre Marion Weber

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