Psychologische Online Beratung

Der Psychotherapieratgeber

Kunsttherapie

von Urs Weth, Kunsttherapeut und Autor

Primär ist die Kunsttherapie eine nonverbale Therapieform, die sich der Sprache der Kunst als Medium bedient. Weil das Unbewusste viel stärker an körperliche Vorgänge gebunden ist, als das Bewusste, wird im Zusammenhang mit der Kunsttherapie oft auch von einer "körperorientierten Therapie" gesprochen.

Die Psychotherapie arbeitet vor allem mit Worten, d.h. mit Bewusstem. Denn das Unbewusste lässt sich erst dann beschreiben, wenn es bewusst ist. In der Kunsttherapie wird das Unbewusste direkt angesprochen. Der Kunsttherapeut ist den unbewussten Schichten dadurch oft näher.

Abbildung: Besonders gut eignet sich Ton als lebendiges Material für die Kunsttherapie. Fotos: Kinderhände beim Töpfern © Gabi Schoenemann / pixelio.de

Ton ist das lebendigste Material

Besonders gut eignet sich hierfür das Material Ton. Es ist das umfassendste und lebendigste Material, das es gibt und hat dadurch den größtmöglichen Zugang zu allen seelischen Eigenschaften des Menschen. Denn je näher der Stoff bei der gestaltenden Hand liegt, umso deutlicher ist der "Abdruck" des gestaltenden Menschen. Alle anderen Materialien, wie zum Beispiel vorgefertigte Bauteile, die weiter von der Hand weg sind, spiegeln nur einen intellektuellen Teilaspekt des Menschen wider.

Dem Unbewussten näher

Das Werk des Patienten offenbart einen umfassenden Eindruck in die konstitutionelle und seelische Verfassung der Gesamtpersönlichkeit - tiefer als es durch verbale Kommunikation möglich wäre. Der Kunsttherapeut arbeitet nun von "unten herauf", das heißt Unbewusstes wird vom Bewusstsein mehr und mehr durchdrungen und ans Tageslicht gebracht.

Deshalb besteht eine sehr wichtige Arbeit der Kunsttherapie in der Selbst-Reflexion. Dies gilt nicht nur für die Seite des Patienten, sondern auch für den Therapeuten. Der erfahrene Kunsttherapeut führt seine Patienten durch einen Erwachungsprozess an die Form des Werks und an seine unbewusste Bedeutung heran.

Die Kunsttherapie erkennt mit ihren Mitteln den psychischen Urgrund eines pathologischen Verlaufes. Sie gräbt sich in die Tiefen "des Getriebes" ein und versucht durch Selbst-Bewusstsein, aktives Handeln und Veränderungen einzuleiten.

Bisher gibt es nur wenige wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Kunsttherapie. In einigen Studien zeigte sich ein verbessertes Wohlbefinden der Patienten.

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Kunsttherapie in der Kurzübersicht

Begründer und theoretischer Hintergrund Margaret Naumburg und Edith Kramer; Im künsterlisch-gestalterischen Tun kommen (unbewusste) Gefühle und Konflikte zum Ausdruck; der Patient findet neue Ausdrucksformen.
Anerkannt durch gesetzliche Krankenkassen in Deutschland Nein
Anerkannt für die Ausbildung zum psychol. Psychotherapeuten Nein
Anzahl der Studien, die Wirksamkeit belegen Wenige
Besonders empfohlen bei Depressionen und allgemein zur Verbesserung von Wohlbefinden und Selbstbewusstsein


Literatur

Weth, U. (2004) Lebendige Prozesse. Wirkstatt-Verlag; ISBN: 3-9522879-0-3 (oder Direktbestellung über http://www.wirkstattbasel.ch/verlag/)

Schemmel, H., Selig, D. & Janschek-Schlesinger, R. (2008). Kunst als Ressource in der Therapie: Praxisbuch der systemisch-lösungsfokussierten Kunsttherapie. Dgvt.

Spreti, F. von, Martius, P. & Förstl, H. (2005) Kunsttherapie bei psychischen Störungen. Urban & Fischer.

Plecity, D. M. (2006). Die Auswirkung der Kunsttherapie auf das körperliche und emotionale Befinden der Patienten - eine quantitative und qualitative Analyse. Dissertation, verfügbar unter http://vts.uni-ulm.de/query/longview.meta.asp?document_id=5772).

Marian, F. (2002). Beitrag zu einer Systematik und zum Verständnis kunsttherapeutischen Methoden. info cd rom iv university, verfügbar unter http://www.wfmt.info/Musictherapyworld/modules/archive/stuff/papers/Florica.pdf

Hukill, A. K. (2006). Kunst und Medizin Kunsttherapie mit Alzheimerpatienten. Dissertation, verfügbar unter http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2007/3348/pdf/DissertationAKHukill.pdf

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