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Häusliche Gewalt hat viele Gesichter

Silvia Exner Häusliche Gewalt hat viele Gesichter, auch solche die wir nicht sehen oder vielleicht nicht sehen wollen? Darum müssen wir hinschauen und nicht wegschauen. - von Silvia Exner, Jan 2016
Häusliche Gewalt ist ein relativ moderner Begriff für ein weltweit und in fast allen Kulturen verbreitetes Problem. Häusliche Gewalt ist vor allem Gewalt gegen Frauen und Kinder. Sie benennt die Gewalt, die überwiegend im vermeintlichen Schutzraum, nämlich „zu Hause“ stattfindet. Mit eingeschlossen sind aber auch Gewalt von Personen, die mit dem Opfer in aktuellen oder schon beendeten Beziehungen leben bzw. lebten oder in sonstigen Beziehungen leben.

Häusliche Gewalt hat viele verschiedene Gesichter. Sie reichen von Drohungen, Erniedrigungen, die Behinderung bei der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit, sozialer Isolation bis hin zum Erzwingen sexueller Handlungen und körperlichen Misshandlungen. Vor Außenstehenden fast immer verborgen, ist sie vor allem für die Betroffenen lange nicht als Gewalt erkennbar, denn diese glauben, Häusliche Gewalt bedeutet immer verprügelt werden.

Doch tatsächlich ist die körperliche Gewalt nur eine von vielen Gewaltformen und darunter die einzige, die äußerlich sichtbare Spuren hinterlässt. Denn während körperliche Gewalt in der Regel als solche erkennbar ist, ist es – sowohl für die Betroffenen als auch für Außenstehende – viel schwieriger, die anderen Formen von Häuslicher Gewalt, z. B. die psychische Gewalt, als diese zu erkennen, damit umzugehen, mit den Folgen zu leben und die Erfahrungen zu verarbeiten.

So ist psychische Gewalt sehr schwer zu erkennen, da es keine sichtbaren Verletzungen gibt. Doch die Folgen daraus sind für die Betroffenen genau so belastend, wie die körperliche Gewalt.
Ob sichtbare oder unsichtbare Gewalt, sie hinterlässt Spuren und richtet immense Schäden bei den Betroffenen – und deren Kindern an.

Sehr oft wird psychische Gewalt von den Betroffenen selbst nicht als Häusliche Gewalt interpretiert. Dies führt dann oft dazu, dass diese an ihrer Partnerschaft festhalten, zunehmend die Verantwortung für das gewalttätige Verhalten des Partners übernehmen und dabei sukzessive geschwächt werden.

Die Frauen, die häusliche Gewalt erleben, empfinden ihre Situation oftmals als ausweglos, denn

- wo Sie Geborgenheit erwarten, erleben Sie Gewalt von dem Menschen, den sie eigentlich lieben oder geliebt haben;

- Bedrohung, Isolation und Kontrolle durch den gewalttätigen Partner verunsichern und erschüttern das Selbstwertgefühl;

- häufig sind auch die Kinder betroffen, deshalb geht mit allen Folgeentscheidungen häufig die Sorge einher, den Kindern einen Elternteil wegzunehmen, falls man sich zur Trennung entschließt;

- oftmals bestehen finanzielle Abhängigkeiten zwischen Opfer und Täter, was den Schritt zur Trennung nochmals erschwert.

Von Gewalt betroffene Frauen fühlen sich oft alleine gelassen und schämen sich für das, was ihnen angetan wird. Neben der Angst vor dem Partner bzw. Exfreund, der Sorge um die Kinder oder über das Gerede der Nachbarn, Verwandten und Arbeitskollegen kommt häufig auch noch das Gefühl von Schuld und Ohnmacht hinzu. Die Frauen schämen sich auch dafür und wollen sich niemanden anvertrauen. Die andauernde häusliche Gewalt zwingt die Betroffenen zu einem Leben in ständiger Angst vor dem nächsten unkalkulierbaren Gewaltausbruch und somit in die Isolation.

Man nennt dies auch, die Gewaltspirale.
Gewalt findet statt, dann kommen die Entschuldigung und dann eine Ruhepause. Dann wiederholt sich diese Spirale immer und immer wieder. Jede Phase kann verschieden lang anhalten. Oft werden im Laufe der Zeit die Entschuldigungs- und Ruhephasen weniger bis sie ganz verschwunden sind. Was bleibt ist ein Leben in Angst und von Gewalt geprägt.

Wussten Sie eigentlich schon, dass

- jede 4. Frau wird im Verlauf ihres Lebens Opfer von häuslicher Gewalt in psychischer, körperlicher und sexueller Form;

- häusliche Gewalt ist die Haupttodesursache bei europäischen Frauen im Alter von 22-44 Jahren;

- häusliche Gewalt liegt nicht erst vor, wenn geschlagen oder körperliche Verletzungen zugefügt werden, sondern auch bei psychischer Gewalt spricht man davon;

- psychische Gewalt ist immer der Vorläufer von körperlicher Gewalt.

Im Jahr 2014 haben in der BRD nur 11 % der betroffenen Frauen ihren Partner angezeigt. 9 von 10 Männern, die ihre Partnerin geschlagen haben, müssen keinerlei Konsequenzen befürchten. Ja nur von zehn. Und 2/3 der Frauen, die häusliche Gewalt erlebten, haben sich auch keiner Freundin, keinem Familienmitglied anvertraut. Sie blieben damit allein.

Aus diesen genannten Gründen bleiben viele Frauen bei ihren gewalttätigen Partnern bzw. kehren zu ihren Expartner zurück.

Darum dürfen wir nicht wegschauen sondern den Frauen helfen, sie ermutigen, stärken und ihnen beizustehen, sie unterstützen und begleiten den richtigen, aber oftmals sehr schweren Weg zu gehen und sich Hilfe zu holen.

DU BIST NICHT ALLEIN – Wir sind an Deiner Seite und begleiten Dich.

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