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Der Vater meiner Freundin ist gestorben, alle sind so traurig

Nicky (w, 16) aus Essen: Ich mache mir ernsthafte Sorgen um meine Freundin.Vor 5 Jahren ist ihr Vater (Autounfall) gestorben und der Kummer bei ihrer Schwester, der Mutter und ihr wird verdrängt. Meine Freundin sprach die Mutter mal an, aber das Gespräch endete, als sie in Tränen ausbrach.Sie besuchen alle 3 (soweit ich weiß) einen Psychotherapeuten oder so jemand ähnlichen. Vor drei Jahren ist ihre Mutter in eine Depression gerutscht, was beweist, dass die Hilfe, die sie bekommen, nicht sonderlich hilfreich ist. Ihre Mutter bezieht hartz 4, sitzt meistens vor dem Fernseher, spricht mit ihren Kindern nur recht wenig und fragt sie auch nicht nach der Schule oder ihrem Tag, was erst alles so richtig vor drei Jahren angefangen hat und sie kann sich nur sehr selten an Dingen erfreuen. Meine Freundin leidet sehr darunter, obwohl sie genug Lebensmut besitzt und viel in der Freizeit unternimmt. Da ich relativ wenig Ahnung habe, wie ich ihr helfen kann, brauche ich jemanden, der mir Tipps geben kann.Ich lasse mich manchmal von ihrer Trauer mit runter ziehen, weil ich auch ein paar (harmlosere) Probleme habe. Sie weiß aber, dass sie JEDERZEIT zu mir kommen oder mich anrufen kann und ich weiß, dass es ihr viel bedeutet. Ich habe überlegt, mit allen dreien zum Grab ihres Vaters zu fahren, was 3-4 Stunden entfernt ist und sie nicht genug Geld zum Reisen bzw. für einen Aufenthalt haben, was ich ihnen bezahlen würde. Ich denke, es würde ihnen helfen, aber 1. nicht in nächster Zeit und 2. ist es hilfreich zu wissen, was ich noch unternehmen kann, außer zu trösten und aufzumuntern.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Nicky,

es ehrt Sie sehr, wie viele Gedanken Sie sich um Ihre Freundin und deren Familie machen und wie viel Kraft Sie aufwenden, um helfen zu können.

Es ist ein tragisches Schicksal, das diese Familie getroffen hat und es dauert oftmals sehr lange, bis die Hinterbliebenen wieder ein einigermassen normales Leben führen können. Nur, was ist normal? Alle bekommen, so habe ich es aus Ihrem Anliegen gelesen, psychotherapeutische Unterstützung, auch das ist aber keine Garantie, dass Menschen nach einer gewissen Zeit wieder 'funktionieren', wie die Umwelt sich das vorstellt. Dass die Mutter in schwere Depressionen mit allen üblen Konsequenzen wie Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Nöte gerutscht ist, heißt nicht, dass die Therapie nichts hilft. Jeder Mensch ist anders und geht anders mit Trauer um.

Ich weiß nun nicht, wie alt Ihre Freundin ist, aber ich vermute, in Ihrem Alter. Für sie ist es sehr schwer auszuhalten, dass die Mutter als Vertraute momentan quasi nicht zur Verfügung steht und von daher rate ich hier zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Kranker und dass sie selbst weiter ihre Therapie besucht. Ich hänge Ihnen dazu einen Link mit einer Adresse an. Es gäbe evtl. auch die Möglichkeit, wenn das erwünscht ist, dass Ihre Freundin in eine Wohngruppe geht, wenn es all zu schwierig für sie wird. Dazu gibt das Jugendamt Auskunft.

Ob es Sinn macht, mit der Familie zum Grab des Vaters zu fahren, kann ich nicht beurteilen. Sie wollen für die Kosten aufkommen und ich habe die Idee, dass es auch für Sie sehr schwierig ist, dieser Situation gegenüber zu stehen und die eigene Hilflosigkeit zu spüren. Sie wollen natürlich, dass es der Freundin besser geht, dass es der Familie insgesamt besser geht und müssen nun feststellen, dass Sie wenig bewirken können und dass jeder für seine Trauer und die Gefühle selbst verantwortlich ist.

Wichtig ist in diesem Fall, zu signalisieren, dass Sie da sind für Ihre Freundin, bitte passen Sie jedoch auch gut auf sich selbst auf. Sie schreiben ja, dass die Trauer Sie auch manchmal herunterzieht, das ist die Gefahr, dass Sie sich nicht mehr gesund abgrenzen können. Vielleicht wäre die Selbsthilfegruppe auch etwas für Sie. Zu hören und zu erleben, wie gehen andere mit psychischer Krankheit bei Angehörigen und Freunden um und wo sind die Grenzen der Hilfe, bzw. wo muss professionelle Hilfe her oder auch einmal vielleicht, so wie bei Ihrer Freundin verändert werden. Wichtig ist für Sie, zu erkennen, dass jeder für sich verantwortlich ist und auch dafür, ob und wie geholfen wird. Bei Ihrer Freundin ist es vermutlich noch etwas anders, denn ich denke, dass sie noch minderjährig ist. Doch, wie gesagt, dazu gibt das Jugendamt Auskunft. Hier noch ein zweiter Link:

http://www.psychiatrie.de/bapk

Liebe Nicky, ich wünsche Ihnen Kraft, eine gesunde Abgrenzung und dass sich für die Familie eine Besserung anbahnt!

Herzliche Grüße

Claudia Schmitt

Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Bewertung durch den Fragensteller:
Vielen Dank für diese ausführliche Antwort! Ich werde mir merken, was ich tun kann ohne zu vergessen, wo meine Grenzen liegen





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