Meine Lebenslust geht den Bach runter
Anonymius (m, 20) aus Nürnberg: Ich fühle mich häufig innerlich einfach leer. Bin nicht traurig aber auch nicht glücklich. Einfach emotionslos. Vielleicht ist emotionslos nicht das richtige Wort. Mir fehlt der Antrieb mich für irgendetwas zu begeistern. Bei allem, was ich treibe (z.B. bei Klausuren oder Fußballspielen) genüge ich meinen eigenen Erwartungen nicht. Außerdem habe ich immer Angst, andere (Mannschaftskameraden, Eltern, Freunde) zu enttäuschen. Meine ganze Lebenslust geht den Bach runter und auch Freundschaften leiden darunter, weil ich langsam zu einen kleinen Miesepeter werde. Mich Freunden anvertrauen möchte ich nicht. Ich weiß, dass sich etwas ändern muss, aber ich weiß nicht was.
Meine eigentliche Frage ist: ab wann sollte man einen Therapeuten aufsuchen? Möchte keinem, der wirklich schlimme Probleme hat, den Termin oder den Platz wegnehmen.
Danke für ihre Antwort
Meine eigentliche Frage ist: ab wann sollte man einen Therapeuten aufsuchen? Möchte keinem, der wirklich schlimme Probleme hat, den Termin oder den Platz wegnehmen.
Danke für ihre Antwort
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Lieber Anonymius,danke für Ihre vertrauensvolle Zuschrift, aus der ich sehr viel Rücksicht auf andere und wenig Selbstliebe verspüre.
Leistung ist wohl das Zauberwort in Ihrem Leben, wenn Sie Leistung bringen, sind Sie etwas wert, fühlen Sie sich anerkannt und gemocht. Zumindest ist das meine Idee. Die Angst, andere zu enttäuschen, nicht geliebt zu werden um Ihrer selbst Willen, auch Ihre hohen Ansprüche an sich selbst, das alles kann lähmend und demotivierend sich auswirken. Sie spüren es schon selbst, Ihr Antrieb lässt nach, Ihre Lebenslust versickert, alles in allem nicht wirklich das, was Sie sich als junger Mann vorstellen. Es kann auf eine depressive Verstimmung hindeuten, nur kann und darf ich hier keine Diagnose stellen.
Kann es sein, dass Sie schon als Kind und dann als Jugendlicher immer Leistung bringen mussten, irgendwie das Gefühl hatten, nicht gut genug zu sein? Irgendwann verinnerlichen Sie diese Meinung und glauben, es ist Ihre. Der innere Wächter, die eigene Strenge und die Angst, nicht zu gefallen, das vergällt Ihr Leben. Auch dass Sie niemandem einen Therapieplatz wegnehmen wollen, spricht für eine Wegwendung von sich selbst, hin zu den Ansprüchen anderer. Vielleicht sind Sie auch konfliktscheu und harmoniebedürftig, aus lauter Angst, dann nicht mehr gemocht zu werden, wenn Sie sich geben, wie Sie sind und nicht, wie die anderen es gerne hätten.
Wichtig ist es für Sie, eine gesunde Selbstliebe zu entwickeln. Weg von den (vermeintlichen) Ansprüchen anderer, die auch oft nur in Ihrer Fantasie exisitieren, weil Sie mit sich selbst so streng sind, hin zu einem Erspüren Ihrer Bedürfnisse und Wünsche. Wenn Sie das in einem behutsamen Therapieprozess allmählich entwickeln, dann sinken auch Ihre Ansprüche an sich und Sie können gelassener sich so nehmen, wie Sie sind. Es ist dann nicht mehr so wichtig, was andere denken von Ihnen. Und sollten sich dann Menschen von Ihnen abwenden, weil Sie nicht mehr so beliebig funktionieren wie diese das gewohnt waren, dann sollten Sie überlegen, was Sie an diesen Personen verloren haben. Wirkliche Freunde nehmen Sie an in Ihrer Person und Präsenz, ohne zu fragen, was Sie leisten. Dann kehrt vermutlich auch Ihre Freude wieder und die Lähmung lässt nach.
Nur, wer will mit welcher Methode messen, wie schlecht sich jemand fühlt, wie wichtig es ist, etwas mit kompetenter Hilfe zu unternehmen, um das Leben wieder lebenswert zu machen? Das was Sie nun vermeintlich als gar nicht so schlimm empfinden, ein anderer wäre womöglich schlimmer dran, das kann nicht verglichen werden, da jeder Mensch anders angelegt ist und anders empfindet. Für Emotionen und Empfindungen gibt es keine Messlatte. Ihre Lage fühlt sich gerade schlimm an und deshalb schreiben Sie uns ja auch.
Suchen Sie sich ohne Scheu einen Therapieplatz, ich wünsche Ihnen dazu viel Kraft und Mut und dass Sie sich den anderen bald zumuten, ohne Angst und mit der Gewissheit, in Ordnung zu sein, so wie Sie sind!
Herzliche Grüße
Claudia Schmitt
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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