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Ich gerate machmal in ganz gruselige Zustände ... überreagiere ich?

N (w, 20) aus Mainz: Seit meinem Abi scheint alles schiefzugehen. Ich war zwar nie Klassenbeste, hatte aber gute bis sehr gute Noten und war vielseitig engagiert. Nun studiere ich seit 1,5 Jahren weit weg von zu Hause an einem Ort, der mir noch immer nicht ans Herz gewachsen ist. Bei den meisten Prüfungen falle ich durch. Meinen Eltern kann ich das nicht erzählen. Einen Freundeskreis habe ich nicht, die meiste Zeit verbringen ich in meinem Wohnheimzimmer alleine. Ich habe vor einem halben Jahr gemerkt, dass ich immer trauriger würde und mir von Tag zu Tag machtloser vorkam. Dann wollte ich die Situation ändern, versuchte einen Freundeskreis aufzubauen, mehr rauszugehen, es hat aber nicht geklappt. Ich flüchtete in meine Bücher und Tagträume. Mittlerweile merke ich, dass ich manchmal Wahrnehmungsprobleme habe. Es passiert ein-zweimal am Tag für wahrscheinlich nur paar Minuten, mir kommt es aber wie eine Ewigkeit vor. Ich bin distanziert von den Geschehnissen um mich herum, wie in einem Traum. Es ist mir unmöglich mich dabei auf Gespräche zu konzentrieren. Äußerlich merkt man mir wahrscheinlich nichts an. Aber innerlich ist es sehr gruselig. Ich kann einfach nicht aus diesem Zustand entkommen. Irgendwann merke ich dann, das alles wieder halbwegs normal ist. Was passiert mit mir? Depression oder Panikattacken scheinen zu starke Ausdrücke zu sein. Meine Uni hat zwar eine psychotherapeutische Beratungsstelle, aber dafür scheint mir mein Problem nicht ernst genug. Kann es sein, dass ich überreagiere?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe N.

nein, Sie überreagieren nicht. Im Gegenteil, Sie beschreiben Ihre Situation sehr klar und nachvollziehbar.

Ich möchte Ihnen anraten, sich möglichst schnell in psychotherapeutische Behandlung zu begeben. Sie sollten etwas tun, damit die Abwärtsspirale, in der Sie sich befinden, nicht weiter voranschreitet. Ich vermute, dass es sich bei den von Ihnen beschriebenen 'Zuständen' um Derealisations- und Dissoziationsphänomene handelt. Diese können auftreten als eine Art Schutzmechanismus, wenn die aktuelle Lebenssituation unerträglich ist und man nicht weiß, wie man sie zum Positiven hin verändern kann. Dann zieht man sich zuerst zurück und wenn sich im realen Leben weiterhin nichts ändert, beginnen manche Menschen zu dissoziieren oder zu derealisieren. Das zur Erklärung. Ich kann Sie beruhigen, denn man kann diese Symptome psychotherapeutisch behandeln.

Und wenn Sie in Mainz leben, dann haben Sie Glück: wenden Sie sich dort an die Psychosomatik der Uniklinik Mainz. Dort gibt es eine Spezialsprechstunde Derealisationssyndrom. Tel.: 06131 – 17-7346. Dort wird man Ihr Anliegen endlich Ernst nehmen und Ihnen weiterhelfen können.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen alles Gute,
Marion Weber
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