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Es kostet mich sehr viel Überwindung, über meine Probleme zu sprechen

Huelki (w, 25) aus Bremen:

Liebes Team,

ich habe vor ca. 8 Monaten eine Psychologin aufgesucht, um mir eine 'professionelle' Meinung einzuholen, was meine aktuelle Lebenssituation angeht. Sie hat mir viele Vorschläge für Verbesserungen der Lebensqualität gemacht, welche ich jedoch im Alltag nicht richtig umsetzen konnte.

Nach 10 Sitzungen sagte sie mir, dass sie sich nicht sicher sei, wohin diese Sitzungen noch führen sollen, dass ich medikamentöse Hilfe annehmen solle (Antidepressiva) und mich dann bei ihr melden könne, um ein weiteres Vorgehen zu besprechen. Sie ist Psychologin einer Beratungsstelle der Uni hier in Bremen und dort gibt es eine Begrenzung von 10-15 Sitzungen pro Student.

Sie sagte, dass die Tipps die sie mir gibt bei mir scheinbar auf Ablehnung stoßen und sie besorgt sei, dass ich somit unbewusst eine generelle Abneigung entwickeln könne.

Ich war erschrocken über diese Reaktion, allerdings blieb mir ja nichts anderes übrig als zuzustimmen, ihr die Hand zu geben und den Raum zu verlassen. Nun habe ich das Gefühl, ich finde trotz Medikamenten (vom Hausarzt) weder den Weg zu mir selbst noch den Weg zu einer möglichen Hilfe durch die mir bekannte Psychologin oder gar einer fremden Person.

Es hat mich viel Überwindung gekostet, meine Probleme auszusprechen, ich habe das Gefühl, dass ich im Moment doch lieber mit den Problemen lebe, statt sie erneut einer fremden Person zu erzählen, oder mich erneut zu melden. Gibt es einen Anstoß, der mich doch wieder auf die richtige Bahn bringen kann?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Huelki,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Die Kurzzeittherapie bei Ihrer Psychologin scheint etwas unglücklich verlaufen zu sein. Im Rahmen der UNI-Beratungsstelle steht ihr nur ein Kontingent von 10-15 Stunden pro Student zur Verfügung. Das heißt, dass sie auch nicht wirklich in die Tiefe einsteigen kann, sondern hauptsächlich lebenspraktisch begleiten kann, z.B. in Form von Vorschlägen. Diese Vorschläge konnten Sie nicht gut umsetzen und normalerweise würde man in einer prozessorientierten Psychotherapie schauen, woran es genau liegt, was Sie hindert und welche Unterstützung Sie brauchen, um Ihre Entwicklungsschritte gehen zu können. Das war aber in der Form nicht möglich.

Außerdem interpretierte die Psychologin Ihr Unvermögen als Ablehnung. Ablehnung hat jedoch auch immer emotionale Beweggründe, wie z.B. Angst oder Unsicherheit, auf die jedoch nicht entsprechend eingegangen wurde. Stattdessen wurde Ihnen empfohlen, sich Antidepressiva verschreiben zu lassen, sie einzunehmen und dann eventuell die Therapie wieder aufzunehmen.

Sie waren verständlicherweise erschrocken, als die Psychologin die Therapie - aus Ihrer Sicht - plötzlich abbrach. Sie hatten gerade erst angefangen, sich auf die Therapeutin einzulassen und es kostete Sie sehr viel Überwindung, über Ihre Probleme zu sprechen. Insofern fand aus Ihrem Erleben heraus ein Vertrauensbruch statt, der sich nicht einfach durch die Einnahme von einem Antidepressivum überdecken lässt, sondern dazu führt, dass Sie sich jetzt gar nicht mehr öffnen wollen, ganz gleich wem gegenüber.

Ich kann das gut nachempfinden und vermute, dass der Psychologin nicht ganz klar war, was dieser von ihr aus initiierte, einseitige Therapieabbruch für Sie bedeutete.

Im Moment haben Sie das Gefühl, dass Sie lieber mit Ihren Problemen leben, als nochmals einen therapeutischen Anlauf zu nehmen. Vielleicht hilft Ihnen auch das Medikament dabei, gelassener mit ihnen umzugehen. Insofern können Sie einfach in Ruhe und ohne Druck schauen, wann Sie wieder den Impuls bekommen, sich mit Ihren Themen anzuvertrauen.

Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, empfehle ich Ihnen, eine längere Psychotherapie mit mindestens 80 Stunden zu machen. Denn aus Ihrer Erfahrung wissen Sie nun, dass Sie länger brauchen, um sich zu öffnen und Vertrauen aufzubauen. Geben Sie sich selbst die Zeit, in dem Sie als Format eine prozessorientierte Psychotherapie auswählen und dann die Gewissheit haben, hier kann ich bleiben und habe jetzt erst einmal ca. 2 Jahre Zeit, um mich meinen Themen zu stellen. Wichtig ist auch das Vertrauensverhältnis zum Therapeuten/ zur Therapeutin, nehmen Sie sich im Rahmen der üblichen 1-5 probatorischen Sitzungen genügend Zeit, den Kontakt und ihr Bauchgefühl zu prüfen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Anstoß geben, wo auch immer er Sie erstmal hinführen wird.

Mit herzlichem Gruß

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie

Bewertung durch den Fragensteller:
Sehr schnelle und hilfreiche Ansätze, ich muss nur schauen ob ich es schaffe diese umzusetzen





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