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Ich habe Angst, nach draußen zu gehen

Winne (m, 17) aus Erfurt: Hallo.

Mein richtiger Vater ist gestorben vor 5 Jahren, was ich bis heute noch nicht verarbeiten konnte. Meine Mutter schreit mich jeden Tag an genauso wie mein Stiefvater. Dieser hat mich mehrmals geschlagen. Dies alles hat meinen 'Geist' so sehr gebrochen, dass ich nicht mehr zur Schule ging. Bzw. sehr selten. Dadurch wurde ich in der Schule von allen Lehrern und Schülern beleidigt und angeschrien. Dies machte meine Situation von Tag zu Tag immer schlimmer.

Letztes Jahr habe ich jedoch meine Realschulabschluss bestanden und bin aufs Gymnasium gekommen. Dort musste ich leider abbrechen, weil es einfach nicht mehr ging. Durch das einschließen Zuhause und der extremem Angst vor Kritik und Angeschreie, habe ich glaube ich eine 'Sozialphobie' entwickelt. Jetzt war ich ein Jahr zuhause und habe eigentlich nichts gemacht... obwohl ich will. ich habe aber zu sehr Angst nach draußen zu gehen...Dazu kommt, dass ich dadurch übergewicht bekommen habe... dies macht mir Angst Kritik zu meinem Aussehen zu bekommen.

Mein Traum ist es, später zu studieren. So schaffe ich es aber nicht. Meine Phobie wächst mit jedem Tag. Ich überlege zum Arzt zugehen, aber mir bleibt keine Zeit mehr. Bald bin ich 18 und ab da wird mir jedes Geld gestrichen, wenn ich nichts gefunden habe, was ich mache. Aber ich habe Angst und ich kann sie einfach nicht überwinden... Unterstützung finde ich nirgendswo. Ich will meine 10.klasse wiederholen und unbedingt danach das Abitur machen. Ich möchte es soo sehr. Jedoch schaffe ich es psychisch nicht

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Lieber Winne,

ich danke dir, dass du dich mit deiner Anfrage vertrauensvoll an uns wendest.

Es macht mich sehr traurig zu lesen, was du alles an Angst und Bedrohung aushalten musst. Der Tod deines Vaters, den du noch nicht überwunden hast; die Aggressionen deiner Mutter, die Gewalt deines Stiefvaters; dann das Unverständnis und die Beleidigungen deiner Mitschüler und Lehrer. Es ist fast ein Wunder, dass du unter diesen Bedingungen deinen Realschulabschluss geschafft hast und eine tolle Leistung. Das Gymnasium musstest du dann abbrechen, weil es einfach nicht mehr ging.

Mittlerweile hast du dich soweit schützend zurückgezogen, dass du Angst hast, nach draußen zu gehen. Hinzu kommt, dass du jetzt auch noch übergewichtig geworden bist und dies ein neuer Anlass für Kritik von außen sein könnte.

Du schreibst, deine Phobie wächst mit jedem Tag und aber gleichzeitig wächst auch der Druck, dass du bald 18 wirst und dann kein Geld mehr bekommst. Es wird also immer enger und unaushaltbarer für dich. Ganz wichtig ist, dass du dir jetzt Hilfe von außen holst, um deine belastende Situation zu verändern. Es gibt keinen anderen Weg. Ich verstehe, dass das nicht leicht wird für dich, weil du ja auch große Angst hast, nach draußen zu gehen. Doch ich möchte dich ermutigen, das anzugehen.

Gehe zunächst zum Jugendamt. Schildere ihnen deine häusliche Situation, erzähle von deiner Angst vor der elterlichen Gewalt sowie deiner finanziellen Situation und lass dich beraten. Das Jugendamt ist nicht nur für Eltern zuständig, sondern auch für Jugendliche, die sich in Not befinden.

Sprich mit deinem Hausarzt und bitte ihn um Hilfe. Es kann sein, dass er dich zu einem Jugendpsychotherapeuten überweist. Das wäre sehr hilfreich, damit du langfristig in einem geschützten Rahmen an deinen Ängsten arbeiten und wieder mehr Selbstvertrauen aufbauen kannst.

Gehe zu einer schulpsychologischen Beratungsstelle in deiner Nähe. Berichte ihnen von den Vorfällen an der Schule, der häuslichen Gewaltsituation und erzähle ihnen, dass du gerne die 10. Klasse wiederholen möchtest. Bitte Sie um Mithilfe und Unterstützung dafür.

Und wenn du einfach zwischendurch jemanden zum Reden brauchst, rufe die Nummer gegen Kummer an: 0800-1110333. Der Anruf ist kostenlos und anonym möglich.

Lieber Winne, es ist ganz wichtig, dass du bald professionelle Hilfe an deine Seite bekommst. Bitte nimm deinen ganzen Mut zusammen und gehe das an. Ich bin sicher, dass du das schaffst. Ich drücke dir die Daumen dafür und wünsche dir alles Gute,

herzlicher Gruß,

Anke Wagner
-Heilpraktikerin f. Psychotherapie -
Bewertung durch den Fragensteller:
Ein großes Danke!





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