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Was tun bei Windelfetisch?

fmp91 (m, 20) aus ulm: Hallo, ich trage seit 5 - 6 Jahren immer wieder aus Spaß Windeln und mache auch rein und befriedige mich meist anschließend. Ich finde das nicht schlimm und es gibt auch Freunde, die davon wissen und das akzeptieren.

Meine Mutter hat mich dabei erwischt, wie ich mich unter der Dusche mit einer Windel befriedigt habe und gesagt, das sei krank. Aber ich finde das nicht schlimm, es bringt manchmal ein Gefühl von Geborgenheit. Was soll ich tun? Bin ich wirklich krank?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Lieber fmp91,

zuerst einmal vielen Dank, daß Sie über ein sensibles und oft schambesetztes Thema so offen und konkret schreiben! Ihrer Schilderung kann ich zwei Punkte entnehmen: Das Windeltragen hat für Sie zum einen eine sexuelle Bedeutung, indem Sie damit deutlich Selbstbefriedigung assoziieren. Zum anderen erwähnen Sie auch noch das Gefühl der 'Geborgeneheit', also eine sogenannte 'regressive Tendenz', d. h. Sie verbinden mit dem Windeltragen einen kindlichen, vielleicht auch unbesorgten oder umsorgten Zustand.

Die Verwendung von Fetischen oder Hilfsmitteln bezüglich sexueller Handlungen ist sehr weit verbreitet. Theorien für Gründe und Ursachen gibt es 'wie Sand am Meer', trotzdem haftet diesem Verhalten aber - auch für die Betroffenen selbst - ein gewisses 'Mysterium' an. Personen, die fetischistisch veranlagt sind, sind mit Ihren Vorlieben sehr häufig 'zufrieden'. Leidensdruck kann entstehen, wenn Sexualität ausschließlich mit dem Fetisch möglich ist und kein befriedigendes Partnerverhalten hergestellt werden kann. Meist entsteht dann der Bedarf, einen Therapeuten hinzuzuziehen und einen individuellen Zugang zu den Umständen und einem erfüllenden Sexualverhalten zu finden.

Am meisten interessiert mich in Ihrer Zuschrift der Moment, daß ausgerechnet Ihre Mutter Ihren Fetisch bemerkt hat und Sie dieses Ereignis offensichtlich auch als Anlaß für Ihre Zuschrift nehmen. Die Windel und der Wunsch nach Geborgenheit ist eng mit der 'Mutterfigur' verknüpft. Ist es möglich, daß das Windeltragen für Sie eine Art Ersatz für mütterliche Zuwendung darstellt und die 'Offenbarung' vor Ihrer Mutter genau diesen sensiblen emotionalen Bereich berührt? Insofern könnte es sinnvoll für Sie sein, Ihr Verhältnis zu Ihrer Mutter mit einem Therapeuten zu analysieren. Nach psychoanalytischen Theorien ist übrigens ein sexuelles Begehren des Sohnes bezogen auf die Mutter ein natürlicher kindlicher Lebensabschnitt, der bei Ihnen vielleicht in irgendeiner Art und Weise bedeutsam wurde und heute mit Hilfe Ihres Windelfetischs 'nachwirkt'.

'Krank' - wie Sie fragen - sind Sie deswegen nicht! Wie schon beschrieben, Sexualität ist ein wahrhaft weites Feld mit unendlichen Ausprägungen und Vorlieben. Solange diese Ausprägungen nicht körperlich schädigen und andere Personen nicht verletzen, hängt es vom Betroffenen ab, ob er Gesprächsbedarf hat oder nicht. Die von mir angesprochene Kombination ganz bestimmter 'Elemente' läßt mich jedoch vermuten, daß es für Sie selbst sehr hilfreich sein könnte, mit einem Therapeuten darüber zu sprechen, einfach, um die eigene Befindlichkeit, die eigenen Wünsche und Ängste besser kennenzulernen. Dazu wünsche ich Ihnen Mut und Neugier!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Holger Nikolai
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