Ich habe einige frühere Erlebnisse mit meinem Vater noch nicht verarbeitet
Clementine (w, 34) aus Hamburg: Liebes Online-Team,
Mein Problem ist die Beziehung zu meinem Vater. Er ist/war schon immer Alkoholiker. Meine Schwester hatten keine furchtbare Kindheit, da gibt es sicherlich schlimmeres. Jedoch hatten wir einiges an Gewalt gegenüber meiner Mutter mit ansehen müssen. Gegenüber uns ist er nie gewalttätig geworden, nein hat uns sogar sehr geliebt. So sehr, dass es sogar einmal, bei meiner Schwester und bei mir im Alter von 5 Jahren zu sexuellen Übergriffen kam. Er tat uns nicht weh, jedoch wurden wir beide unsittlich berührt.
Wir hatten nie etwas meiner Mutter erzählt, erst als die Ehe kaputt ging, wir waren es beide schon über 18. Meine Schwester und ich hatten ihn dann auch damit konfrontiert, er läugnet es aber bis heute.
Mittlerweile habe ich Familie, 2 Kinder und mit meinem Vater den Kontakt abgebrochen, vor circa 5 Jahren.
Dennoch merke ich, dass ich da einiges noch nicht verarbeitet habe, ich habe schlimme Träume wo mein Vater vorkommt, ich habe viele Agressionen in mir wenn ich Betrunkene sehe und ich hasse meinen Vater für alles! Jedoch hab ich Angst vor dem Moment dass er stirbt, ich habe Angst davor. Er hat noch nie seine Enkelkinder gesehen, das macht mich traurig. Aber dann wieder hätte ich Angst ihn meine Tochter zu zeigen, diesem Schwein!
Ich glaub ich sollte eine Therapie machen ahaha, eigentlich geht es mir ja gut jetzt. Ich bin glücklich, aber warum träum ich dann noch von meinem Vater?! Nach all dem?
Viele liebe Grüsse,
Clementine
Mein Problem ist die Beziehung zu meinem Vater. Er ist/war schon immer Alkoholiker. Meine Schwester hatten keine furchtbare Kindheit, da gibt es sicherlich schlimmeres. Jedoch hatten wir einiges an Gewalt gegenüber meiner Mutter mit ansehen müssen. Gegenüber uns ist er nie gewalttätig geworden, nein hat uns sogar sehr geliebt. So sehr, dass es sogar einmal, bei meiner Schwester und bei mir im Alter von 5 Jahren zu sexuellen Übergriffen kam. Er tat uns nicht weh, jedoch wurden wir beide unsittlich berührt.
Wir hatten nie etwas meiner Mutter erzählt, erst als die Ehe kaputt ging, wir waren es beide schon über 18. Meine Schwester und ich hatten ihn dann auch damit konfrontiert, er läugnet es aber bis heute.
Mittlerweile habe ich Familie, 2 Kinder und mit meinem Vater den Kontakt abgebrochen, vor circa 5 Jahren.
Dennoch merke ich, dass ich da einiges noch nicht verarbeitet habe, ich habe schlimme Träume wo mein Vater vorkommt, ich habe viele Agressionen in mir wenn ich Betrunkene sehe und ich hasse meinen Vater für alles! Jedoch hab ich Angst vor dem Moment dass er stirbt, ich habe Angst davor. Er hat noch nie seine Enkelkinder gesehen, das macht mich traurig. Aber dann wieder hätte ich Angst ihn meine Tochter zu zeigen, diesem Schwein!
Ich glaub ich sollte eine Therapie machen ahaha, eigentlich geht es mir ja gut jetzt. Ich bin glücklich, aber warum träum ich dann noch von meinem Vater?! Nach all dem?
Viele liebe Grüsse,
Clementine
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe Clementine,
ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Ihre schlimmen Träume und Aggressionen sind deutliche Anzeichen dafür, dass Sie Ihre Erlebnisse mit ihrem Vater noch nicht verarbeitet haben. Das ist jedoch verständlich, denn was Sie und Ihre Schwester erlebt haben, war schlimm und traumatisierend.
Sie schreiben, Sie hatten keine furchtbare Kindheit, da gibt es sicherlich Schlimmeres. Die Rationalisierung Ihrer Gefühle und Empfindungen half Ihnen viele Jahre weiter. Es ist ein hilfreicher Mechanismus, der es möglich macht zu überleben und zu funktionieren. Gleichzeitig verhindert er, dass man mit dem erlittenen Trauma abschließen kann und es integrieren.
Die Wut, die Sie auf Ihren Vater empfinden, kann ich gut nachempfinden. Er leugnet die sexuellen Übergriffe bis heute und übernimmt keine Verantwortung. Das macht es um so schwieriger, damit abzuschließen, denn Sie haben kein Gegenüber, mit dem Sie sich auseinandersetzen könnten.
Ich verstehe, dass Sie den Kontakt zu ihm abgebrochen haben und gleichzeitig Angst davor haben, dass er irgendwann stirbt und seine Enkelkinder noch nie gesehen hat. Und doch schafft der Kontaktabbruch erstmal Raum, damit Sie Zeit haben, sich darüber bewusst zu werden, was damals geschehen ist und wie Sie weiterhin unter den Folgen leiden. Jetzt ist es wichtig, dass Sie sich selbst ernst nehmen und die Rationalisierung aufgeben und sich eingestehen, ja, das war sehr schlimm und ich brauche Unterstützung, um das seelisch zu verarbeiten.
Und dann, später im Verlauf des therapeutischen Prozesses, wird es irgendwann möglich sein, dass Sie vielleicht wieder Kontakt mit Ihrem Vater haben möchten und können - im zeitlich begrenzten und räumlich geschützten Rahmen, den Sie dann selbst sorgfältig bestimmen.
Ihre Aggressionen werden sich verringern, Sie werden trauern können und eines Tages Mitgefühl für Ihren Vater empfinden. Der Moment des Mitgefühls ist der Moment, in dem Sie Ihren Schmerz und Ihren Vater innerlich gehen lassen können. Es wird Sie enorm erleichtern und seelisch befreien, wenn Sie diesen Moment schon vor seinem Tod für sich finden können. Doch es wird vermutlich ein langer Weg sein, für den Sie sehr viel Geduld aufbringen sollten.
Suchen Sie sich recht bald einen Therapeuten, der auch in einem traumaspezifischen Verfahren ausgebildet ist. Die Wartezeiten sind zum Teil lang, lassen Sie sich davon nicht abschrecken.
Ich wünsche Ihnen alles Gute dafür. Über eine Bewertung und ein kurzes Feedback würde ich mich freuen.
Viele Grüße aus Berlin,
Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Ihre schlimmen Träume und Aggressionen sind deutliche Anzeichen dafür, dass Sie Ihre Erlebnisse mit ihrem Vater noch nicht verarbeitet haben. Das ist jedoch verständlich, denn was Sie und Ihre Schwester erlebt haben, war schlimm und traumatisierend.
Sie schreiben, Sie hatten keine furchtbare Kindheit, da gibt es sicherlich Schlimmeres. Die Rationalisierung Ihrer Gefühle und Empfindungen half Ihnen viele Jahre weiter. Es ist ein hilfreicher Mechanismus, der es möglich macht zu überleben und zu funktionieren. Gleichzeitig verhindert er, dass man mit dem erlittenen Trauma abschließen kann und es integrieren.
Die Wut, die Sie auf Ihren Vater empfinden, kann ich gut nachempfinden. Er leugnet die sexuellen Übergriffe bis heute und übernimmt keine Verantwortung. Das macht es um so schwieriger, damit abzuschließen, denn Sie haben kein Gegenüber, mit dem Sie sich auseinandersetzen könnten.
Ich verstehe, dass Sie den Kontakt zu ihm abgebrochen haben und gleichzeitig Angst davor haben, dass er irgendwann stirbt und seine Enkelkinder noch nie gesehen hat. Und doch schafft der Kontaktabbruch erstmal Raum, damit Sie Zeit haben, sich darüber bewusst zu werden, was damals geschehen ist und wie Sie weiterhin unter den Folgen leiden. Jetzt ist es wichtig, dass Sie sich selbst ernst nehmen und die Rationalisierung aufgeben und sich eingestehen, ja, das war sehr schlimm und ich brauche Unterstützung, um das seelisch zu verarbeiten.
Und dann, später im Verlauf des therapeutischen Prozesses, wird es irgendwann möglich sein, dass Sie vielleicht wieder Kontakt mit Ihrem Vater haben möchten und können - im zeitlich begrenzten und räumlich geschützten Rahmen, den Sie dann selbst sorgfältig bestimmen.
Ihre Aggressionen werden sich verringern, Sie werden trauern können und eines Tages Mitgefühl für Ihren Vater empfinden. Der Moment des Mitgefühls ist der Moment, in dem Sie Ihren Schmerz und Ihren Vater innerlich gehen lassen können. Es wird Sie enorm erleichtern und seelisch befreien, wenn Sie diesen Moment schon vor seinem Tod für sich finden können. Doch es wird vermutlich ein langer Weg sein, für den Sie sehr viel Geduld aufbringen sollten.
Suchen Sie sich recht bald einen Therapeuten, der auch in einem traumaspezifischen Verfahren ausgebildet ist. Die Wartezeiten sind zum Teil lang, lassen Sie sich davon nicht abschrecken.
Ich wünsche Ihnen alles Gute dafür. Über eine Bewertung und ein kurzes Feedback würde ich mich freuen.
Viele Grüße aus Berlin,
Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
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Vielen Dank! So eine tolle aufmerksame Antwort hatte ich nicht erwartet.




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