Wo soll ich an fangen mit der Persönlichkeitsentwicklung?
Cassy (w, 21) aus Deutschland: Seit ein paar Wochen geht es mir mental nicht so gut. Ich überdenke alles sehr viel und kann mir in einer Sekunde Gedanken über meine ganze Zukunft machen und jegliche Selbstzweifel an mir hervorrufen. Ich vergleiche mich häufig mit anderen Leuten und denke sehr oft von mir, dass ich egoistisch und toxisch bin. Ich bin außerdem auch seit einiger Zeit sehr nahe am Wasser gebaut.
Ich höre auch lieber anderen zu als selbst zu reden, weil ich auch das Gefühl habe, dass ich keine richtige Konversation mehr führen kann.
Ich würde gerne vieles an mir ändern, vor allem verschiedene Charakterzüge (zum Beispiel mental stärker werden, mehr aus der eigenen Komfortzone rauskommen und ein stärkeres Selbstbewusstsein haben), aber ich weiß nicht wo ich da anfangen soll an mir selbst zu arbeiten.
Ich bedanke mich im Voraus für die Rückmeldung.
Liebe Grüße
Ich höre auch lieber anderen zu als selbst zu reden, weil ich auch das Gefühl habe, dass ich keine richtige Konversation mehr führen kann.
Ich würde gerne vieles an mir ändern, vor allem verschiedene Charakterzüge (zum Beispiel mental stärker werden, mehr aus der eigenen Komfortzone rauskommen und ein stärkeres Selbstbewusstsein haben), aber ich weiß nicht wo ich da anfangen soll an mir selbst zu arbeiten.
Ich bedanke mich im Voraus für die Rückmeldung.
Liebe Grüße
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe Grüße zurück,was du beschreibst, ist für viele Menschen sehr belastend – und gleichzeitig deutlich häufiger, als man denkt. Wichtig vorab: Deine Gedanken und Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche oder „Defekt“, sondern Hinweise darauf, dass innerlich gerade sehr viel unter Druck steht.
Ein paar zentrale Punkte aus dem, was du schilderst:
1. Grübelschleifen und Zukunftsängste
Dass du in Sekunden gedanklich ganze Zukunftsszenarien durchspielst, spricht für ein Nervensystem, das dauerhaft auf Alarm steht. In diesem Zustand sucht der Kopf nach Kontrolle – und produziert Zweifel, Worst-Case-Szenarien und Selbstkritik. Das ist kein bewusster Prozess, sondern eine Stressreaktion.
2. Starker Selbstzweifel und Selbstabwertung
Sich als „egoistisch“ oder „toxisch“ zu bezeichnen, passiert oft dann, wenn die innere Stimme sehr streng geworden ist. Interessanterweise zeigen gerade Menschen mit viel Selbstreflexion und Empathie diese Gedanken – nicht Menschen, die tatsächlich rücksichtslos sind. Wer sich ständig hinterfragt, ist in der Regel nicht toxisch.
3. Emotionale Verletzlichkeit
Dass du nahe am Wasser gebaut bist, ist kein Zeichen von Instabilität, sondern häufig ein Zeichen von Erschöpfung. Wenn innere Spannungen lange unterdrückt oder ausgehalten werden, suchen sie sich irgendwann emotional ein Ventil.
4. Rückzug im Kontakt
Lieber zuzuhören als zu reden kann ein Schutzmechanismus sein. Wenn das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung oder Ausdrucksfähigkeit wackelt, zieht man sich innerlich zurück – nicht, weil man nichts zu sagen hätte, sondern weil man sich selbst gerade nicht sicher fühlt.
Wo anfangen, wenn man „so vieles ändern“ möchte?
Hier ist ein entscheidender Punkt:
Du musst nicht an deinem Charakter arbeiten.
Was im Moment Unterstützung braucht, ist dein inneres Gleichgewicht – nicht deine Persönlichkeit.
Ein sinnvoller Anfang ist oft:
1. Nicht optimieren, sondern stabilisieren
Bevor man stärker, mutiger oder selbstbewusster wird, braucht das Nervensystem erst einmal Entlastung. Das kann bedeuten:
weniger Selbstbeobachtung
bewusste Pausen von Vergleichen (auch Social Media)
kleine, verlässliche Alltagsstrukturen
2. Die innere Stimme ernst nehmen, aber nicht glauben
Gedanken sind nicht automatisch Wahrheiten. Gerade in Phasen innerer Überforderung wird die Selbstkritik lauter. Hier beginnt Arbeit nicht mit „positiv denken“, sondern mit Abstand gewinnen: „Das ist gerade ein Gedanke – kein Urteil.“
3. Nicht alles auf einmal verändern wollen
Der Wunsch, „mental stärker“ zu werden, entsteht oft aus einem Gefühl von Ohnmacht. Paradoxerweise entsteht Stärke eher dann, wenn man aufhört, sich permanent verändern zu wollen – und stattdessen versteht, warum es gerade so ist, wie es ist.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Wenn diese Zustände schon seit Wochen anhalten und dich im Alltag spürbar einschränken, kann es sehr hilfreich sein, mit einer neutralen, fachlich geschulten Person darüber zu sprechen. Nicht, weil „etwas nicht stimmt“ mit dir – sondern weil man solche inneren Dynamiken selten allein entwirrt.
Zum Schluss etwas Wichtiges:
Allein die Art, wie reflektiert und differenziert du dich beschreibst, spricht nicht für Egoismus oder Toxizität, sondern für Sensibilität, Verantwortungsgefühl und ein hohes inneres Anspruchsniveau. Das kann eine große Stärke sein – braucht aber einen guten Umgang damit.
Ich wünsche dir viel Kraft, dass du es schaffst, diesen schönen Weg zu gehen hin zu wirklichem Selbstbewusstsein und innerer Stabilität.
Alles Gute für dich.
Shivani Allgaier
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