Trauerreaktion nach Fehlgeburt
Melina (w, 29) aus Dresden:
Hallo,
im April wurde bei mir eine verhaltene Fehlgeburt festgestellt. Da wir anderthalb Jahre auf diese Schwangerschaft warten mussten, war es natürlich auch ein totaler Schock. So langsam scheint es mir aber wieder gut zu gehen und mein Alltag hat sich zum Großteil wieder normalisiert. Ich bin eher selten traurig und weine dann aber intensiv; ich unterdrücke es nicht. Aber wie gesagt, es ist mittlerweile seltener geworden (höchstens einmal/Woche).
Ich studiere und arbeite nebenher teilzeit. Ich hab keinerlei Probleme mit der Uni. Das Einzige, was irgendwie nicht klappen will, ist der Weg zur Arbeit. Ich bin die ersten Wochen nach der Fehlgeburt gar nicht gegangen, aber als ich den ersten Tag wieder gehen wollte, bin ich auf dem Weg dorthin in Tränen ausgebrochen und musste wieder heim. 2 Wochen später hab ich es dann geschafft, einen halben Tag zu gehen und war danach erleichtert und dachte, dass es von da an ohne Probleme klappen würde. Aber heute hab ich es wieder nicht geschafft. Auf dem Weg dorthin fing es wieder an.
Ich bin mir nicht sicher, warum das so ist, wenn doch alles andere wieder gut klappt. Wir sind auch mittlerweile zuversichtlich, dass wir bald wieder schwanger werden und dieses Mal alles gut gehen wird. Wie gesagt, sonst bin ich der Meinung, dass ich gut mit der Trauer/dem Verlust umgehe. Warum geht es nicht mit der Arbeit? Was würden Sie empfehlen? Könnte da schon ein Gespräch mit einer Hebamme helfen, oder doch lieber eine Art Therapie? Oder gibt es etwas, das ich zuhause machen kann?
Vielen Dank!
Hallo,
im April wurde bei mir eine verhaltene Fehlgeburt festgestellt. Da wir anderthalb Jahre auf diese Schwangerschaft warten mussten, war es natürlich auch ein totaler Schock. So langsam scheint es mir aber wieder gut zu gehen und mein Alltag hat sich zum Großteil wieder normalisiert. Ich bin eher selten traurig und weine dann aber intensiv; ich unterdrücke es nicht. Aber wie gesagt, es ist mittlerweile seltener geworden (höchstens einmal/Woche).
Ich studiere und arbeite nebenher teilzeit. Ich hab keinerlei Probleme mit der Uni. Das Einzige, was irgendwie nicht klappen will, ist der Weg zur Arbeit. Ich bin die ersten Wochen nach der Fehlgeburt gar nicht gegangen, aber als ich den ersten Tag wieder gehen wollte, bin ich auf dem Weg dorthin in Tränen ausgebrochen und musste wieder heim. 2 Wochen später hab ich es dann geschafft, einen halben Tag zu gehen und war danach erleichtert und dachte, dass es von da an ohne Probleme klappen würde. Aber heute hab ich es wieder nicht geschafft. Auf dem Weg dorthin fing es wieder an.
Ich bin mir nicht sicher, warum das so ist, wenn doch alles andere wieder gut klappt. Wir sind auch mittlerweile zuversichtlich, dass wir bald wieder schwanger werden und dieses Mal alles gut gehen wird. Wie gesagt, sonst bin ich der Meinung, dass ich gut mit der Trauer/dem Verlust umgehe. Warum geht es nicht mit der Arbeit? Was würden Sie empfehlen? Könnte da schon ein Gespräch mit einer Hebamme helfen, oder doch lieber eine Art Therapie? Oder gibt es etwas, das ich zuhause machen kann?
Vielen Dank!
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe Melina,vielen Dank für Ihre Anfrage. Vor 4 Monaten wurde bei Ihnen eine verhaltene Fehlgeburt diagnostiziert. Es war verständlicherweise ein großer Schock für Sie. Doch jetzt scheint es Ihnen allmählich wieder besser zugehen, Sie sind eher selten traurig, können dann aber auch Ihrer Trauer Ausdruck verleihen.
Im normalen Alltag sind Sie sehr beschäftigt. Sie studieren und arbeiten noch zusätzlich in Teilzeit, sind also arbeitsmäßig sehr eingebunden. An der Uni haben Sie keine Probleme, doch der Weg zur Arbeit ist ein Symbol dafür geworden, dass etwas nicht stimmt. Auf dem Weg dahin brechen Sie in Tränen aus und müssen wieder nach Hause gehen.
Sie haben den Eindruck, dass Sie gut mit der Trauer und dem Verlust umgehen können. Sie und Ihr Partner sind sogar zuversichtlich, dass sie bald wieder schwanger werden.
Nun fragen Sie sich, warum es mit der Arbeit nicht klappt. Da es Ihnen auf dem Weg zur Uni scheinbar nicht passiert, könnte es etwas mit der Arbeitsstelle zu tun haben. Ich kenne Ihre genauen Arbeitsbedingungen nicht, aber vielleicht gibt es dort Umstände, die Sie sehr fordern und belasten.
Folgende Fragen könnten für Sie interessant sein: Sind Sie gerade sehr starkem Leistungsdruck auf der Arbeit ausgesetzt? Fühlen Sie sich mit Ihren Arbeitskollegen wohl? Teilen Sie Persönliches mit Kollegen, d.h. wissen Ihre Kollegen, dass Sie eine Fehlgeburt erlitten haben? Oder müssen Sie Ihren Kummer auf der Arbeit verbergen? Sind Sie von Kolleginnen umgeben, die ständig von Ihren Kindern schwärmen und erzählen?
Wenn Sie diesen - und vielleicht in dem Zusammenhang auch eigenen - Fragen folgen, könnten Sie herausfinden, ob Sie sich durch die Arbeit und den dortigen Bedingungen gestresst fühlen. Sollte dies nicht der Fall sein, kämen tiefer liegende Gründe in Frage, die sich nicht so eindeutig zeigen. Eine Trauerreaktion kann auf jeden Fall auch länger als 4 Monate anhalten. Wenn man trauert, zieht man sich im Allgemeinen zurück. Anforderungen von außen können leicht zu viel werden. Ich weiß nicht, ob es in Ihrem Leben die Möglichkeit gibt, dass Sie sich dem Alltag mal komplett entziehen.
Mein Eindruck ist, dass Sie sehr viel von sich selbst fordern und erwarten. In Ihrer Zuschrift geht es öfter darum, ob etwas klappt oder nicht klappt und ob sich etwas normalisiert. Trauer hat nichts mit Funktionieren zu tun, sondern mit Zulassen und einfach damit sein. Ihr Weinen auf dem Weg zur Arbeit kann also ein Ausdruck Ihrer Seele sein, dass sie sich mehr inneren und zeitlichen Raum zum Trauern wünscht.
Doch nicht im Sinne einer Aufgabenabarbeitung - jetzt habe ich schon einmal diese Woche getrauert - sondern den Moment zulassen, wenn die Trauer sich zeigen will. Wenn die Menschen um Sie herum wissen, was geschehen ist, werden sie mitfühlend darauf reagieren und sie auch trösten. Am wichtigsten erscheint mir, dass Sie sich nicht verstellen müssen. Es ist völlig legitim auch längere Zeit zu trauern, wenn man eine Fehlgeburt erlitten hat.
Gespräche mit anderen Menschen können für Sie unterstützend sein. Nehmen Sie ein paar Therapiesitzungen in Anspruch, um sich begleiten zu lassen. Wenn Sie lieber mit der Hebamme darüber sprechen möchten, können sie auch dies tun. Es gibt kein richtig oder falsch – horchen Sie in sich hinein, was Sie wirklich brauchen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute dafür,
herzlicher Gruß,
Anke Wagner
-Heilpraktikerin f. Psychotherapie -
Bewertung durch den Fragensteller: 







Online-Beratung
Auf Psychomeda beantworten Psychologen und Therapeuten Ihre Fragen unentgeltlich. Jetzt online Ihre Frage stellen...
Therapeuten
Zuletzt aufgerufene Therapeuten-Seiten. Therapeut, Coach, Berater? Eintragen...
Beliebt auf Psychomeda
Social Feed
Folgen Sie uns auf Twitter
Qualität
Psychomeda ist ein unabhängiges psychologisches Informations- und Beratungsportal von Psychologen und Therapeuten. Wir informieren evidenzbasiert und auf wissenschaftlicher Grundlage. Weiter