Der Kontakt zu meiner Mutter gestaltet sich sehr unerfreulich
Mona5643 (w, 37) aus Essen: Hallo, ich habe eine schwierige Beziehung zu meiner Mutter seit meiner Kindheit. Jedes Mal, wenn wir uns besuchen, macht sie mir Vorwürfe zu der Erziehung meines Kindes und angeblichen Fehlverhaltens. Sie wirft mir vor, ich würde nicht ans Telefon gehen, wenn sie anruft oder ich würde mich mehr über den Besuch der Schwiegereltern freuen. Desweiteren stellt sie Behauptungen auf, die nicht stimmen. Dass mein Kind 4 Mal die Woche die Schwiegereltern besucht, obwohl sie nur 1-2 Mal dort ist. Unsere Treffen dienen dazu, mir Vorwürfe zu machen. Darauf reagiere ich wütend oder lasse sie nicht mehr an mich heran. Sie zeigt weder Verständnis für meine Entscheidungen noch lässt sie andere Meinungen gelten. Dinge zu erklären haben wenig Erfolg. Die Treffen machen mir keine Freude mehr, aber ich wollte, dass mein Kind Kontakt zur Oma hat. Ich habe alles versucht und immer wieder verziehen. Ich erwarte von ihr nur Verständnis und Unterstützung. Bei uns war es immer andersherum. Sie musste immer unterstützt werden und wenn es nicht so läuft, wie sich es möchte, kommen Vorwürfe oder es wird behauptet 'dass ich mich nicht für sie interessiere'. Diese Behauptungen haben mich sehr gekränkt. Ich merke, dass es mir ohne ihren Besuch besser geht. Meine Eltern sind geschieden und mein Vater kann auch nicht schlichten. Wir können beide nicht mehr aufeinander zugehen. Macht eine Auszeit Sinn? Danke für Ihre Antwort.
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe Mona5643,danke für Ihr Vertrauen und Ihre Anfrage. Ein elementares Bedürfnis wird nicht erfüllt in Ihrem Leben, Anerkennung und bedingungslose Zuneigung und Liebe durch Ihre Mutter zu erfahren. Sie haben sich immer wieder bemüht um gute Stimmung, haben sich zurückgenommen, verziehen, wollen der Tochter eine gute Beziehung zur Oma ermöglichen. Und nun sehen Sie, dass alles nichts nützt, egal, was Sie auch tun.
Eine frustrierende Erkenntnis, die Sie schmerzt und die die Frage aufwirft, was kann ich noch tun, soll ich den Kontakt zumindest zeitweise abbrechen?
Ihre Eltern sind geschieden, Ihr Vater kann und will vermutlich auch nicht schlichten, er lebt sein eigenes Leben. Und das ist auch gut so. Das Verhalten Ihrer Mutter, die Aussagen deuten auf ein gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl, ein eher negatives Selbstbild hin, so dass Sie auf einer unbewußten Ebene die Aufgabe zugewiesen bekamen, dafür zu sorgen, dass es Ihrer Mutter gut geht. Warum und ob Ihre Mutter evtl. eifersüchtig ist, sich zurückgesetzt und wenig gesehen fühlt, kann ich nicht sagen, es ist nur eine Hypothese von mir. Das ist ihre Geschichte und hat mit ihrem Leben und den Erfahrungen daraus zu tun. Es ist aber weder die Aufgabe eines Kindes, noch überhaupt die Aufgabe eines anderen Menschen, für das Wohlbefinden anderer zu sorgen (ausser natürlich für Kinder und alte oder eingeschränkte Menschen), jeder hat es in seiner Verantwortung, Selbstfürsorge zu betreiben. Wenn das nicht so recht klappt, steht es jedem, auch Ihrer Mutter frei, sich Hilfe zu holen, z.B. in Form von unterstützenden Gesprächen bei einer Beratung oder Therapie. Dazu gehört nun aber die Einsicht und ich fürchte, wenn Sie das bei Ihrer Mutter ansprechen, wird Sie es nicht verstehen. Trotzdem können Sie es versuchen.
So bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, ins Handeln zu kommen und wenn es sich richtig anfühlt, den Kontakt abzubrechen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Da ich nicht weiß, wie alt Ihr Kind ist, kann ich nur raten, eine kindgerechte Erklärung zu überlegen, warum das mit der Oma momentan so nicht funktioniert wie gewohnt. Oder Sie beschränken den Kontakt nur auf Treffen des Kindes mit Ihrer Mutter bei ihr und halten sich ansonsten zurück.
Bedenken Sie, Ihre Mutter hat Ihre eigene Geschichte und manchmal ist es an uns, zu erkennen, das ist nun so, ich habe mich bemüht, aber ohne Erfolg. Nichts in der Welt kann andere dazu bringen, ausser die eigene Einsicht, etwas an Situationen zu ändern oder sich anders zu verhalten. So handeln Sie nun für sich, auch wenn es vielleicht schwer auszuhalten ist. Doch wenn es Ihnen dann besser geht, ist das völlig in Ordnung. Sie sind der wichtigste Mensch in Ihrem Leben, denken Sie immer daran!
Ich wünsche Ihnen Mut, Kraft und dass sich doch noch etwas zum Positiven verändert!
Herzliche Grüße
Claudia Schmitt
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Weltliche Trauerrednerin
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Danke für den Denk-Anstoß, dass ich nicht dafür zuständig bin, nur andere glücklich zu machen.




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