Navigation Psychomeda.de
Das Psychologie-Portal

Ich weiche anderen Müttern aus, weil ich mit meinem Mann kein Kind haben werde

Meisi (w, 30) aus Frankenberg:

Hallo liebe Psychomeda-Team,

ich bin seit zwei Jahren mit meinem Mann verheiratet und liebe ihn wirklich über alles. Es gibt aber leider etwas, was mich richtig fertig macht. Ich wollte so gern irgendwann mal schwanger werden und eine Mama sein. Nur leider wurde mein Mann als unfruchtbar eingestuft, da bei ihm keine Spermien zu finden sind. In unserer Bekanntschaft haben wir zur Zeit ganz viele Mamas mit kleinen Kindern oder Schwangere und es macht mich richtig traurig, wenn ich sie sehe, sodass ich den Kontakt so gut wie möglich vermeide, auch wenn es sehr schade ist. Aber ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

Jedesmal, wenn ich auf der Straße eine Mama mit Kinderwagen sehe, möchte ich am liebsten fortlaufen. Jetzt arbeite ich auch im Krankenhaus und bringe ab und zu frischgebackene Mamas vom Kreissaal auf die Station. Es ist jedesmal Horror. Hab schon versucht mit meinem Chef darüber zu reden, aber er kann mich da nicht rausnehmen.

Jetzt meine Frage: was kann ich machen, dass mich die Mamas oder die Schwangeren nicht so fertig machen oder wie kann ich lernen, damit besser umzugehen. Habt ihr vielleicht eine Idee?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Meisi,

vielen Dank für Ihre Anfrage und das Vertrauen, das Sie uns entgegen bringen. Sie sind seit 2 Jahren mit einem Mann verheiratet, den Sie sehr lieben. Es war immer Ihr größter Wunsch, irgendwann einmal schwanger und Mutter zu werden. Doch Ihr Mann wurde als unfruchtbar eingestuft.

Nun haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis viele Mütter mit Kindern. Auch im Krankenhaus werden Sie mit Müttern konfrontiert. Es macht Sie sehr traurig, all diesen Mütter und Ihren Kindern zu begegnen. Und so versuchen Sie den Kontakt zu den Bekannten zu vermeiden und würden auf der Straße am liebsten weglaufen. Selbst den Arbeitsplatz können Sie nicht wechseln, weil es aus internen Gründen nicht möglich ist.

Sie fragen sich, was Sie tun können, damit Sie nicht weiterhin jede schwangere Frau, die Ihnen begegnet, abwehren müssen. Sie befinden sich tatsächlich in einer schwierigen Situation. Wenn Sie mit Ihrem Mann zusammenbleiben möchten, müssen Sie auf leibliche Kinder verzichten. Und ich verstehe Sie so, dass das auf jeden Fall schon für Sie klar ist, dass Sie zusammenbleiben. Sie bekommen also etwas, nämlich die Liebe Ihres Mannes, und gleichzeitig geben Sie etwas auf, nämlich den Wunsch nach einem eigenen Kind.

Mir scheint, dass Sie Ihren Wunsch noch nicht wirklich losgelassen haben. Ich verstehe, dass das nicht leicht ist und doch ist es ein wichtiger Schritt, der noch in Ihrem Leben fehlt.
Ich möchte Ihnen raten, ganz offen mit Ihrer Trauer umzugehen. Weichen Sie nicht aus, wenn Ihnen Mütter begegnen – seien Sie einfach traurig. Wenn Sie der Trauer ausweichen, wird sie sich langfristig nicht lösen können. Weinen Sie, wenn Ihnen danach ist, aber drücken Sie Ihre Trauer authentisch aus.

Wenn Sie durch diesen Prozess wirklich offen durchgehen, wird sich etwas verändern. Sie werden anfangen, die eigene Wunschvorstellung langsam loszulassen und sich für das öffnen, was real ist. Wenn Sie dann andere Mütter sehen, spüren Sie vielleicht eine zarte Verbundenheit und ein Mitgefühl mit Ihnen, das Sie eher verbindet als ausschließt. Denn das ist es, was Sie im Moment tun - Sie schließen andere Mütter aus Ihrem Leben aus. Auch wenn Sie das schade finden, wie Sie selbst schreiben.

Wenn Sie also bereit sind zu trauern, kann sich Ihr Gefühlsweg umkehren und Sie können Verbundenheit statt Vermeidung und Ausgrenzung erleben.

Es bleibt noch eine andere Möglichkeit offen. Sie können gemeinsam ein Kind adoptieren. Es ist natürlich anders, als ein eigenes Kind zu gebären und groß zu ziehen. Und doch wäre es für ein Kind, das bislang nicht so günstige Lebensbedingungen hatte, ein sehr großes Geschenk, elterliche Liebe von Ihnen und Ihrem Mann erfahren zu dürfen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,

herzlicher Gruß,

Anke Wagner
-Heilpraktikerin f. Psychotherapie -
Bewertung durch den Fragensteller:
Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich für mich Zeit genommen haben.





Online-Beratung

Auf Psychomeda beantworten Psychologen und Therapeuten Ihre Fragen unentgeltlich. Jetzt online Ihre Frage stellen...


Therapeuten

Zuletzt aufgerufene Therapeuten-Seiten. Therapeut, Coach, Berater? Eintragen...


Beliebt auf Psychomeda


TwitterSocial Feed



Folgen Sie uns auf Twitter


Qualität

Psychomeda ist ein unabhängiges psychologisches Informations- und Beratungsportal von Psychologen und Therapeuten. Wir informieren evidenzbasiert und auf wissenschaftlicher Grundlage. Weiter