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Ich habe großes Heimweh nach meiner Familie

Inga (w, 34) aus München:

Hallo liebes Psychomeda-Team,

vor 13 Jahren bin ich der Liebe wegen von NRW nach München gezogen. Diese gibt es zwar nicht mehr, dafür aber eine Neue. Seit nun 8 Jahren jedoch wird mein Heimweh immer schlimmer (besonders schlimm wurde es 2009, mein Vater bekam Krebs)).

Ich habe einen tollen Partner, ein schönes Zuhause und einen prima Job mit netten Kollegen. Aber alle 3-4 Wochen falle ich für einige Tage in eine richtige depressive Verstimmung - ich weine sehr viel, kann mich nicht auf die Arbeit konzentrieren, habe keinen Appetit und keinen Spaß mehr an nichts.

Meine Schwester (4 Jahre älter) wohnt über 200km von meinen Eltern weg. Wegen ihrer zwei Kinder, fahren meine Eltern sie alle 3-4 Wochen besuchen (meine Schwester besucht meine Eltern fast nie). Ich kann nicht abstreiten, das hier auch Neid mit im Spiel ist.

Ich plane seit 7 Jahren wieder nach NRW zu ziehen, aber bisher hat es aus verschiedenen Gründen nie geklappt. Je länger ich von meiner Familie getrennt bin, desto größer das Heimweh. Und ich sehe keinen Ausweg. Für meinen Partner mache ich gute Miene zum bösen Spiel, da er mit dieser Verstimmung nicht umzugehen weiß (habe schon des öfteren mit ihm darüber gesprochen).

So oft wie möglich versuche ich nach Hause zu fahren, aber die letzten zwei Jahre wurde es beruflich relativ schwer, dies alle 4-5 Wochen einzurichten. Mittlerweile glaube ich nicht mehr richtig daran, je wieder nach NRW ziehen zu können.
Aber mein Heimweh wird auch von Jahr zu Jahr schlimmer...

Liebe Grüße
Inga

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Inga,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Sie befinden sich scheinbar in einer unerträglichen Entweder-Oder-Situation. Einerseits haben Sie sich München in neues Leben aufgebaut, in dem Sie auch zufrieden und glücklich sind, andererseits haben Sie Heimweh nach Ihrer Familie in NRW, das jedes Jahr immer größer wird und dazu führt, dass Sie alle 3-4 Wochen in eine depressive Verstimmung verfallen.

Es gibt zwei Dinge, die mir an Ihrer Schilderung auffallen und die vielleicht einen Zugang zu neuen Perspektiven eröffnen könnten.

Das erste ist, dass Ihre Eltern bereit sind, Ihre Schwester zu besuchen. Ihre Neidgefühle sind mehr als legitim und berechtigt. Doch sie deuten gleichzeitig auf einen tieferen Konflikt hin, der schon länger besteht, nämlich welche Position und auch Funktion Sie in Ihrer Familie immer eingenommen haben und weiter einnehmen.

Das zweite ist, dass Sie Ihrem Partner etwas vormachen, weil er nicht mit Ihrer depressiven Verstimmung umgehen kann. Obwohl Sie schon öfter mit ihm darüber gesprochen haben, scheint er kein Verständnis dafür aufzubringen.

Sie bleiben also mit Ihren Gefühlen und Bedürfnissen letztlich allein. Vielleicht nährt sich daraus auch zusätzlich Ihr Heimweh, das immer stärker wird. Es ist auch die Sehnsucht nach Geborgenheit, Sich-Fallen-Lassen und so akzeptiert zu werden, wie man ist.

Weiß Ihre Familie, dass Sie sich über einen regelmäßigen Besuch sehr freuen würden? Dass Sie sich das wünschen? Wenn Ihre Eltern auch zu Ihnen kämen, könnte sie sich insgesamt häufiger sehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass es hilfreich wäre, Ihrem Heimweh ein wenig auf die Spur zu kommen. Mit ein paar Beratungs-oder Therapiestunden könnten Sie mehr Klarheit darüber bekommen, warum Sie in dieser Zwickmühle stecken, welche Chance sie birgt und wie Sie in Ihrem Leben mehr für Ihre Bedürfnisse sorgen und einstehen können.

Mit herzlichem Gruß

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie

Bewertung durch den Fragensteller:
Die Antwort hat mir sehr zu denken gegeben und ich werde das Problem mit einem Psychologen näher erörtern. Vielen Dank!





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