Mein Partner wird immer wunderlicher
Püppi (w, 45) aus Bellingen: Ich lebe seit 6 Monaten in einer Fernbeziehung (100km) mit einem getrennt lebenden Mann(45). Seine Töchter(16 u. 17)leben bei ihm im Haus mit. Seine Frau ist vor 1,4 Jahren ausgezogen, sie hat einen neuen Partner. Mein Freund ist selbstständig. Der Kontakt zu seinen Töchtern ist super gut. Mein Freund wurde die letzten Wochen immer wunderlicher (so auch die Aussage seiner Töchter). Er hat nach der Trennung von seiner Frau viele Probleme auch in der Firma. Ich bin mir mittlerweile im Klaren darüber, dass es der Mann ist, mit dem ich mein Leben gerne teilen würde, da ich ihn liebe. Er liebte mich und begehre mich, schätze mich in allem was ich täte, wäre einfach perfekt in allem und könnte alles, das gefalle ihm sehr, aber... jetzt kommt es 'er wüßte nicht was er will, ich weiss nicht was mit mir los ist, ich kann es Dir nicht sagen. Ich versteh mich selbst die letzte Zeit nicht mehr' er wäre zum einen ganz oben dann wieder ganz unten in einem Loch. Einmal klar dann wieder nachdenklich. Und das sagten mir auch seine Töchter, dass der Papa in einem Loch in einem Tief wäre und nicht mehr raus kommt. Ich möchte ihn nicht verlieren, jedoch ist es ein Zustand, der mich in den letzten Wochen so viel Energie kostet, da ich nicht weiss wie es weiter geht. Er sagte gestern zu mir, dass ich ja wissen muss, ob ich ihn noch liebe und begehre - das bejahte ich. Hat er Angst vor einer neuen Enttäuschung in einer Beziehung? Ich bin so ratlos und verzweifelt, will keinen Fehler machen um ihn nicht zu verlieren. Was raten sie mir?
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Liebe ratlose Püppi,danke für Ihr Vertrauen. Eine Achterbahn der Gefühle, die Sie da mitmachen, endlich der Mann, den Sie lieben und mit dem Sie sich ein gemeinsames Leben vorstellen können, was ja im mittlerern Alter auch nicht mehr so einfach ist, die äußeren Umstände stimmen, alles eigentlich perfekt und dann das.... Er weiß nicht, was er will.
Dass Sie sich da Gedanken machen, ist nur zu verständlich, ich kann gut nachfühlen, dass es Sie extrem stresst, dass die Entwicklung einer Beziehung Energie abzieht, statt als gute Basis Kraft zu geben.
Was Sie so beschreiben, kann auf eine Depression hindeuten, kann auch eine Krise der Lebensmitte sein. Diagnosen über die Ferne hin für Dritte zu stellen, ist nicht möglich und hier auch nicht erlaubt. Aber ich kann die Situation einmal von verschiedenen Aspekten her beleuchten.
Die Fernbeziehung ist eine Herausforderung, sich nicht sehen zu können, wann man will, sondern nach Plan, stresst zusätzlich. Wenn dann ein Treffen statt findet, soll alles möglichst perfekt sein, Konflikte sollen in den Hintergrund rücken. Das geht aber nicht, denn Gefühle lassen sich nicht einfach abschalten.
Ein weiterer Aspekt ist das mittlere Lebensalter. Eine Trennung hinter sich, das Bilanzieren dessen, was bisher war (war es das schon oder wie geht es nun weiter?), das zunehmende Spüren der eigenen Endlichkeit, womöglich Stress im Betrieb, Existenzängste, Versagensängste, all das nagt vermutlich an Ihrem Partner. Sie stellen berechtigte Ansprüche und er fühlt sich womöglich überfordert. Will sich versichern... (Du musst doch wissen, ob Du mich liebst...). Hinzu kommt natürlich vermutlich, wie Sie richtig erkennen, die Angst, in der neuen Beziehung Fehler zu machen. Nur, ohne Fehler leben, das wäre ein vermessener Anspruch, den kein Mensch erfüllen kann, auch Sie nicht. Sich einzulassen birgt immer das Risiko, verletzt zu werden, aber was wäre die Alternative?
Hat er die alte Beziehung verarbeitet, ist er emotional durch mit seiner Exfrau? Hat er ein schlechtes Gewissen? Das alles sind Punkte, die hier zusätzlich herein spielen können.
Sie wissen leider nie, was richtig ist oder falsch, das entscheidet meistens das Gefühl, es ist aber nur das eigene Gefühl und ob es das Gefühl des anderen trifft und passt, wissen wir nicht. Entscheidungen treffen wir im Idealfall nur für uns, nie für andere.
Ihr Partner könnte sich überlegen, ob er therapeutische Hilfe in Anspruch nimmt, um Klarheit zu gewinnen. Sie können dieses Thema vorsichtig ansprechen, aber und das ist ausschlaggebend, er braucht Einsicht, ohne Einsicht keine Hilfe. Und das kann für Sie ganz schwer auszuhalten sein, denn ich kann mir vorstellen, dass Sie Ihr momentanes Glück von seinem Verhalten abhängig machen. Was wäre, wenn er Hilfe verweigert, Schluss macht oder sich eine Auszeit bedingt? Was macht das mit Ihnen, könnten Sie das packen und trotzdem Ihr Leben zufrieden weiterleben? Wie abhängig ist Ihre Zufriedenheit von anderen? Wie stark ist Ihr Wunsch, ihm helfen zu wollen, um sich selber zu helfen?
Sie sind beide erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Hilfe anzunehmen heißt Schwäche zuzugestehen und das ist die eigentliche Stärke.
Ich wünsche Ihnen Mut und Kraft, sowie Klarheit und eine positive Entwicklung Ihrer Situation!
Herzliche Grüße
Claudia Schmitt
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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Die Antwort hat mich bestätigt und ich werde diese Beziehung nicht einfach aufgeben - alles birgt ein Risiko in sich. :-)




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