Mein Partner ist bipolar - soll ich mit den Kindern gehen oder bleiben?
Johanna0714 (w, 27) aus Geretsried:
Liebes Psychomedia Team,
mein Mann und ich sind seit 7 Jahren ein Paar. Wir haben inzwischen 3 kleine Kinder.
Letzte Woche war die schlimmste Woche, seitdem wir uns kennen. Er ist manisch depressiv und seit einem Jahr passiert es immer öfter, dass er sich durch bestimmte Situationen oder Personen getriggert fühlt und dann 1-5 Tage lang nicht ansprechbar ist. Er aß 5 Tage lang nicht, starrte nur auf den Fernseher oder in die Luft. Dann packte er sogar alle seine Sachen in Mülltüten (die Kinder spielten nebenan), denn da wo er hingehen würde, braucht er nichts mehr. Wir seien ihn bald los, sagte er mir. Er redete über Witwenrente und dass der Prozess (zu Tode hungern) schon begonnen habe. Ich hatte Angst um ihn und flüchtete an diesen Tagen aus der Wohnung, damit die Kinder und ich nicht zu viel mitbekommen.
Es wirft mich jedes Mal völlig aus der Bahn und ich kann doch nicht jedes mal mit meinen Kindern aus der Wohnung flüchten. Für mich ist ganz klar, dass er in eine Klinik muss, was er natürlich nicht einsieht. Ich fühle mich so zerrissen, weil ich nicht weiß, ob ich bleiben oder gehen soll. Es gibt Wochen oder sogar Monate, da ist er 'normal' und dann gibt es diese Phasen, in denen er ganz anders ist, kalt und abweisend.
Dementsprechend schwanke ich auch mit meinen Trennungsgedanken. Ich muss doch unsere Kinder schützen. Aber was ist 'besser'?! Die Kinder mit einem psychisch sehr labilen Papa großziehen oder sich trennen und die Kinder müssen dann damit fertig werden...
Liebe Grüße,
Johanna
Liebes Psychomedia Team,
mein Mann und ich sind seit 7 Jahren ein Paar. Wir haben inzwischen 3 kleine Kinder.
Letzte Woche war die schlimmste Woche, seitdem wir uns kennen. Er ist manisch depressiv und seit einem Jahr passiert es immer öfter, dass er sich durch bestimmte Situationen oder Personen getriggert fühlt und dann 1-5 Tage lang nicht ansprechbar ist. Er aß 5 Tage lang nicht, starrte nur auf den Fernseher oder in die Luft. Dann packte er sogar alle seine Sachen in Mülltüten (die Kinder spielten nebenan), denn da wo er hingehen würde, braucht er nichts mehr. Wir seien ihn bald los, sagte er mir. Er redete über Witwenrente und dass der Prozess (zu Tode hungern) schon begonnen habe. Ich hatte Angst um ihn und flüchtete an diesen Tagen aus der Wohnung, damit die Kinder und ich nicht zu viel mitbekommen.
Es wirft mich jedes Mal völlig aus der Bahn und ich kann doch nicht jedes mal mit meinen Kindern aus der Wohnung flüchten. Für mich ist ganz klar, dass er in eine Klinik muss, was er natürlich nicht einsieht. Ich fühle mich so zerrissen, weil ich nicht weiß, ob ich bleiben oder gehen soll. Es gibt Wochen oder sogar Monate, da ist er 'normal' und dann gibt es diese Phasen, in denen er ganz anders ist, kalt und abweisend.
Dementsprechend schwanke ich auch mit meinen Trennungsgedanken. Ich muss doch unsere Kinder schützen. Aber was ist 'besser'?! Die Kinder mit einem psychisch sehr labilen Papa großziehen oder sich trennen und die Kinder müssen dann damit fertig werden...
Liebe Grüße,
Johanna
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Hallo Johanna,ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Es ist tatsächlich eine enorm belastende Beziehungssituation, in der Sie sich befinden und ich verstehe sehr gut, dass Sie innerlich merken, so geht es nicht mehr weiter. Sie haben all die Jahre versucht, einen Umgang mit seiner bipolaren Erkrankung zu finden. Aus Ihren Zeilen lese ich, dass Sie ihm sehr viel Verständnis entgegen bringen.
Doch es stimmt, Sie können nicht mit Ihren Kindern jedes Mal aus der Wohnung flüchten, wenn er sich wieder in einer stark depressiven, lebensmüden Phase befindet. Denn Ihre kleinen Kinder erleben das als eine große Bedrohung, die sie nicht einordnen und verstehen können. Wenn eine Bezugsperson emotional sehr labil ist, kann sich das auch auf die psychologische Entwicklung der Kinder übertragen. Insofern ist Ihr Impuls, die Kinder zu schützen, richtig.
Leider sieht Ihr Mann nicht ein, dass er eine Behandlung benötigt, was Teil seiner Erkrankung ist. Er ist an dem Punkt nicht in der Lage für sich oder seine Familie Verantwortung zu übernehmen. Somit liegt die Verantwortung ganz bei Ihnen.
Ich würde Ihnen empfehlen, sich therapeutisch Rückhalt und Entlastung zu suchen, um zu einer klaren Entscheidung zu kommen. Es reicht nicht aus, sie nur kognitiv und rational zu treffen, sondern auch emotional. Das könnte der Grund sein, warum es Ihnen bisher so schwer fiel, Klarheit zu finden. Mein Eindruck ist, auch wenn es kein einfacher Weg sein wird, haben Sie genügend Kraft, ihn zu gehen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße
Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
Bewertung durch den Fragensteller: 



Ich danke Ihnen sehr für Ihre einfühlsame und hilfreiche Antwort.




Ich danke Ihnen sehr für Ihre einfühlsame und hilfreiche Antwort.
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