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Ich verstehe nicht, warum ich niemandem vertrauen kann

Paul (m, 20) aus Berlin:

Hallo,

ich bin Paul 20 jahre alt, ich habe folgendes Problem, ich bin seit 2 Jahren schwer depressiv. War auch schon unfreiwillig in der Psychiatrie, wurde dann aber nach kurzer Zeit wieder entlassen, nur weil ich gesagt habe, ich wollte mich nicht mehr umbringen. Dann habe ich ich endlich wieder Sinn in meinem leben gesehen, weil ich meine jetzige Freundin kennengelernt habe.

Dummerweise kann ich einfach niemandem vertrauen, ihr auch nicht. Ich bilde mir immer ein, dass sie mich hintergeht, obwohl ich weiß, dass sie mich liebt. Ich kann nachts nicht schlafen und wenn sie sich mit einer Freundin trifft, kann ich nie an was anderes denken, als dass sie sich mit jemand anderem trifft und mich hintergeht usw.

Ich habe in dem letzten Jahr eigentlich mit allen Freunden und Bekannten Kontakt abgebrochen, weil ich immer denke, sie verarschen mich. Ich versteh nicht, warum ich niemandem vertrauen kann. Hoffe, Sie können mir helfen.

Grüße Paul

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Hallo Paul,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Vertrauen bildet sich in sehr jungen Jahren aus, wenn wir die Erfahrung mit unseren nahen Bezugspersonen machen, dass wir uns angenommen und geliebt fühlen. Dies vermittelt uns das Gefühl der Sicherheit im Zusammensein mit anderen. Mit diesem verinnerlichten Gefühl der Sicherheit ziehen wir dann als Kinder in die Welt hinaus, erkunden sie neugierig und begegnen fremden Menschen mit Offenheit. Für unsere späteren, erwachsenen Erfahrungen ist dies also sehr entscheidend.

Wenn wir der Welt mit Misstrauen begegnen, werden wir so ziemlich alles, was wir erleben, auch als bedrohlich und unsicher wahrnehmen. Unsere Wahrnehmung ist davon eingefärbt, was wir aufgrund früherer Erfahrungen erwarten. Befürchten Sie von Anderen betrogen oder hintergegangen zu werden, so wird alles, was Sie sehen, hören und spüren können, nur eine Bestätigung Ihrer Erwartungshaltung sein. Dadurch verfestigt sich wiederum Ihre Überzeugung, dass Sie niemandem trauen können.

Sie wissen, dass Ihre Freundin Sie liebt. Doch Sie bleiben misstrauisch, weil es keinen vertrauensvollen, sicheren Boden in Ihnen gibt, auf dem diese Liebe landen könnte. Für Ihre Partnerin ist das vermutlich eine große Belastung. Gleichzeitig zeigt Sie Ihnen damit, dass es überhaupt möglich ist zu vertrauen.

Was auch immer in Ihrem Leben geschehen sein mag, es wird Gründe für Ihr Misstrauen geben. Deshalb möchte ich Ihnen eine Traumatherapie empfehlen, ganz gleich, ob Sie jetzt ein Trauma erinnern können oder nicht. Aus meiner Sicht wäre psychotherapeutische Unterstützung ratsam, die nicht nur auf die Behandlung der Depression ausgerichtet ist. Schauen Sie, ob Sie einen Therapeuten/ eine Therapeutin finden, mit dem/der Sie sich vorstellen könnten zu arbeiten. Es wird Ihre Beziehung entlasten und Ihnen langfristig ermöglichen, Vertrauen in einer geschützen Umgebung der Therapie 'nachzulernen'.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
Bewertung durch den Fragensteller:





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