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Ich hatte eine Fehlgeburt und komme nicht damit zurecht

Erbse (w, 30) aus Frankfurt: Hallo,
vor drei Wochen hatte ich eine Fehlgeburt in der 10. SSW. Das schlimmste Erlebnis überhaupt! Mein Partner und ich hatten uns sehr auf unser Kind gefreut und sind uns auch einig, dass wir es schnell wieder versuchen wollen. Nüchtern betrachtet weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt insbesondere in den ersten 12 Wochen sehr hoch ist und es in der Regel einen guten medizinischen Grund dafür gibt, dass sich das Kind nicht weiterentwickelt. Und ich weiß auch, dass ich bald wieder schwanger werden kann und dann auch alles gut verlaufen kann. Nichtsdestotrotz fällt es mir sehr schwer, die Fehlgeburt zu verarbeiten. Ich gehe seit einer Woche wieder arbeiten. Die Ablenkung tut gut, aber wirklich konzentrieren kann ich mich nicht auf meine Arbeit, was mich zusätzlich sehr unzufrieden macht. Und das Verständnis meiner Kollegen (nur zwei wissen Bescheid) ist auch begrenzt zumal ein wichtiges Projekt ansteht. Nachdem die ersten Tage eigentlich ganz gut liefen, bin ich gestern wieder in ein tiefes Loch gefallen. Diese Schwankungen zwischen Zuversicht und Verzweiflung machen mich fertig. Ich habe Angst, dass es noch länger so weiter geht und ich mich von Freunden und Familie zurückziehe. Schließlich will ich sie mit dem immer gleichen Thema auch nicht nerven. Irgendwie habe ich noch keine Idee, wie ich wieder in den Alltag zurückfinde und wäre sehr dankbar, wenn Sie ein paar Tipps für mich hätten, wie ich wieder etwas unbeschwerter und fröhlicher werden kann.
Herzlichen Dank schon im Voraus!

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe unglückliche Erbse,

das ist ein schlimmes Erlebnis, das Sie zu verarbeiten haben und es ist so absolut, ich kann mir vorstellen, dass Sie an Stäben rütteln möchten, um das Geschehene zu begreifen. Das ganze logische Wissen in Ihrem Kopf hilft hier nicht weiter, Ihr Herz trauert.

Ein Kind zu verlieren, egal in welchem Alter, ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann, jedoch Sie als Mutter müssen es auch noch am eigenen Leib erleben und das macht es so schrecklich. Einher mit der Fehlgeburt gehen vielleicht auch Zweifel am eigenen 'Talent', Mutter zu sein, bin ich überhaupt fähig, kann ich das eigentlich? Das ist doch irgendwie so einfach, wieso kann ich das nicht, bin ich so unzulänglich?

Dass die Umwelt nicht so einfühlsam reagiert, ist normal, Kollegen bedauern sicher, haben aber andere Probleme und müssen sich wieder dem Tagesgeschäft zuwenden. Sie können Ihren Schmerz nicht nachvollziehen, ausser es ist eine Frau dabei, die Ähnliches erlebt hat. Ich denke, es ist wichtig, das Kind gehen zu lassen und zwar in Frieden. Um diesen Prozess, der eine gewisse Zeit dauern wird, gut duchzustehen, kann ich mir vorstellen, dass Sie sich einige Stunden psychologische Beratung holen. Das halte ich für wichtig, gerade im Hinblick auf Ängste vor der nächsten Schwangerschaft. Evtl. kann auch der Vater einen oder zwei Termine mit wahrnehmen, um, falls nötig, noch mehr Verständnis für Sie und Ihre Situation zu erlangen, bzw. für sich selbst. Rituale können ebenfalls hilfreich sein, z.B. eine Kerze anzünden, mit dem Kind sprechen, es verabschieden. Alleine oder mit dem Partner zusammen. Sie könnten dem Kind einen Brief schreiben und diesen dann an einem passenden Ort verbrennen oder ihn an einen Gasballon hängen und in den Himmel schicken, sprichwörtlich los lassen.

Schliessen Sie erst diesen Abschnitt Ihres Lebens ab, bevor Sie einen neuen Versuch wagen. Sie sollten ruhig und entspannt in eine neue Schwangerschaft gehen und alle Ängste verarbeitet haben. Suchen Sie sich Hilfe, einfühlsam und kompetent!

Liebe Erbse, ich wünsche Ihnen diese Hilfe, Kraft und Mut für eine neue und gesunde Schwangerschaft!

Ganz herzliche Grüße!

Claudia Schmitt

Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Bewertung durch den Fragensteller:
Danke fur die schnelle und sehr hilfreiche Antwort. Einen Abschiedsbrief zu schreiben finde ich eine sehr schöne Idee.





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