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Meine Ehe droht zu scheitern, wir haben so viel Pech!

Mira (w, 55) aus Hamburg: Wie kann ich meinem Ehemann helfen, damit er (56), ich (55) und wir uns wieder besser fühlen? Unsere Ehe geht sonst kaputt!

Vorgeschichte: Wir lieben uns trotz allem und sind seit 5 Jahren jeder in zweiter Ehe verheiratet. Kurz nach der Heirat folgte Privatinsolvenz und Krebserkrankung meines Mannes. Heute ist er wieder gesund und arbeitet voll in seinem Beruf. Bei mir ging’s leider bergab (Diabetes, Depressionen, Erwerbsunfähigkeit). Im Gegensatz zu ihm habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen beiden erwachsenen Kindern. Seine beiden Töchter halten nur die Hand auf (Unterhaltsklagen trotz guten Zahlungen), sonst kaum/kein Kontakt.

Problem: Ich versuche alles zu tun, damit es uns gut geht und wir auch noch Lebensfreude empfinden können.
Er sieht überall nur Berge von Problemen, die kaum existieren. Sein Job nervt ihn, seine Kinder fehlen ihm, trotz allem chronischer Geldmangel (es nervt ihn, dass er seinen Kindern und mir nicht mehr bieten kann) und Zukunftsängste machen ihn fertig.
Er ist ein sehr introvertierter Mensch, der so gut wie nicht über seine Gefühle reden kann. Er fühlt sich als Verlierer, Versager und traut sich nichts zu. Er fühlt sich total überfordert und niemand ist ihm wirklich wichtig. Auch ich nicht, obwohl er mich aufrichtig liebt, wie er sagt. Im Bett ist Funkstille und Zärtlichkeit gibt es auch so gut wie keine.
Er würde niemals psychologische Hilfe selbst in Anspruch nehmen und ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann. Deswegen heute mein Hilferuf.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Mira,

danke für Ihre Anfrage. Da haben Sie wirklich ein ziemlich großes Päckchen zu tragen. Und trotzdem, Sie schöpfen aus Ihren Ressourcen und haben wohl die größere mentale Kraft von Ihnen beiden.

Natürlich sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen massiv, auch die Erwerbsunfähigkeit kann am Selbstwertgefühl nagen. Die menschlichen Beziehungen jedoch sind ebenso wichtig und da haben Sie das Glück, dass Ihre Töchter mit Ihnen einen guten Umgang pflegen.

Bei Ihrem Mann ist es umgekehrt, er ist gottseidank wieder gesund und voll im Job, aber die Kinder sind eher zum Wegwünschen. Er scheint mir nicht so stabil zu sein wie Sie, das ist so, jeder Mensch ist anders veranlagt und geht anders mit Niederlagen um. Er hat natürlich auch eine anstrengende Lebensgeschichte, die ihn prägt. Es ist oft so, dass Männer sich sehr über den Beruf und das Geld, das sie verdienen, definieren und so fühlt er sich als Versager, weil er Ihnen nicht so viel bieten kann. Das, was Sie schreiben, deutet auf eine Depression hin, es wäre natürlich wichtig für ihn, zumindest einmal zum Arzt zu gehen und sich evtl. eine medikamentöse Unterstützung geben zu lassen. Dass auch die sexuelle und zwischenmenschliche Ebene unter den Umständen leidet, liegt auf der Hand.

Sie möchten ihm helfen und sind nun Ihrerseits damit überfordert, denn wie soll es gehen? Es ist jedoch so, dass Sie Ihrem Mann nicht helfen können, im Gegenteil, Sie geben Ihre Kräfte hin und stellen frustriert und ernüchtert fest, dass es nicht funktioniert. Ihr Mann muss sich selber helfen, bzw. helfen lassen und dazu gehört die Einsicht. Ich kann mir vorstellen, dass auch hier sein Stolz und die Vorstellung von seinem Selbstbild hereinspielen, dass jemand, der psychotherapeutische Hilfe braucht, in seinen Augen nicht viel wert ist.

Ich schlage Ihnen vor, ein wirklich ernsthaftes Gespräch auf neutralem Boden mit ihm zu führen. Schildern Sie ihm eindringlich, wie es Ihnen geht, teilen Sie ihm rückhaltlos mit, dass Sie so nicht weitermachen können und dass es bei einer weiteren Verweigerung von Hilfe seinerseits nur die Möglichkeit einer eventuellen Trennung für Sie gibt. Das ist keine Erpressung, sondern das Aufzeigen von Konsequenzen. Sie sind nicht seine Retterin und nicht für ihn verantwortlich, das können Sie nicht sein, retten kann er sich nur selbst. Vielleicht hilft auch der Vorschlag einer Paarberatung, Sie würden mitgehen und er hätte nicht das Gefühl, völlig allein zu sein. Von hier bis zu einer Einzeltherapie wäre dann der Weg nicht so weit. Wenn er zumindest in einer Paarberatung sieht, dass das hilfreich sein kann, dann kann er sich evtl. leichter dazu durchringen. Ich kann Ihnen für diesen Fall eine Beratung per Telefon oder Skype anbieten. Das ist nicht so unmittelbar und eventuell leichter anzunehmen.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft und Mut, wofür auch immer Sie sich entscheiden!

Herzliche Grüße

Claudia Schmitt

Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Bewertung durch den Fragensteller:
Dank Ihrer Antwort ist bei mir der Groschen gefallen. Im Nachhinein hätte ich selbst drauf kommen können. VIELEN DANK

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