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Mein Verlobter hat ein Suchtproblem

Katinka (w, 27) aus Frankfurt: Ich bin seit 1,5 einem Jahr mit Tom zusammen. Wir haben uns vor 5 Monaten verlobt und planen unsere Hochzeit. Ich habe mich mit 18 aus sehr schlechten Familienverhältnissen befreit, arbeite und studiere.

Als wir uns kennenlernten, sagte ich ganz klar, dass es in meinem Leben keine Drogen o.ä. gibt. Alkohol ausgeschlossen. In eine vorigen Beziehung hatte ich gesehen, wie Drogen einen Menschen verändern.

Tom hatte Probleme mit Marihuana und Games. Als wir uns kennenlernten, erzählte er mir natürlich nichts davon. Wir haben schnell gewusst, wir wollen zusammen bleiben, heiraten. Ich fand 4 Monate später raus, dass er regelmäßig kifft. Er versprach aufzuhören, wenn ich ihm noch eine Chance gebe. Ich half ihm durch den Entzug, was nicht leicht war.

Nun sind 10 Monate vergangen, wir haben uns verlobt, ein Datum für die Hochzeit und ich finde raus, dass er nie aufgehört hat (3 Wochen hat er durchgehalten). Er hat mich jedes Mal belogen, wenn wir über das Thema sprachen und wir hatten oft das Thema. Er hat immer gekifft, wenn ich nicht Zuhause war, er auf Geschäftsreise, daher konnte er es so lang verheimlichen.

Ich bin enttäuscht, fühle mich gedemütigt und naiv. Das Schlimmste von allem ist einfach der Vertrauensbruch, dass er mir ins Gesicht lügen konnte, obwohl ich immer ehrlich war.

Ich weiß,dass es eine Sucht ist. Er geht nun zur Therapie und in Selbsthilfegruppen. Dennoch weiß ich nicht, wie ich ihm je wieder vertrauen soll, wie ich weiter eine Hochzeit planen soll und ob das Alles noch Sinn macht. Wie gehe ich mit der Situation um?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Katinka,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Ihr Verlobter hat scheinbar eine starke Suchtproblematik. Er hat Sie belogen und Sie in dem Glauben gelassen, dass er aufgehört hat. Er wollte Sie nicht verlieren, aber er will auch weiterhin Cannabis konsumieren.

Jetzt endlich - kurz vor dem Heiratstermin - begibt er sich in Therapie und nimmt an Selbsthilfegruppen teil. Eine Garantie, dass er nun den Entzug schafft, gibt es auch jetzt nicht.

Ich kann sehr gut verstehen, dass der Vertrauensbruch für Sie am schlimmsten ist. Es braucht Zeit, bis sich dieses Vertrauen überhaupt wieder einstellen könnte. Das ist nur möglich, wenn er nun konsequent aufhört. Ob er das schafft, hängt vor allem von seiner mentalen Stärke und seiner Einsichtsfähigkeit ab.

Es ist schwer für Sie zu entscheiden, ob eine Hochzeit noch Sinn macht. Das Fundament des Vertrauens Ihrer Beziehung ist erstmal weggebrochen und muss neu errichtet werden. D.h. der Zeitpunkt, eine verlässliche, verantwortungsvolle und langfristige Bindung einzugehen ist jetzt ungünstig, weil sich die Voraussetzungen geändert haben.

Insofern würde ich Ihnen aus meiner Sicht empfehlen, den Heiratstermin auf unbestimmte Zeit zu verschieben, um erstmal die Wunden zu pflegen und nicht einfach so weiter zu machen wie bisher.

Es hat sich etwas Wesentliches verändert in Ihrer Partnerschaft, gehen Sie nicht darüber hinweg, sondern halten Sie inne und versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Verlobten das Vertrauen wieder aufzubauen.

Wenn Sie dann merken, er schafft es nicht mit dem Kiffen aufzuhören oder Sie schaffen es nicht mehr, ihm wieder zu vertrauen, können Sie die Beziehung leichter auflösen, als wenn Sie verheiratet sind. Geben Sie sich die Zeit, das könnte ein guter Weg für alle Beteiligten sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute -
viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
Bewertung:
Vielen Dank für die schnelle Antwort! Es war gut einen Rat von einer außenstehenden Person zu erhalten. Danke!

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