Ärger wegen gemeinsamem Haushalt
em (m, 28) aus Tübingen: Hallo,
ich habe vor ein paar Jahren ein Terrarium für meine Bartagamen gebaut und war damals in einer Beziehung. Diese ging jedoch zu Ende und ich habe eine neue Beziehung begonnen, seit 11 Monaten. Nun haben wir eine gemeinsame Wohnung und meine jetzige Partnerin wehrt sich vehement gegen die Tiere und auch das Terrarium, da es zu gross sei und aus früherer Zeit stammt. Die Tiere findet sie teils schön, teils eklig, und in meinen Augen findet sie immer andere Gründe, wieso sie weg sollen, da es in der Planung für die neue Wohnung ihrereseits noch o. k. war, daß die Tiere in diesem Terrarium zu uns in die gemeinsame Wohnung mit einziehen.
Da ich ihr nicht gesagt habe, daß an dem Bau dieses Terrariums Familienmitglieder aus meiner vorherigen Beziehung ebenfalls mitgewirkt haben, ist sie vollkommen ausgeflippt. Jetzt stresst sie 'rum und macht Terror deswegen. Was soll ich tun? Ich würde die Tiere gern behalten, will aber auch meine Freundin nicht verlieren.
Vielen Dank schonmal für Ihre Mühen und Ihre Antwort.
Viele Grüsse, Em
ich habe vor ein paar Jahren ein Terrarium für meine Bartagamen gebaut und war damals in einer Beziehung. Diese ging jedoch zu Ende und ich habe eine neue Beziehung begonnen, seit 11 Monaten. Nun haben wir eine gemeinsame Wohnung und meine jetzige Partnerin wehrt sich vehement gegen die Tiere und auch das Terrarium, da es zu gross sei und aus früherer Zeit stammt. Die Tiere findet sie teils schön, teils eklig, und in meinen Augen findet sie immer andere Gründe, wieso sie weg sollen, da es in der Planung für die neue Wohnung ihrereseits noch o. k. war, daß die Tiere in diesem Terrarium zu uns in die gemeinsame Wohnung mit einziehen.
Da ich ihr nicht gesagt habe, daß an dem Bau dieses Terrariums Familienmitglieder aus meiner vorherigen Beziehung ebenfalls mitgewirkt haben, ist sie vollkommen ausgeflippt. Jetzt stresst sie 'rum und macht Terror deswegen. Was soll ich tun? Ich würde die Tiere gern behalten, will aber auch meine Freundin nicht verlieren.
Vielen Dank schonmal für Ihre Mühen und Ihre Antwort.
Viele Grüsse, Em
Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Lieber em,Sie beschreiben sehr ausführlich ein ganz typisches Problem, das in vielen jungen Beziehungen auftaucht: Irgendwann ist die Liebe und das Vertrauen groß genug, um den 'großen Schritt' in die gemeinsame Wohnung zu wagen, und dann fängt der Streit an! Wer darf wieviel 'bestimmen' und mitbringen, was wird vom anderen toleriert, was abgelehnt.
Gibt es dabei Streit - und das ist ausgesprochen häufig der Fall! - handelt es sich meistens um die verdrängten Aggressionen, die sich dort abzeichnen. Im Zuge der Verliebtheit und des 'Wollens' werden - ganz natürlich - die schattenhaften, ungeliebten Anteile der eigenen Person, aber auch der des Partners 'ausgeblendet'. Im 'Ernstfall' der gemeinsamen Wohnung projizieren diese sich dann am liebsten auf Gegenstände, 'auf keinen Fall!' ist dabei die häufigste Redewendung, wenn geliebte Stücke einziehen sollen.
In Ihrem letzten Absatz zeigen Sie die Bereitschaft zum Entgegenkommen: Sie wollen Ihre Tiere behalten, aber auch Ihre Freundin (bemerken Sie die Reihenfolge?). Das Zauberwort heißt 'Kompromiß'. Vielleicht sehen Sie die Möglichkeit, ein kleineres Terrarium mit weniger Tieren einzurichten und Ihre Freundin mitentscheiden zu lassen, welche Tiere sie am schönsten findet. Sie würden ihr damit die Möglichkeit geben, aktiv in den Gestaltungsprozeß einzugreifen und sich nicht 'überfahren' zu fühlen.
Eine andere Lösung, die ich Paaren oft vorschlage, ist die von getrennten Zimmern. Eine gemeinsame Wohnung einzurichten muß nicht zwangsläufig auf gemeinsam genutzte Räume hinauslaufen. In einer Zweizimmerwohnung ist es durchaus sinnvoll, daß jeder der Partner sein eigenes Zimmer hat, das er dann einrichten kann, wie er will. Bei drei Zimmern bekommt jeder sein eigenes Zimmer, das dritte wird zum gemeinsamen Wohnraum.
Zusammenzuziehen ist eine sehr große Herausforderung an die Beteiligten! Sich zu verabreden macht es leichter, störende Eigenheiten beim Partner zu übersehen ('ist ja nur fürs Wochenende'), im Zusammenleben offenbart sich einfach 'alles'! Auch wird jedem klar, daß er nun mehr intensive Nähe hat, aber auch weniger Freiraum, ganz zwangsläufig. Vielen macht dies Angst, auch wenn sie sich das Zusammenleben wünschen.
Daß Sie Ihrer Partnerin verheimlicht haben, daß emotionale Erinnerungen an das Terrarium vorhanden sind, zeigt bereits an, daß Sie selbst einen Grund gesehen haben, ihre offensichtlich vorhandene Eifersucht nicht zu reizen. Das ist ein wichtiges Gesprächsthema, dem Sie beide sich stellen sollten.
Bitte verabreden Sie sich mit Ihrer Freundin, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, mit denen Sie beide zufrieden sein können. Abstriche wird jede Seite machen müssen, doch sollten Sie eine Lösung finden, daß dies nicht in eine 'Bestrafung' des Partners mündet, sondern in eine Respektierung dessen Bedürfnisse. Sollten Sie zu zweit keine Lösung finden, ist eine Paartherapie oder Mediation empfehlenswert, bei der ein unabhängiger Therapeut oder Mediator einen konstruktiven Gesprächsprozeß unterstützt. Richtig miteinander reden fällt manchmal schwer, ist in solchen Fällen aber die einzig sinnvolle Lösung!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Holger Nikolai
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