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Kann sexueller Missbrauch in der Kindheit Ursache für eine Essstörung sein?

julia (w, 17) aus Deutschland: Hallo,

kann ein sexueller Missbrauch in der Kindheit Ursache für eine Essstörung sein?

Seit ein paar Jahren schwanke ich immer wieder zwischen Ess- und Magersucht. Ich habe den Missbrauch jahrelang verdrängt (der 'Täter' ist mein Bruder, mit dem ich mich mittlerweile wieder sehr gut verstehe und den ich nicht verlieren will).

Ich will auch nicht, dass jemand in meinem Umfeld etwas mitbekommt, aber in letzter Zeit kommen immer wieder Erinnerungen an früher hoch und und das einzige was mich zurzeit von diesen Schamgefühlen abbringt, ist Essen.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Julia,

ich danke dir für deine Anfrage. Ja, sexueller Missbrauch in der Kindheit kann eine Ursache für die Entwicklung einer Essstörung sein; es kommt sogar sehr häufig vor.

Die Essstörung dient als kompensatorische Problemlösung. Sie ermöglicht, die traumatischen bedingten Gefühle von Scham und Schuld zu kontrollieren und zu steuern. Dein Hass und deine Wut richten sich nicht gegen den Täter - was eigentlich die natürliche Reaktion wäre - sondern gegen dich selbst und deinen Körper.

Da dein Bruder der Täter ist und du dich mittlerweile wieder gut mit ihm verstehst, bleibst du quasi im nahen Umfeld der urspünglichen Bedrohung und der Auslöser bleibt bestehen. Auch wenn du es vom Kopf her verstehst und deinen Bruder nicht verlieren willst, so bleibt doch die traumatische Erinnerung und Verletzung in deinem Körper und deiner Seele gespeichert. Der innerseelische Konflikt kann sich nicht auflösen.

Wenn man jetzt nur die Essstörung behandeln würde, bliebe das Trauma weiterhin außen vor. Es wäre also wichtig, dass du eine Traumatherapie machst, um zu schauen, inwieweit sich dann auch dein Essverhalten schon verändert. Beides kombiniert wäre optimal.

Auch wenn ich verstehen kann, dass du nicht möchtest, dass jemand etwas mitbekommt - das Verheimlichen verstärkt deine Schamgefühle auf Dauer noch mehr und verhindert, das du Hilfe annehmen kannst. Es ist jedoch auch möglich, eine Therapie zu machen, ohne dass deine Eltern etwas über den Inhalt erfahren müssen.

Ich wünsche dir alles Gute & viel Kraft und Mut für deine nächsten Schritte -

viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie

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