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Mein Sohn verweigert sich mir und seinem Leben

Bine (w, 59) aus Wuppertal: Hallo Team,
Ähnlich wie die Geschichte der Mama aus 2018 mit ihrem 40-jährigem Sohn klingt auch die Meinige. Nur, meiner lebt in seiner eigenen Wohnung, raucht zwar kein Hasch trinkt sich aber ganz gerne einen und Internetspiele sind auch seins. Er ist mitte 30 und geht 5 Std/Tag bei einer sozialen Einrichtung arbeiten.
Er bringt es absolut nicht zustande seine Wohnung in Schuss zu halten. Alles vergammelt und verkommt und ich räume nicht bei ihm auf. Er will das nicht. Er hat psychische Probleme ist auch mal mehr mal weniger in Behandlung. Mir, als Mutter, fällt es unglaublich schwer damit klar zu kommen und zu akzeptieren.

Ich habe schon überlegt ihm Geld anzubieten, damit er seine Wohnung in Ordnung hält bin mir aber nicht sicher ob das zielführend ist?!

Wenn er mies drauf ist wirft er Gott und der Welt vor, dass keiner sich kümmert. Er kann aber, im momentanen Zustand seiner Wohnung, niemanden rein lassen. Oft streiten wir. Ich werfe ihm vor dass, wenn ich soooo leben würde, ich auch Depressionen hätte....Fenster zugehängt und überall dieser Dreck! Und der arme Vermieter tut mir auch leid.

Wie auch immer. Manchmal denke ich auch darüber nach den Kontakt abzubrechen...aber ginge es mir dann besser??? Oder ihm?

Was soll ich nur tun? Kann ich überhaubt etwas machen? Es zerbricht mir das Herz...

Vielen Dank!
MfG

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Bine,
zunächst vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Vertrauen.
Ich werde weder Diagnosen stellen, noch kann ich aus Ihren Angaben verbindliche Aussagen treffen. So weit und so gut es mir möglich ist, werde ich versuchen, Ihnen hoffentlich ein wenig weiterhelfen zu können.
Sie schildern, dass Ihr Sohn in Bezug auf seine Lebensführung wenig Struktur und Motivation aufweist. Das Rauchen, der wiederholte Alkoholkonsum sowie die Internetspiele stellen meiner Meinung nach eine Strategie dar, um seinem Inneren (Leere) zu entfliehen. Seine Verweigerung, Ihren Bitten nachzukommen, deutet auf ein passiv aggressives Verhalten hin. Also der Verweigerung bei Handlungsaufforderungen und einer negativen Grundeinstellung insbesondere Autoritätspersonen gegenüber. Seine Neigung, den Grund für sein Unwohlsein im Außen bzw. bei anderen Menschen zu suchen und vielleicht sogar mit Schuldzuweisungen zu untermauern, ist oft ein Zeichen dafür, dass sich Ihr Sohn seiner Verantwortung für die eigenen Gefühle entziehen will. Die Verantwortung für die eigene Gefühlswelt zu übernehmen ist jedoch nicht einfach und vielen Menschen bis ins hohe Alter nicht gelungen. Was aber nicht heißt, dass dies unmöglich wäre.
Ich entnehme Ihren Schilderungen jedoch einen sehr wichtigen und positiven Aspekt: Die Arbeit Ihres Sohnes. Diese ist im Moment die wichtigste Konstante, die ihm zumindest etwas Regelmäßigkeit und Routine in seinen Alltag bringt. Ihr Sohn sollte unbedingt diesen Weg weitergehen bzw. stets eine Möglichkeit haben, die ihm das Gefühl gibt, gebraucht und geschätzt zu werden.
So weit zu Ihrem Sohn. Und nun zu Ihnen: Dass Sie das emotional, mental absolut überfordert, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es kostet viel Kraft, Geduld und Liebe, sich selbst auch nicht zu verlieren, um noch der Mensch zu bleiben, der man ist.
Zur Wohnsituation: Das mit dem Geld empfinde ich als keine gute Option. Zumal damit vielleicht nur kurzfristig an der Oberfläche eine Wirkung erzielt wird. Und Ihr Sohn wird wohlmöglich noch – wenn vielleicht auch nicht bewusst-, das Gefühl bekommt, käuflich zu sein. Und das könnte wiederum eine Reaktion bewirken, die sich niemand wünscht. Und nach kurzer Zeit wäre alles wieder wie vorher.
Auch Ihr beharrliches Bitten wird bei ihm immer wieder auf taube Ohren stoßen. Egal was und wie Sie es sagen, die Reaktion wird immer ähnlich sein.
Sie könnten den Kontakt abbrechen, das könnten Sie. Und vielleicht würde es Ihnen damit auch vorerst gut gehen. Aber vermutlich würde da etwas in Ihnen keine Ruhe geben. Von daher denke ich, dass diese Option auch nur eine sehr kurzlebige sein wird.
Und was ist nun das Fazit des ganzen?
Meiner Meinung nach brauchen hier beide Unterstützung. Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie sich an beratende Einrichtungen wenden, die vielleicht sogar Gruppensitzungen /-treffen anbieten, in denen Menschen mit ähnlichen Situationen zusammentreffen? Dort könnten Sie sich austauschen, erfahren, wie andere damit umgehen, interessante Tipps erhalten und vor allem das Gefühl bekommen, nicht alleine damit zu sein.
Bei Ihrem Sohn würde ich eine Psychotherapie als Indikation sehen. Welche Form ist für mich an dieser Stelle jedoch nur schwer einzuschätzen. Sie schreiben, dass Ihr Sohn hin und wieder in Behandlung ist. Haben Sie das Gefühl, dass diese weiterhilft? Wenn nicht, könnten Sie ggf. über einen Therapiewechsel nachdenken?
Bei allem, was Sie tun oder nicht tun können, das wichtigste ist natürlich, dass Ihr Sohn sich dazu bereit erklärt, diese Veränderung in seinem Leben zuzulassen. Vielleicht können Sie ihn fragen, wie Sie ihm dabei helfen könnten, dass es ihm bessergeht.
Vielleicht könnten Sie ihm folgende Fragen stellen, die er für sich in Ruhe und alleine beantworten kann:
- Was könnte ihm helfen, um…
- Was müsste passieren, damit….
- Wo sieht er sich in 5 Jahren
- Was würde er gerne in seinem Leben ändern
- Ist er glücklich, so wie es gerade ist
Vielleicht fallen Ihnen auch noch weitere Fragen ein.
Ich denke, wichtig ist es vor allem, Ihrem Sohn das Gefühl zu geben, dass er so wie es ist, geliebt wird – bedingungslos.
Liebe Frau Bine, ich hoffe, in diesem langen Text steckte etwas weiterführende Hilfe für Sie drin. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn alles Gute. Ihnen beiden viel Kraft und Gesundheit.
Herzliche Grüße
Christa Özcan

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