Erwachsen sein bedeutet Verantwortung übernehmen
Freundlich (w, 77) aus Brandenburg: Wir haben ein großes Problem mit unserem 44-jährigen Sohn, der nicht arbeiten will und nicht heiratet. Vom Jobcenter wurde ihm immer wieder das Geld wegen fehlender Mitwirkung gestrichen. Wenn das Bürgergeld wegfiel, wurde auch kein Krankenkassenbeitrag gezahlt, weshalb er Schulden bei der Krankenkasse hat. Wir müssen immer wieder für seinen Lebensunterhalt und die Unterkunft bei uns bezahlen. Das geht seit Ende seines Studiums schon über 15 Jahre so. Wenn wir ihm sagen wollen, dass es so nicht weitergeht, hört er nicht zu, sondern schreit uns sofort an - mit der Begründung, dass es uns nichts angehe, was er macht oder nicht macht.
Haben Sie einen Rat für uns?
Liebe Grüße
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Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:
Einen wunderschönen guten Tag,sie sind wahrlich in einer sehr misslichen Lage. Es raubt ihnen viel Energie Lebensqualität und Geld. Und doch sind Sie eine sehr fürsorgliche Mutter. Sie sind immer für ihren Sohn da und helfen ihm, wo immer sie können. Ich freue mich darüber, dass es solche tollen Eltern gibt.
Doch jede Handlung gerade in Bezug auf unsere Kinder, hat Vor- und Nachteile. Ihre Fürsorge und Liebe, welche Sie ihrem Sohn geben, sorgt ebenfalls dafür, dass ihr Sohn neuronal in seinem Gehirn, keine Strategie ausbilden muss, um sich dem Leben und den darin bestehenden Problemen zu stellen. Das bedeutet, dass Ihre Hilfe für die Ausbildung von Fähigkeiten, selbständig das Leben zu meistern, mehr hinderlich als förderlich sind. Sie meinen es in Ihrem Herzen ungemein gut. Doch zum Erwachsenwerden gehört, das Festlegen eigener Lebenswerte und Lebensziele, das Verfolgen dieser und im Besonderen das Machen von Erfahrungen in angenehmen und unangenehmen Situationen. Wenn ihr Sohn diese Erfahrungen nicht machen kann und die neuronalen Verbindungen nicht angelegt werden, wird er diese Fähigkeiten weder lernen noch ausführen.
Ich kann ihnen im Umgang mit ihrem Sohn keinen Rat geben, da ich nicht ihr Leben lebe. Mein psychologischer Rat wäre, geben sie ihrem Sohn die Chance, allein sein Leben zu leben, indem sie jegliche Hilfestellungen abbrechen. Mir ist bewusst, dass sie nun den Kopf über den Händen zusammenschlagen würden und eventuell denken, das kann ich meinem Sohn doch nicht antun. Ich verstehe diese Argumentation. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem Sie ihm nicht mehr helfen können und dann wird er ins kalte Wasser geschmissen und muss schwimmen lernen, ganz allein mit allen Konsequenzen. Seine kognitiven Fähigkeiten sind vollendenst ausgebildet, um selbständig sein Leben zu leben, Strategien zu entwickeln und sein Verhalten zu bewerten und zu ändern. Sollte er dies nicht können, muss er sich aus eigenem Antrieb heraus, sich Hilfe holen. Ohne diese eigenen Lernerfahrungen verändert sich weder sein Gehirn noch sein Verhalten.
Viele herzliche Grüße Ihre Sandra Gensicke
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