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Was war wirklich real - mein plötzlich verstorbener Partner war scheinbar ein pathologischer Lügner

Cuddi (w, 26) aus unbekannt:

Mein Freund, mit dem ich seit viereinhalb Jahren in einer Beziehung war, hatte vor zwei Tagen einen tödlichen Autounfall. Um es kurz zu sagen, was eigentlich unmöglich ist, war er für keinen seiner Bekannten, Freunde und Familie der, der er vorgab zu sein. Das hat nicht greifbare Ausmaße, von denen dies sicherlich immer noch nicht alles ist, was unsere Freunde und ich erfahren konnten.

Wir sind an einem Punkt, an dem wir über ein krankhaftes Lügen sprachen, etwas, was ein psychisch gesunder Mensch nicht macht.
Ich frage mich, ob er wusste, wer er war und ob die Emotionen mir gegenüber real waren... Erzählungen passen einfach nicht zusammen, in nahezu allen Lebensbereichen. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich durchlebte in zwei Tagen unsagbare Trauer, Irritation, Bedauern und Wut. Was war wirklich real und was nicht?

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Hallo Cuddi,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Was Sie momentan erleben, ist seelisch enorm überwältigend und wirkt wie ein Schock. Nicht nur, dass Sie Ihren Partner ganz plötzlich durch einen Autounfall verloren haben, sondern auch, dass sich nun deutlich herausstellt, dass er anscheinend sein ganzes Leben, seine ganze Identität, auf Unwahrheiten aufgebaut hatte. Ich kann es gut verstehen, dass Sie zutiefst schockiert sind.

Wenn wir traumatische Erfahrung machen, besteht sofort der Wunsch, nach Erklärungen zu suchen. Erklärungen haben eine beruhigende Wirkung auf uns, sie sind sehr wichtig, um wieder ins Gleichgewicht zurückzufinden. Schwierig wird es, wenn man im Fall eines plötzlichen Todes mit Fragen zurückbleibt, auf die sich widersprüchliche Antworten finden lassen. Pathologisches Lügen ist für Nicht-Betroffene nur schwer nachvollziehbar. Meist liegt dem eine tief greifende narzisstische Störung zugrunde, es tritt also mehr begleitend als Symptom zu einer anderen Störung auf.

Was real war, war Ihre Beziehung, so wie Sie sie erlebt haben. All das, was Sie gefühlt und empfunden haben, war real. Wie es für ihn war, können Sie nur mutmaßen, anzweifeln und argwöhnen. Deshalb könnte es hilfreich sein, wenn Sie sich darauf fokusieren, was diese Beziehung für Sie bedeutet hat, was Sie an ihr wertschätzten und sich genügend Raum für die Trauer und Wut zu geben.

Ich könnte mir vorstellen, dass das im Moment noch schwierig ist, weil alles in Ihnen danach drängt, sein Gedanken- und Gefühlssystem verstehen zu wollen, damit eine gewisse Sinnhaftigkeit wieder hergestellt wird. Doch es gibt gerade eine Überlagerung von zwei traumatischen Ereignissen, die miteinander verknüpft sind und als überwältigend erlebt werden. Lassen Sie sich am besten therapeutisch durch diese schwere Zeit begleiten, es könnte sehr hilfreich für Sie sein - auch in Hinsicht auf Ihr Vertrauen in künftige Beziehungen zu Menschen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie
Bewertung durch den Fragensteller:





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