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Mobbing in der Schule nach Klassenwiederholung

Annika (w, 14) aus Karlsruhe: Sehr geehrtes Psychologen-Team,

ich habe Probleme damit, mit meiner Vergangenheit abzuschließen.
Ich hatte früher (drei Jahren) eine Klasse wiederholt, habe heute immer noch Angst dass die Leute (aus der alten Klasse) über mich reden.
Seit Jahren versuche ich denen aus den Weg zu gehen, aber ich denke nicht dass es das richtige ist.
Es beeinflusst auch mein Privatleben, da ich mich zurückziehe, um nicht den Leuten (aus der alten Klasse) zu begegnen.
Deswegen bin ich meistens nur Zuhause.
Aber meine Laune wird auch dadurch beeinflusst Beispielsweise: ich freue mich auf morgen, habe aber Angst/schlechte Laune, weil doch jemand aus der alten Klasse, einen fiesen Kommentar bringt oder mich auslacht.
Ich wurde nicht einmal darauf angesprochen, aber trotzdem habe ich die Angst.
Ich bin zurzeit auch ziemlich unmotiviert was das Thema Schule betrifft.

Vielen Dank fürs lesen!


Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Annika,

vielen Dank, dass Du deine Sorgen hier dem Psychomeda-Team geschildert hast.
Ich möchte Deine Situation kurz zusammenfassen und Dir versuchen, etwas Mut für die Zukunft zu machen.
Du schreibst, dass Du vor drei Jahren einmal die Klasse wiederholen musstest (wahrscheinlich waren die Leistungen nicht ausreichend, oder aber Du hattest vielleicht aus Krankheitsgründen zu viele Fehlzeiten und die Lehrer haben Dir und Deinen Eltern geraten, das Schuljahr zu wiederholen).
Beides ist in keinster Weise schlimm und diente eher dazu, dass Du Dich nicht die ganze Zeit überfordert fühlst, weil Du mit dem Lernstoff vielleicht zu dem Zeitpunkt nicht mehr zurecht gekommen bist.
Ich gehe davon aus, dass Du in Deiner neuen Klasse schon wieder Fuss gefasst hast und Dich dort auch wohl fühlst und akzeptiert wirst.
Dich hat es sicher sehr betroffen gemacht, aus Deinem alten Klassenverband herausgehen zu müssen. Erst einmal das Gefühl, vielleicht versagt zu haben und dann auch noch den Verlust Deiner Klassengemeinschaft.
Es ist jetzt aber Zeit, nach vorne zu blicken, liebe Annika. Du solltest dazu stehen, dass Du diesen Weg gegangen bist und jetzt in einem neuen Klassenverband aufgehoben bist. Menschen, die Dich aufgrund Deiner Schulsituation auslachen oder schlecht behandeln, hast Du nicht nötig und es zeigt sich doch auch, dass diese Menschen Deine Aufmerksamkeit nicht verdienen. Wenn es sich um (...ehemals) gute Freunde aus Deiner alten Klasse handelt, solltest Du mit jedem einzelnen einen Gesprächstermin vereinbaren und Ihnen dann unter vier Augen Deine Situation schildern und dass Freundschaft und Sympathie unabhängig von Leistungen und Lebenssituationen auf den Menschen und sein Wesen gerichtet sein sollten.
Vielleicht waren es auch nur die Anfangszeiten Deiner “Klassenumstellung”, in denen die ehemaligen Mitschüler sehr unsensibel ihre “Späße” und Kommentare geäußert haben.
Sie waren vielleicht auch nur froh, dass sie nicht selbst in so eine Situation gekommen sind… . Also haben sie ähnliche Ängste wie Du und können aber aus ihrer sicheren Position heraus über andere (nämlich Dich) herziehen. Das ist verletzend, aber in Eurem Alter leider oftmals “normal”.
Vielleicht ist jetzt nur noch Deine Angst über eventuelles “Gerede” geblieben und Deine ehemaligen Klassenkameraden haben schon wieder ganz andere “Interessen” und Ziele.
Du solltest jetzt also positiv in die Zukunft schauen, Dich um deine neuen Kontakte in Deiner “neuen” Klasse kümmern und bei tatsächlichen verbalen “Angriffen” gegen Dich einfach das Gespräch suchen und diesen Leuten Deine Situation erklären. Die meisten werden dann Deinen offenen Umgang mit der Situation bewundern und Dich verstehen. Leider wird es trotzdem Menschen in Deinem Umfeld geben, die es nicht lassen können. Die hast Du nicht nötig und von denen solltest Du Dich auch fernhalten, weil sie Dich mit ihrer schlechten Energie “runterziehen”.
Wichtig sollte für Dich auch sein, Deine Motivation für die Schule wieder hochzufahren, damit nicht wieder die Situation der Klassenwiederholung entsteht . Suche Dir nette und Dir freundlich gesonnene Mitschüler/Freunde, damit Du auch im Schulbetrieb ein für Dich sicheres Wohlfühlklima haben kannst. Im angstfreien Umfeld lernt es sich wesentlich entspannter! Auch Dein Privatleben sollte wieder angstfrei und entspannt für Dich sein; treffe Dich mit Deinen Mitschülern und umgebe Dich mit Deinen neuen Kontakten…. Vielleicht kannst Du Dir ja auch einen Vereinssport suchen, bei dem Du Dich auch in Deiner Freizeit gut aufgehoben fühlst und neue Menschen kennenlernst.
Wichtig wäre auch, Deine Eltern bei Deinen Problemen mit einzubeziehen, damit Du bei Deinen weiteren Entscheidungen nicht alleine stehst. Auch besteht ja die Möglichkeit, sich an einem Vertrauenslehrer in Deiner Schule zu wenden… .
Ich hoffe, daß ich Dir ein paar erste Gedanken und Vorschläge zur weiteren Umgehensweise mit der Situation geben konnte. Für Rückfragen stehe ich Dir auch weiterhin gerne kostenfrei unter e- mail: merkle.mediator@googlemail.com zur Verfügung. Im Gegenzug würde ich mich über eine Bewertung und kurze Kommentierung dieser kostenlosen Antwort sehr freuen.

Für heute verbleibe ich mit allen guten Wünschen
und lieben Grüßen als Dein Psychomeda-Berater

Oliver Merkle





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