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Wenn ich mich persönlich angegriffen fühle, reagiere ich emotional unkontrolliert

Rike (w, 29) aus Hamburg: Moin liebes Psychomeda-Team,

ich habe geraden den Test für Hochsensibilität gemacht und bin einerseits erleichtert, weil ich mir nun vieles erklären kann, andererseits fühle ich mich aber auch noch wehrloser meinen Emotionen und Situationen ausgeliefert.

Zum konkreten Problem: In Situationen, in denen ich mich persönlich angegriffen fühle, Konflikte anstehen oder ich für mich selbst eintreten muss, reagiere ich in meiner Wahrnehmung unkontrolliert emotional.

Ich habe sofort einen Kloß im Hals, Tränen in den Augen, meine Stimme zittert und ich kann nicht mehr klar denken. Trotz aller Konzentration und Selbstbeherrschung gelingt es mir dann nur selten, meine Tränen zurück zu halten. Diese (gefühlt) instinktive Reaktion meines Körpers ist gerade im beruflichen Kontext äußert lästig.

Rational weiß ich, dass die richtige Reaktion wäre, tief einzuatmen einen Schritt zurück zu treten und mental Abstand zu nehmen - ich habe nur keinen Zugang zu dieser Ebene, wenn ich in der Situation bin.

Meine Frage an euch: gibt es bestimmte Atemtechniken und mentale Strategien, die ich erlernen kann oder muss ich mich einfach damit abfinden oder gibt es gar Medikamente, die hier helfen können?

Beste Grüße aus Hamburg

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Rike,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Ihr Körper und Ihre Seele reagieren instinktiv auf potentielle Bedrohung von außen. Sie fühlen sich angegriffen und reagieren dementsprechend und können sich dann nicht mehr mental beruhigen.

Was passiert, ist, dass ein stammesgeschichtlich älterer Gehirnteil - auch Reptiliengehirn genannt - komplett die Regie übernimmt und Sie dies nicht willentlich steuern können. Die biologische Funktion ist, das Überleben zu sichern, d.h. zu kämpfen, zu flüchten oder zu erstarren.

Wenn sich also für Sie eine solche Situation beruflich ergibt, bleibt Ihnen nur eine dieser drei Reaktionen. Weil Sie die Kampf- oder Fluchtreaktion willentlich unterdrücken müssen, bleibt nur noch die Erstarrungreaktion mit den Symptomen, wie Sie sie erleben. Denken ist dann nicht mehr möglich, denn Ihr Körper befindet sich im Überlebensmodus. Insofern würde eine Atemtechnik hier wenig ausrichten und die Unterdrückung per Medikament könnte sich sogar als schädlich erweisen.

Was auch immer Sie in Ihren Leben erfahren haben, es führte dazu, dass Sie sich schnell von außen angegriffen fühlen. Das bedeutet, die Außenwelt ist nicht wirklich sicher, Sie müssen ständig auf allen Info-Kanälen scannen, ob alles in Ordnung ist. Diese Hypervigilanz bildet dann oft den Hintergrund einer als hochsensibel empfundenen Symptomatik.

Therapeutisch würde es darum gehen, dass Sie aus dem daueraktivierten Überlebensmodus wieder herausfinden und Ihr Nervensystem wieder anfängt, sich selbst zu regulieren. Somatic Experiencing (SE) ist eine Methode, die Sie darin sehr effektiv unterstützen kann. Schauen Sie, ob das etwas für Sie sein könnte.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Über ein kurzes Feedback würde ich mich freuen.

Viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f.Psychotherapie









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