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Mein Mann und mein Kind fühlen sich am neuen Wohnort recht wohl, aber ich möchte zurück!

Marlies (w, 42) aus Hamburg:

Liebes Redaktionsteam,
mich quälen seit einigen Monaten große Sorgen und ich spüre eine enorme innere Zerrissenheit! Bereits mit Mitte 20 bin ich für meinen ersten Mann aus Bayern nach NRW umgezogen, was gar nicht leicht für mich war.

Vor kurzem habe ich nun zum zweiten Male geheiratet und bin gemeinsam mit meinem Kind zu meinem Mann nach Hamburg gezogen, weil mein Mann keine atequate Arbeitsstelle in NRW gefunden hat, ich dagegen in Norddeutschland schon. Mein Zuhause in NRW habe ich jedoch nicht aufgegeben.

Durch den Jobwechsel habe ich finanzielle Einbußen, die zwar durch das Gehalt meines Mannes ausgeglichen werden, womit ich allerding überhaupt nicht klar komme. In der neuen Stelle habe ich mir rasch eine sehr gute Position erarbeitet, doch richig glücklich macht mich das auch nicht. Daher habe ich mich wieder in NRW beworben und ich habe nun die Gelegenheit dorthin zurück zu gehen.

Mein Kind hat sich jedoch in Hamburg sehr gut eingelebt, fühlt sich in der Schule recht wohl und möchte nicht mehr zurück, was das ganz für mich noch schwieriger macht und so diskutiere ich mit meinem Mann schon seit Monaten über die Frage des Wohnortes, nach dem Motto: Gehen oder bleiben?

Es macht ihn sehr traurig, dass ich hier nicht glücklich werden kann. Er sagt, ich müsse mich einfach nur fallen lassen, aber das fällt mir extrem schwer, da ich mich hier überhaupt nicht richtig wohl fühle und ich auch mein geliebtes Zuhause in NRW aufgeben müßte, was im Grunde das Schlimmste für mich wäre!

Jetzt muss ich also die Entscheidung treffen, ob ich meinen Mann und das Kind zunächst zurücklassen und erst einmal allein zurück gehen soll? Mein Mann müßte dann in NRW erst mal wieder auf Jobsuche gehen, was aber sehr schwierig bis unmöglich wäre. Was könnten Sie mir raten? Ganz herzlichen Dank für Ihre Mühe! Marlies

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:


Vielen Dank, liebe Frau Marlies,
daß Sie uns hier so vertrauensvoll Ihr Herz ausschütten! Gerne will ich versuchen, Ihnen bei der Sie momentan so sehr belastenden Entscheidungsfindung behilflich zu sein!

Nachdem Sie wegen Ihres ersten Mannes schon einmal Ihre geliebte Heimat aufgegeben haben, so fällt es Ihnen verständlicher Weise doppelt schwer, einen so schmerzlichen Verlust erneut verkraften zu sollen und das wohl auch deshalb, weil Ihnen die zweite Heimat so sehr ans Herz gewachsen ist und Sie sich deshalb mit der dritten Heimat noch nicht so recht anfreunden konnten.

Dies kann ich Ihnen alles sehr gut nachfühlen, weil ich in meine Leben ähnliches durchgemacht habe und mich mittlerweile schon in meiner vierten Heimat befinde und in diesem Zusammenhang auch oft an das alte ostpreußische Sprichwort „Die alte Heimat ist wie eine Mutter, die neue aber nur wie ein Stiefmutter!“ - denken mußte!

Aber wie so oft im Leben, so kommt man auch in diesen Dingen nicht um ein klare Entscheidung herum, weil ein Zögern nur allzu schnell dazu führen kann, daß einem das Heft des Handelns aus der Hand genommen wird und das Leben dann unversehens so entscheidet, wie man es sich am wenigsten gewünscht hätte!

Darüber hinaus sollte man auch an das häufig zu beobachtende seelische Naturgesetz denken, daß - wer zu viel will, dann leider meist oft gar nichts bekommt!

Bei Ihrem speziellen Fall scheint mir eigentlich alles dafür zu sprechen, daß Sie sich zusammen mit Mann und Kind in Hamburg ein neues glückliches Zuhause aufbauen sollten, weil ganz offensichtlich sehr viel mehr für diesen Standort spricht als dagegen.

Ihre so sympathische Liebe zu Ihrer – in Ihrem Herzen tief verwurzelten - Heimat in Nordrheinwestfalen kann für Sie natürlich ein alles überwiegendes Argument sein, aber wenn Sie weiterhin versuchten dies gegen die Wünsche Ihrer Familie durchzusetzen, so könnte dies sehr schnell nach hinten los gehen, weil an so einer Entscheidung schon viele - an sich gute und glückliche - Beziehungen, Ehen und Familien unwiederbringlich kaputt gegangen sind.

Im Einzelnen spricht ein ganze Reihe sehr starker Argumente für das Bleiben in Hamburg:

1. Ihr Mann hat dort eine gute Arbeitsstelle gefunden und es scheint das wohl auch sein Heimat, oder zumindest in deren Nähe zu sein, aber jedenfalls fühlt er sich dort sehr wohl!
2. Ihr Kind hat sich in der Schule gut eingelebt und fühlt sich in dort gut aufgehoben, was gerade bei Kinder überhaupt nicht leicht und schon gar nicht selbstverständlich ist!
3. Sie selbst haben dort auch eine passende Stelle gefunden und sich sogar schon eine gute Position erarbeitet!

Sie schreiben, daß Sie jetzt in Hamburg etwas weniger verdienen würden, was zwar durch das Gehalt Ihres Mann leicht ausgeglichen werden könne, womit Sie aber überhaupt nicht klar kämen!

Dies empfinde ich als eine falsche, ja gefährliche Denkweise und scheint mir ein hausgemachtes Luxusproblem zu sein, zumal viele Familien ganz oder überwiegend vom Gehalt des Mannes leben, worauf die Beteiligten meist zurecht stolz sind, zumal diese gute Position des Familienvaters meist nur deshalb möglich ist, weil sein Frau bzw. seine Familie voll zu ihm und hinter ihm steht!

Gegen Hamburg spricht im Grund also hauptsächlich „nur“ Ihr Heimweh und Ihre große Liebe zu dem Ort und den Menschen Ihrer dortigen näheren Umgebung, was ein durchaus gewichtiges Argument ist, aber diesem nachzugeben hieße - nach meiner Erfahrung mit vielen ähnlichen Fällen - den Zusammenhalt und das Glück Ihrer Familie aufs Spiel zu setzten!

Was wäre denn, wenn Sie jetzt wieder nach NRW zögen, dort auch eine gute Stelle hätten, aber Ihr Mann und Ihr Kind, dann doch lieber in Hamburg blieben? Oder noch schlimmer, sie zögen unwillig mit und wären dann dauerhaft unzufrieden, unglücklich, während Sie sich dann vorwerfen müßten, sich nicht wirklich mit Haut und Haaren auf die neue Umgebung eingelassen und alles versucht zu haben, Ihr Heimweh zu überwinden!?

Und darin sehe ich auch den Knackpunkt Ihrer Problematik, daß Sie bis jetzt immer noch Ihr Herz in NRW gelassen haben und bisher nicht wirklich ernsthaft, mit aller Kraft und Konsequenz versucht haben, sich auf die neue Umgebung einzulassen! Damit meine ich z.B. auch das Knüpfen neuer Bekannt- und Freundschaften und vor allem auch die Mitfreude und Dankbarkeit für das neue Heimatglück Ihres Mannes, Ihres Kind und für Ihrer gute, neue Arbeitsstelle usw.!

Bevor Sie Ihre Eingliederungsbemühungen nicht mit aller Konsequenz und Hingabe über längere Zeit wirklich ernsthaft versucht haben, wäre nicht zu vertreten, ernsthaft mit dem Gedanke des Rückzuges nach NRW zu spielen!

Aber für meine Begriffe haben Sie sich bis jetzt immer ein Hintertürchen, oder besser gesagt eine große Hintertor weit offen gelassen und sogar schon erste, konkrete Schritte zur inneren und äußeren Kündigung eingeleitet und damit – zumindest von außen gesehen – allzu leichtfertig Ihre Familienglück aufs Spiel gesetzt!

Verstehen Sie mich recht, ich achte Ihren Heimwehschmerz, denn Heimweh kann so schlimm werden, daß es alles andere in den Schatten stellt! Aber bevor man des Heimwehes zuliebe den Zusammenhalt einer Familie aufs Spiel setzt, sollte man erst einmal einen wirklich ernsthaften Versucht machen, dieses Heimweh zu überwinden. Und wenn Sie schreiben, daß Sie Ihre alte Heimat nie aufgegeben hätten, so kann genau das der eigentliche Grund sein, daß Sie in der neuen Heimat noch nie wirklich angekommen sind, ganz im Gegensatz zum Rest Ihrer Familie!

Liebe Marlies, ich hoffe, Ihnen mit meinen Worten eine neue Sichtweise vermittelt und einen neuen Weg aufgezeigt zu haben, wie es Ihnen gelingen könnte, Ihr sehr berechtigtes Heimweh zu überwinden, um das Glück Ihrer Familie zu erhalten und zu mehren!

Dazu wünsche ich Ihnen nun von ganzem Herzen viel Kraft und Zuversicht, damit Sie bald wieder das große Glück einer gemeinsamen Lebensperspektive erfahren und Hand-in-Hand mit Ihren Liebsten das Abenteuer des gemeinsamen Lebens meistern können!

Für Rückfragen stehe ich Ihnen auch weiterhin gerne zur Verfügung, bitte Sie aber im Gegenzug um eine möglichst umgehende Bewertung und kurze Kommentierung dieser meiner kostenlosen Antwort! Für heute verbleibe ich mit allen Guten Wünschen und lieben Grüßen, als Ihr Psychomeda-Berater
Bewertung durch den Fragensteller:
Vielen Dank für die ausführliche Antwort, ich habe mich sehr verstanden gefühlt!





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