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Ich weiß überhaupt nicht, was ich eigentlich will und was aus mir werden soll!?

Alica (w, 21) aus Oldenburg:

Liebes Team,
ich bin überhaupt nicht selbstbewusst und weiß eigentlich gar nicht, was ich will! Ich will es in erster Linie immer allen Recht machen und nach außen hin so erscheinen, als ob mir alles Spaß mache und gefalle und ich überhaupt keine Sorgen hätte.

Ich mache derzeit ein Praktikum, was mir nicht sonderlich gefällt, aber das will ich mir irgendwie nicht eingestehen, weil ich dann vernünftig darüber nachdenken und mich fragen müßte, was genau mir nicht gefällt und es dann auch höchst schwierig fände, dies genau zu beantworten, besonders weil ich ja eigentlich überhaupt nichts habe, worüber ich mich beschweren könnte.

Dazu kommt noch, dass ich einfach nicht weiß, was mir Spaß machen würde. Es gibt so viele Menschen, die sich da total sicher sind und die eine Leidenschaft haben, der sie immer nachgehen, aber bei mir gibt es das einfach nicht.

Ich mag viele Sachen ganz gerne, bin dann aber auch wieder froh, bald etwas anderes machen zu können. Ich studiere Kommunikation und dachte immer, ich wolle Journalist werden und jetzt bin ich in einem Praktikum, bei dem ich ganz viel schreiben muss, aber feststelle, dass ich das eigentlich gar nicht besonders mag!

Mit meinen Eltern kann ich zwar darüber reden, aber Freunde, bei denen ich mich so öffnen und zeigen kann, dass mir etwas mal nicht gefällt, habe ich leider nicht. Meine Eltern wollen mir auch nur helfen, aber mein Papa will verständliche Weise wissen, was ich später beruflich machen will!

Er meint, dass ich nächstes Jahr fertig sei und ich dann ja mal eine Entscheidung treffen müsse. Das stimmt zwar, aber das hilft mir nicht weiter und die Frage bleibt: Was soll tun, was könnte ich werden, was wäre mein Ding und vor allem, wie finde ich das heraus? Danke für Ihre Einschätzung meiner so unbefriedigenden Gefühls- und Lebenslage! Alica


Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:


Vielen Dank, liebe Alice,
für Ihre Vertrauen in Psychomeda und vor allem für die Gewährung eines so aufrichtigen und freimütigen Blickes, in Ihre momentan so bedrückende Seelenlage!

Möglicherweise sind Sie ein Einzelkind, welches immer sehr liebevolle und fürsorglich von seinen Eltern erzogen und betreut wurde, so daß es zu einer gewissen Überangepaßtheit gekommen ist, wodurch Sie - aus Mangel an innerem und äußerem Widerstand - keine Gelegenheit hatten, Ihren eigenen „Dickkopf“ zu entwickeln und es somit versäumten, sich rechtzeitig – mit Wut, Tränen und Kampfeslust - von Ihren Eltern abzunabeln!

Dies wäre wichtig und notwendig gewesen, um Ihre eigenen, markante Persönlichkeit zu entwickeln, die sich deutlich von dem Lebensgefühl Ihrer Eltern abgrenzt und dadurch zu Ihrem ureigensten Wesen und Charakter geworden wäre!

Wenn man gegen etwas kämpft, muß man wissen was man will und was man nicht will! Dabei entwickelt man erst so richtig seine eigenen Vorstellungen und vor allem die Kraft manches anders zu sehen und zu machen, als es einem bisher vorgegeben wurde!

Damit meine ich natürlich nicht, daß man die Erziehungsleistung der Eltern gering schätzen, oder sogar grundsätzlich alles ablehnen sollte, sondern nur daß die noch ungerichteten Unlustgefühle der Pupertät der Antrieb sein können, um neues und eigenes zu entwickeln, auszuprobieren und in die eigene Persönlichkeit aufzunehmen.

Doch Sie - liebe Alice - sind noch jung und haben jetzt noch genügend Zeit und Möglichkeiten sich abzunabeln, um herauszufinden, wer und wie Sie sind und was Sie wirklich wollen und welchen Herausforderungen Sie sich mit Freude und Abenteuerlust stellen möchten!

Der erst Schritt dazu wäre zu erkennen, daß es in Ihrer momentanen Ausbildungslage nicht unbedingt darauf ankommt, was Ihnen besonderen Spaß macht und erfüllt, denn das ist gar nicht unbedingt der Sinn einer Ausbildung, sondern es geht vielmehr erst einmal hauptsächlich darum, die so wichtige Selbstüberwindung, Selbstbemeisterung und das nötige Handwerkszeug zu erlernen, um überhaupt etwas sinnvolles tun zu können, um sich auch endlich selbst erhalten zu können und dadurch unabhängig von den heute so prall gefüllten Brüsten der elterlichen Fürsorge zu werden. - Immer vorausgesetzt, die eingeschlagene Ausbildung ist nicht völlig das Gegenteil davon, was man überhaupt schaffen kann und will!

Parallel dazu wäre es höchste Zeit, daß Sie Ihre ängstliche Überangepaßtheit aufgeben und bei jeder Gelegenheit mutig und selbstbewußt deutlich machen, was Sie wirklich denken und fühlen, ohne aber gleich ins Gegenteil zu verfallen und dabei Ihre Mitmenschen unnötig vor den Kopf zu stoßen und zu verletzten!

Sie könnten das nach der bewährten Pfadfindermethode 'Jeden Tag eine böse Tat!' üben, in dem Sie sich vornehmen, täglich gegen Ihre falsche Programmierung der Selbstverleugnung zu handeln, auch wenn es sich erst einmal ungemütlich anfühlt, doch nach einiger Zeit werden Sie sich damit sehr viel besser, wohler und glücklicher fühlen!

Hören Sie also auf, sich und Ihr wahres Sein zu verleugnen und immer darauf zu schielen, was Ihre Mitmenschen hören wollen, oder nicht, denn nur so können Sie sich auf den Weg machen, Ihre ganz eigene Persönlichkeit zu finden und zu entwickeln!

Mann nennt dies das 'zu sich selber finden,' indem man Echtheit, Stimmigkeit und Authentizität entwickelt, was im Leben immer und überall eine ganz, ganz große Rolle spielt, insbesondere im beruflichen Umfeld, sowie bei der Partnerwahl und Familiengründung!

Jeder Mensch hat ein feines, instinktives Gespür für das Echte und Stimmige und windet sich mit grausen vor allem aufgesetzten und falschem 'So-tun-als-ob,' was in der bekannten Volksweiseit zum Ausdruck kommt: „Man merkt die Absicht und ist verstimmt!“

Langer Rede kurzer Sinn: Hören Sie endlich auf es allen recht machen zu wollen - denn dies ist 'Eine Kunst die niemand kann!' - sondern beginnen Sie jetzt erst einmal, Ihren wahren Charakter zu finden, zu zeigen und diesen in Liebe anzunehmen, auch wenn dies momentan heißt, sich einfach mutig dazu zu bekennen, daß Sie nichts so recht begeistert und sie noch überhaupt nicht wissen, wer Sie eigentlich sind, was Sie wollen und wie es beruflich mit Ihnen weiter gehen könnte!

Aber verfallen Sie dabei bitte nicht in das heute leider so häufig anzutreffende Ausprobierertum und die zerstörerische Ausbildungs- und Jobhopping-Manie, sondern bleiben Sie einfach dem einmal eingeschlagenen Wege treu, wenn Sie ihn - bei der nötigen Konzentration Ihrer Kräfte - zumindest einigermaßen zu bewältigen können glauben!

Es kommt im Leben, im Beruf und bei der Entwicklung der eigenen Kräfte und Möglichkeiten meist gar nicht so sehr darauf an, was man gelernt und welche Ausbildung man durchlaufen hat, sondern in erste Linie, daß man im Rahmen der Selbstbemeisterung - durch Beständigkeit, Gradlinigkeit, Aufrichtigkeit, Liebenswürdigkeit und der Entwicklung zur eigenen Person passenden Werte - gezeigt hat, etwas erfolgreich zu Ende bringen zu können!

Das wäre dann die Grundlage von der aus sich einem jungen Menschen viele Wege eröffnen, vorausgesetzt es ist einem im Laufe der Ausbildung gelungen, die ureigensten Anlagen im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zu erkennen und zu entwickeln!

Liebe Alica, ich hoffe, daß ich Ihnen mit meinen Worte eine neue Richtung weisen und wieder neuen Mut machen konnte!

Vor allem aber wünsche ich Ihnen nun von ganzem Herzen viel Kraft und Zuversicht auf dem Wege zur inneren und äußeren Befreiung, damit Sie - nach einigen wichtigen Entwicklungsschritten – endlich sich selber finden können, um Ihr junges Leben als spannendes Abenteuer erleben und die damit zusammenhängenden Herausforderungen unbeschwert und freudig genießen zu können!

Mit der Bitte um eine baldige Bewertung dieser kostenlosen Antwort
Grüße ich Sie für heute recht herzlich als Ihr

Psychomeda-Berater Rainer J. G. Schmidt
Dipl. Sozialpädagoge mit Psychotherapie
Rainerjg@T-Online.de – www.Rainer-JGS.de

P.S.: Wenn Sie noch Fragen haben oder eine Beratung wünschen, so können Sie sich gerne schriftlich oder telefonisch unter 09961/7255 direkt an mich wenden. Vergessen Sie aber bitte nicht, diese Antwort zu bewerten und kurz zu kommentieren, denn ich wüßte doch gerne, ob ich Ihnen mit meiner Antwort etwas weiter helfen konnte. Herzlichen Dank und alles Gute!

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