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Der Großvater meines Mannes verwahrlost nach dem Tod seiner Frau immer mehr

SadSoul (w, 31) aus Wiernsheim: Der Opa meines Mannes lässt sich seit dem Tod seiner Frau (2 Jahre) immer mehr gehen, hat angefangen zu trinken. Nun waren wir heute dort und waren geschockt, er lag auf dem Sofa, die ganze Wohnung war verwahrlost, Lebensmittel verschimmelt, die Toilette voll von Stuhlgang und Erbrochenes, er total dehydriert und abgemagert.

Er nimmt keine Hilfe an, verweigert einen Arzt, wenn es so weitergeht, wird er so bald sterben.
Was können wir machen? Ist es möglich, ihn einzuweisen und eine Betreuung einrichten zu lassen, damit er ins Pflegeheim kommt?

Sein Sohn traut sich nicht, irgendwas zu unternehmen, aus Angst, dass sein Vater nicht mehr mit ihm redet.
Wir haben so Angst und sind verzweifelt.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe SadSoul,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Nach Ihrer Schilderung liegt eine akute Eigengefährdung des Großvaters Ihres Mannes vor und er ist nicht mehr in der Lage, seine Lebensangelegenheiten selbst zu regeln. Damit wäre eine sofortige Zwangseinweisung in eine Pflegeheim möglich, müsste aber vom rechtlichen Betreuer ausgehen.

Es müsste zunächst ein rechtlichen Betreuer einbestellt werden, das kann auch ein Angehöriger übernehmen. Wenden Sie sich an das zuständige Betreuungsgericht, um sich genauer beraten zu lassen, einen Antrag zu stellen. Sprechen Sie umgehend mit dem Hausarzt Ihres Vaters über seinen seelisch-körperlichen Zustand und beraten sie dann mit ihm, wie sie weiter vorgehen.

Das wäre die rechtliche Vorgehensweisen und es kann sein, dass dies alles zeitlich sehr schnell geht.

Ihr Großvater möchte vermutlich nicht mehr leben und kann den Tod seiner Frau nicht überwinden. Sein Verfall ist also vielleicht indirekt beabsichtigt, deshalb möchte er keine ärztliche oder pflegerische Hilfe in Anspruch nehmen.

Vielleicht ist es möglich, behutsam mit ihm darüber ins Gespräch zu kommen: über seine Trauer, über seine Einsamkeit und eventuell auch über dem bestehenden Wunsch, sei es unbewusst oder bewusst, seiner Frau in den Tod folgen zu wollen. Bringen Sie ihm Verständnis entgegen und geben Sie ihm das Gefühl, dass seine Trauer in Ordnung ist. Wenn er sich von seinen Angehörige verstanden fühlt - und ich meine, wirklich angenommen und akzeptiert - kann es sein, dass er die Betreuung und das Pflegeheim nicht mehr so extrem ablehnen muss.

Es geht also darum, die Akzeptanz seines verminderten Lebenswunsches mit der gleichzeitigen Delegation seiner Betreuung zu verbinden. Das ist keine leichte Aufgabe, im Gegenteil. Doch manchmal reicht es schon aus, die eigene innere Einstellung zu verändern, damit im Außen auch eine Veränderung geschehen kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Über ein kurzes Feedback würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie





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