Navigation Psychomeda.de
Das Psychologie-Portal

30.11.20 Meine 16-jährige Tochter will sich mit einem 45-jährigen Mann aus den USA treffen!

guiman (m, 45) aus Richtenberg:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Meine 16-jährige Tochter hat über ein Onlinespiel einen Mann kennen gelernt, der bereits 46 Jahre alt ist und in den USA lebt.

Sie unterhalten sich täglich mehrere Stunden per Videochat und wollen sich nun in den Ferien, in unserem Wohnort treffen. Meine Tochter will das unbedingt! Sollte ich zustimmen, ist diese Beziehung denn überhaupt gut für meine Tochter und wie ist die rechtliche Lage? Für eine fachkundige Einschätzung wäre ich Ihnen sehr dankbar! G.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:


Vielen Dank, liebe Frau G.,
daß Sie uns hier Ihr, sehr zurecht besorgtes, mütterliches Herz ausschütten, denn Ihnen sind die vielfältigen Gefahren, die gerade für Jugendliche dieses Alters vom Internet ausgehen, sicherlich gut bewußt und es spricht sehr für Ihre verantwortungsvolle Einstellung, hier bei uns um Rat und Hilfe - insbesondere auch bezüglich der rechtlichen - Einordnung nachzufragen!

Bis zum 18. Lebensjahr haben die Eltern bekanntlich die volle finanzielle, mediale und soziale Verantwortung, insbesondere auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Ihre Kinder!

Sie schreiben, daß Ihre Tochter täglich mehrere Stunden per Videochat mit diesem Manne telefoniere, was deutlich zeigt, daß das Mädchen viel zu viel Zeit vor dem PC, oder am Smartphon verbringt und damit eindeutig gegen ihre schulischen, familiären und gesundheitlichen Pflichten verstößt!

Hier sollten Sie zu aller erst den Hebel ansetzen und die PC- und Handy-Zeit auf höchsten 1 – 2 Stunden täglich begrenzen. Viele Eltern wissen auch nicht, daß Ihre Kinder vor dem 18. Lebensjahr keinerlei rechtsverbindliche Kaufverträge über nennenswerte Summen abschließen können und sowohl den PC, als auch das Funktelefon immer nur leihweise von den Eltern zur Verfügung gestellt bekommen.

Es liegt also an Ihnen, die Benutzung dieser – keineswegs ungefährlichen Medien-Geräte – zu begrenzen und notfalls für eine gewisse Zeit auch ganz zu unterbinden!

Im Gegenzug wäre es ganz wichtig, dafür zu sorgen, daß Ihre Tochter auch außerhalb der Schule ausreichend viele und gute soziale Kontakte hat, insbesondere auch in Verbindung mit genügend Bewegung, möglichst an der frischen Luft!

Dies wäre am besten im Rahmen der Jugendabteilung des örtlichen Sportvereines, eines Tanzkreises, einer Klettergruppen - oder was es sonst an vielfältigen Angeboten für Jugendliche dieses Alters gibt - möglich und sollte entsprechend gefördert werden!

Liebe Frau G., Sie wissen sicherlich auch ganz gut, daß die Jugendlichen heute leider zunehmen durch fragwürdige Zeitschriften, aber vor allem durch die Smartphones mit Internetzugang und durch den Kontakt mit teilweise verwahrlosten Gleichaltrigen, auch Umkreis der Schulen, mit allen Arten und Abarten der zunehmenden Früh-Sexualität, Pornographie, Gewallt und Drogen konfrontiert und nicht selten auch verführt werden, wobei viele Eltern und Lehrer diesen Gefahren nur allzu oft ziemlich rat- und hilflos gegenüber stehen!

Es ist deshalb auch kein Wunder, daß nicht selten schon 12-13-Jährigen die Pille verschrieben wird, ohne daß die Eltern davon erfahren, 14-Jährige oft die Zahl Ihrer Sexualpartner nicht mehr zählen können und Deutschland leider den traurigen Weltrekord in der Anzahl der Schul-Amokläufe hält!

Schon Kinder berichten stolz, daß sie schon alles genau wüßten, weil sie zu Hause Bezahlfernsehen hätten und deshalb alle Arten von Pornofilmen frei Haus geliefert bekämen! In vielen Kinderzimmern stehen heute Fernseher und PCs die kaum, oder leider meistens auch gar nicht kontrolliert, oder mit altersgerechten Einschränkungen versehen werden!

Das heutzutage leider übliche und von vielen Eltern und Pädagogen tolerierte und teils sogar beförderte Alter des ersten sexuelle Kontaktes liegt im Durchschnitt bei 14 bis 15 Jahren - sehr zum Schaden der körperlichen und seelischen Entwicklung der junge Menschen, nicht zu reden von der gesundheitlichen Belastung, welche die Einnahme der „Pille“ für den Körper dieser jungen Mädchen bedeutet!

Vor diesem Hintergrund ist es Ihnen sicherlich bewußt, wie wichtig es ist, daß Sie sich in diesem - so sensiblen, oft für das ganz Leben prägende Alter - gegenüber Ihrer Tochter klar positionieren und aus Ihrem natürlichem Empfinden und Ihrer wohl begründeten Meinung gegenüber dieses pubertären Schwärmerei keinen Hehl machen und mit Ihrer Tochter darüber sehr liebevoll und ausführlich, aber auch klar und bestimmt reden sollten!

Wäre es ein Jugendlicher aus den USA, so könnte man im Rahmen eines Jugendaustausches eine solche Kontakt - in allen schicklichen Grenzen - sicherlich gut heißen und sogar unterstützen, aber bei einem völlig unbekannt 45-jährigen Mann aus USA ist allein schon der Kontakt über Videochat höchst fragwürdig, ja gefährlich und sollte tunlichst unterbunden werden!

Vielleicht haben Sie ja noch nicht ausreichend eindringlich und bestimmt mit Ihrer Tochter über all diese Dinge gesprochen, denn wie aus Ihren Zeilen hervorgeht, sind Sie sich wohl bis jetzt selbst noch nicht über die gefährlichen Abgründe im klaren gewesen, die sich hier für Ihre Tochter auftun!

Da Sie nichts von Vater des Mädchens schreiben, vermute ich, daß Sie vielleicht eine alleinerziehende Mutter sind und sich deshalb im Kontakt Ihrer Tochter mit diesem Manne, vielleicht auch deren Sehnsucht nach einer Vaterfigur, bzw. einem väterlichen Freund ausdrückt!

Für eine gute soziale und menschliche Entwicklung eines Mädchen in diesem Alter, ist ein guter, liebevoller Kontakt mit dem eigenen Vater, oder gegebenenfalls auch mit einem Stiefvater von ganz besonderer Bedeutung.

Deshalb wäre es - nicht nur aufgrund der vorliegenden Problematik - ganz wichtig, daß Sie liebe Frau G., Ihre vorliegende Sorge mit dem Vater Ihrer Tochter teilten und alles versuchten, um diesen so wichtigen familiären Kontakt zu stärken und zu fördern!

Soweit - liebe Frau G. - meine Hinweise aufgrund der wenigen mit vorliegenden Informationen, in der Hoffnung Ihnen damit einen wichtigen Schritt weiter geholfen zu haben. Für Rückfrage, oder eine weiterführende Beratung zu diesem oder einem anderen Thema stehe ich Ihnen auch gerne weiterhin zur Verfügung.

Im Gegenzug würde ich mich über eine umgehende Bewertung und kurze Kommentierung dieser meiner kostenlosen Antwort freuen und verbleibe für heute mit allen guten Wünschen als Ihr Psychomeda-Berater

Mehr zum Thema auf Psychomeda

Online-Beratung

Auf Psychomeda beantworten Psychologen und Therapeuten Ihre Fragen unentgeltlich. Jetzt online Ihre Frage stellen...


Therapeuten

Zuletzt aufgerufene Therapeuten-Seiten. Therapeut, Coach, Berater? Eintragen...


Beliebt auf Psychomeda


TwitterSocial Feed



Folgen Sie uns auf Twitter


Qualität

Psychomeda ist ein unabhängiges psychologisches Informations- und Beratungsportal von Psychologen und Therapeuten. Wir informieren evidenzbasiert und auf wissenschaftlicher Grundlage. Weiter