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Schwere Depression wie geht es weiter?

Sabor (w, 39) aus Lößnitz : Hallo,ich war nach langem Überlegen bei meinem Hausarzt und es wurde eine schwere Depression festgestellt. Einen Termin beim Psychologe habe ich erst im November bekommen. Habe vom Hausarzt Antidepressiva bekommen. Ich bin berufstätig als Paketzustellerin tätig, ich habe die ganze zeit mich aufgerafft zur Arbeit zu gehen, aber jetzt überlege ich echt erstmal krank zu machen weil es irgendwie nicht mehr geht. Denke auch darüber nach den Beruf nicht mehr auszuüben.

Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Liebe Sabor,

erst einmal möchte ich Ihnen meine große Anerkennung aussprechen, dass Sie sich bei uns gemeldet haben. Ich kann mir vorstellen, dass das angesichts der diagnostizierten schweren Depression nicht leicht für Sie war. Auch finde ich sehr bemerkenswert, dass Sie sich direkt um psychologische Hilfe gekümmert haben. Leider gibt es lange Wartezeiten momentan. Für mich klingt es so, dass es Ihnen wichtig ist, Ihre Situation zu verändern.

Es entsteht beim Lesen Ihrer Nachricht der Eindruck, dass die schwere Depression einen Prozess in Ihnen ausgelöst hat und Ihnen eine Grenze aufgezeigt hat: Möchte ich so mit meinem Leben und/oder meinem Beruf weitermachen? Kann ich so weitermachen? Wenn ich nicht so weitermachen möchte oder weitermachen kann wie bisher: Was soll oder kann ich stattdessen tun? Ihre Entscheidung, psychologische Hilfe zu suchen, klingt hilfreich und sinnvoll, um die wichtigen, anstehenden Themen auf den Tisch bringen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Ich habe gespürt, dass ich ziemliche Schwierigkeiten habe, auf Ihre Frage Arbeiten gehen oder 'krank machen'? zu antworten.

Mein erster Impuls war: Natürlich krank schreiben! Sofort! Auszeit! Die Psyche zeigt doch eine eindeutige Grenze! Eine Depression ist eine Krankheit und bei Krankheit lässt man sich krankschreiben!

Da hat sich dann aber direkt eine weitere Stimme in mir gemeldet, die mir gesagt hat: Halt! Stopp! Wenn Sabor nicht mehr arbeiten, dann gibt es keine Struktur mehr in ihrem Leben. Und dann? Vielleicht macht das die Depression nur noch schlimmer und das Leben sinnlos oder sinnloser, wenn die Arbeit und die Tagesstruktur fehlen? Und was ist mit Sabors Arbeitgeber? Wird Sie Ihren Job vielleicht verlieren, wenn sie dauerkrank ist?

Wie Sie erkennen können, liebe Sabor, ich kann Ihnen keine 'gescheite' Antwort geben. Auch wenn ich diesen Wunsch sehr gut nachvollziehen kann.
Es erscheint sinnvoll, wenn Sie das Für und Wider einer Krankschreibung sorgfältig abwägen.

Allerdings kamen mir noch ein paar Ideen, die Sie, wenn Sie möchten, im folgenden lesen können:

Was Sie vielleicht tun könnten: Sprechen Sie bitte noch einmal mit Ihrem Hausarzt. Der kennt Sie und Ihre Lebensumstände, mehr oder weniger gut oder immerhin besser als ich, und kann vielleicht besser beurteilen, ob eine Krankschreibung für Sie hilfreich sein könnte.

Eine weitere Idee von mir ist: Wenn es Familie, Freunde oder Partner/in gibt: Was würden diese Ihnen raten? Bitte suchen Sie nur Menschen aus, die Ihnen auch wohlgesonnen sind und die Sie mögen und umgekehrt. Wenn Sie feststellen, dass Sie auf persönliche Kontakte im Moment nicht zurückgreifen können: Es gibt Internetforen, in denen sich von Depressionen betroffene Menschen austauschen, wie zum Beispiel: https://www.diskussionsforum-depression.de/. Vielleicht wäre das ein Weg für Sie, um mehr Klarheit zu bekommen?

Als letzte Idee kam mir in den Sinn, dass Sie vielleicht bei der Arbeitsagentur nachfragen, welche Umschulungsmöglichkeiten oder ähnliches es gibt, wenn Sie Ihren Beruf wechseln möchte. Dann ergibt sich womöglich schon eine Alternative, über die Sie in Ruhe nachdenken können.

Jetzt wünsche ich Ihnen von Herzen, dass Sie nach und nach wieder die Kraft und Energie für Ihren Lebensweg finden. Und was ich ganz wichtig finde: Überfordern Sie sich nicht. Achten Sie auf die ganz kleinen, klitzekleinen positiven Veränderungen, die sich durch Sie oder durch äußere Umstände ergeben. Ich möchte noch einmal meine Worte vom Anfang aufgreifen: Sie haben schon zwei riesen Schritte unternommen: Hausarzt und ab November psychologische Hilfe. Sie haben sich also schon auf den Weg gemacht, etwas zu ändern. Ich drücke Ihnen die Daumen für Ihren ganz persönlichen Weg!

Ich freue mich, wenn Sie in der Bewertung rückmelden, ob meine Antwort für Sie hilfreich war. Es grüßt Sie herzlich

Ihre Christina Schulz












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