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Ich habe Angst, meine Partnerin nicht mehr zu lieben

Marvin (m, 25) aus Freiburg: Guten Abend,

vor ca. 3 Monaten hatte ich einen komischen Traum, bei dem ich alleine in eine andere Stadt gezogen bin. Als ich aufgewacht bin, merkte ich, dass keinerlei Liebesgefühl für meine Familie und vor allem für meine Partnerin zu greifen war.

Wir haben eine schwere und ziemlich stressige Zeit hinter uns. Unser Sohn ist nun 8 Monate alt und hatte die ersten 4 1/2 Monate starke Koliken und war ca 6-8 Stunden/Tag nur am schreien und dann kam auch noch Corona und das damit verbundene Homeoffice hinzu.

Mittlerweile habe ich die Diagnose Depression und Anpassungsstörung erhalten, was das fehlende Liebesgefühl erklären könnte. Ich nehme seit 16 Tagen Sertralin und habe aber bisher noch keine wirklichen Fortschritte bemerkt.

Was mich ziemlich belastet ist, dass ich mich so sehr nach dem Gefühl für meine Partnerin sehne, dass ich es immer wieder unbewusst herausfordere und enttäuscht werde. Die letzten Wochen wurden die Stimmen in mir, die sagen, dass ich sie tatsächlich nicht mehr liebe, leider immer lauter und das macht mir Angst.

Ich hatte in letzter Zeit zwar immer mal wieder kurze Momente, in denen ich die Liebe zu ihr tatsächlich spüren und genießen konnte, aber die wurden im Verlauf immer weniger und ich kann sie bereits nach kurzen Augenblicken auch nicht mehr greifen.

Es macht mich verrückt, weil ich diesen besonderen Menschen nicht verlieren möchte, aber alles in mir danach schreit, dass es bald keinen Ausweg mehr gibt und ist negativ gestimmt.

Hätten Sie mir einen Ratschlag, wie ich diese Situation überstehe?
Lg Marvin




Antwort vom Psychomeda Therapeuten-Team:

Hallo Marvin,

ich danke Ihnen für Ihre Anfrage. Ihr Medikament benötigt etwas Zeit, um seine Wirkung zu entfalten. Sie erleben seit 8 Monaten eine außerordentliche Belastung, die Sie mit Ihrer Partnerin zusammen versuchen zu bewältigen. Es gelingt Ihnen, doch es gibt Momente, in denen Sie sich gefühllos oder entfremdet von Ihrer Partnerin fühlen. Je mehr Sie sich darauf konzentrieren und nach dem ursprünglichen Liebesgefühl suchen, desto weniger wird es greifbar sein. Liebe verflüchtet sich, wenn man zu viel erwartet, über sie grübelt oder sie gar erzwingen will.

Insofern rate ich Ihnen - und es mag für Sie eventuell banal klingen: Lassen Sie gedanklich und emotional los. Loslassen bedeutet nicht Trennung, Desinteresse oder Aufgeben. Es bedeutet, dass Sie anerkennen, dass Sie als Paar durch eine sehr schwierige Zeit gehen, sich überfordert fühlen und es jetzt darauf ankommt, ein partnerschaftliches Team zu sein.

Sehen Sie Ihre Partnerin mit klarem, authentischem Blick. Nicht die Projektion, die Sie von ihr haben oder voher hatten. Geben Sie auch das Bild auf, dass Sie von sich selbst haben. Lassen Sie jegliches Wunschdenken oder Idealisieren los, es wird enorm unterstützend und hilfreich sein.

Wenn Sie merken, dass Ihnen das allein sehr schwer fällt, lassen Sie sich psychotherapeutisch begleiten. Das wird Sie entlasten und Ihre Perspektiven verändern.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße

Anke Wagner
Heilpraktikerin f. Psychotherapie





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